Wörns der Woche 27.Spieltag: Oliver Kahn (Bayern München) Autor: Tim Sohr
Oliver Kahn müsste es mit seinen bald 38 Jahren wirklich besser wissen. Es spielt keine Rolle, dass es schon brutalere Tätlichkeiten als den Griff des Torwart-Titanen an den Hals des Schalker Dänen Sören Larsen gab. Ebenso wenig dient eine Aussage wie die von Franz Beckenbauer einer seriösen Situationsbewertung, denn der Kaiser rüffelte den Keeper zwar mit den Worten „Das gehört nicht auf den Fußballplatz, vielleicht zu Maske gegen Hill“, man muss jedoch kein Prophet sein, um zu wissen, dass dieses Urteil bei tatsächlichem Platzverweis und dadurch weniger erfolgreichem Spielverlauf für den Rekordmeister ganz anders ausgefallen wäre – die Sanftmütigkeit des Siegers!
Kahns Ausrasterregister ist lang – Heiko Herrlich, Stephane Chapuisat, Thomas Brdaric, Miroslav Klose und sogar sein damaliger Mannschaftskollege Andreas Herzog können ein Lied davon singen. Als Ausrede bedient er gerne Klischees von „besonderem Druck“ und „emotionalen Ausnahmesituationen“. Umstände, die auf diesem Niveau für alle Profis gelten. Dass, was Kahn angeht, umgehend eine halbe „Doppelpass“-Sendung lang ein alkoholisierter Ex-Trainer und ein geistesschlichter „BILD“-Zeitungsyuppie eifrig diskutieren, ob der Torwart einen Psychologen braucht, ist nichts neues, und sicherlich ein Resultat aus dem Standing Kahns und der Summe der Ereignisse in seiner Laufbahn. Mirko Slomka sprach von einem Bonus, den sich die Bayern und Kahn erarbeitet haben. Sich auf diesen Bonus verlassen zu haben, ist unter Kahns Niveau. Genau deshalb hätte er es besser wissen müssen. Und genau deshalb, nicht wegen der Szene aus der 68.Minute des Spitzenspiels Bayern-Schalke, nicht wegen der zweifelhaften Standfestigkeit Sören Larsens, sondern wegen Oliver Kahns bisweilen kurzsichtigen Tunnelblicks, gebührt ihm an diesem 27.Spieltag der „Wörns der Woche“.
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