05.01.07
Millionenschwere Missverständnisse?
 
Autor: Daniel Wehner

Über Top-Zugänge wie Diego, Gekas, Pardo oder Streit wurde viel geschrieben. Mannschaftliche Erfolge wurden auf sie reduziert, Scorerpunkte und Fansympathien auf sie verteilt. In dieser Rubrik widmet sich Pokalo.de den weniger gelungenen Einständen der verhinderten Hoffnungsträger.

Michael Thurk

Als Jürgen Klinsmann bekannt gab, Mike Hanke in den WM-Kader zu berufen, reagierten viele Beobachter mit Unverständnis. Eine Hand voll Sturm-Kandidaten galt als formstärker und damit auch geeigneter, darunter auch Michael Thurk, der mit 12 Toren zweitbester deutscher Bundesligatorjäger war. Von diesem Höhenflug scheinbar geblendet setzte Thurk alles daran, sich von den Mainzern loszueisen. Schließlich warteten in Frankfurt große internationale Aufgaben. Was folgte, war das Zerwürfnis mit Jürgen Klopp, ob des allzu großspurigen Auftretens Thurks. Die Mainzer Erdung hinter sich gelassen suchte er im glamourösen Frankfurt den Neuanfang. Seine Bilanz: 14 Spiele, 1 Tor. Dabei kam er in den letzten 7 Spielen nie länger als 45 Minuten zum Einsatz. Der Kicker bescheinigte seinen Leistungen einen Notenschnitt von 4,23, dem schlechtesten Wert im Frankfurter Kader. Von einem selbsternannten Gipfelstürmer mit der Rückennummer 11 darf man mehr erwarten.

Nelson Valdez

Mit der Empfehlung von 21 Bundesligatoren wechselte Valdez zu Beginn der Saison mit hohen Erwartungen von Bremen nach Dortmund. Er wollte nicht länger in Reihe zwei, hinter Klose und Klasnic, anstehen und den lang ersehnten Durchbruch schaffen; zeigen, dass er mehr als nur eine Alternative sein kann. Mit eisernem Ehrgeiz strebte er nach großen Taten, wollte sich einen Namen machen, ein hohes Gehalt erarbeiten. Denn nach eigener Aussage stellte er sich seine Zukunft nicht als Paraguayischer Eisverkäufer vor. Soweit wird es wohl nicht kommen, dürfte sein Salär doch nicht ganz so niedrig ausfallen. Allerdings steht ihm die Rückstufung ins zweite Glied kurz bevor – nämlich dann, wenn Jürgen Röber auf ein 4-4-2-System umstellt. Bekanntlich sind Tore die beste Stammplatzgarantie. Da ihm in 13 Spielen aber keines gelang, wird sich der Paraguayer vorerst als Alternative wieder einen Namen machen müssen.

Frank Fahrenhorst

Einst hatte Peter Neururer ihn in Bochum zum Nationalspieler geformt; mit konstanten Leistungen schien der 1,90 Meter große Manndecker seinen Ruf des „(Ge-)Fahrenhorst“ längst abgelegt zu haben. 2004 dann der Wechsel zu Bremen, wo er zunehmens unglücklich agierte und den Durchbruch nie schaffte. Nach Meinung Peter Neururers sollte diese Saison die Wende bringen. Und die Vorzeichen stimmten: Wie Beobachter kolportierten, spielte er die beste Vorbereitung seiner Werderaner Zeit. Nachdem Neururer ihn im Tausch gegen Mertesacker nach Hannover lockte, sprach er ihm immer wieder sein Vertrauen aus: "Für mich ist Frank Fahrenhorst einer der stärksten deutschen Innenverteidiger. Joachim Löw sieht das ebenso." Doch Neururer musste gehen und Fahrenhorst erkennen, dass es Vinicius und Zuraw mit „einem der stärksten deutschen Innenverteidiger“ aufnehmen können. Für Fahrenhorst blieb meist die Bank und eine nationale Perspektive weniger.

Federico Insua

Die Fohlen aus Mönchengladbach kauften den Argentinier für die Kreativ-Zentrale. Bei den Boca Juniors hatte er sich mit hoher Spielintelligenz und Antrittsstärke sogar in den erweiterten Kreis der Nationalelf gespielt. Bei der Borussia konnte der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte (4 Millionen Euro) noch nicht die Akzente setzten, für die er geholt wurde. Bislang fiel ist die Effizienz seiner Aktionen mit nur einem Assist in 15 Spielen zu gering aus.

José Paolo Guerrero

Mit großen Namen handelte der HSV zu Saisonbeginn. Für die Offensive sollten Hochkaräter wie Baros, Kluviert oder Farfan nach Hamburg gelotst werden. Wer kam, waren Sanogo, Ljuboja und Guerrero. In der laufenden Saison konnten sie allesamt nicht überzeugen. Mit nur zwei Spielen über 90 Minuten und fast einem Dutzend desolater Kurzeinsätze zeigte der Peruaner allerdings noch seltener als seine Sturmpartner, wofür er geholt wurde. Einzig gegen Leverkusen, als er in der 69. Minute ins Spiel kam und die Partie mit zwei Treffern drehte, ließ er sein Potential aufblitzen. In der Folge zeigte sich aber auch, dass aufblitzendes Können ebenso schnell kommen wie gehen kann.

 
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