06.05.07
Top 5ive...der brutalsten Fouls jüngerer Fußballgeschichte
 
Autor: Daniel Wehner

Ob ein gekonnter Zupfer am Trikot des Gegenspielers, ein Tackling, dass nur auf die Beine zielt oder ein Ellbogeneinsatz, der mehr mit Körperverletzung als mit natürlichem Reflex zu tun hat: Fouls gehören zum Ligaalltag. Meist sind sie Mittel zum Zweck, mal offensiver Akt der Frustbewältigung, selten mutwillige Maßnahme Schmerz bereitender Regelwidrigkeit. Dass die Grenzen oft fließend sind, zeigte die Grätsche von Fernando Meira an Marek Mintal im Pokalfinale zwischen Nürnberg und Stuttgart. Anlässlich solcher Szenen widmet sich Pokalo.de den Topfive der brutalsten Fouls der Fußballgeschichte.

Platz 1: Hrvoje Vukovic an Skerdilaid Curri Wenn Strafantrag gegen einen Fußballspieler wegen Autohelerei – geschehen im Fall Maurizio Gaudino - gestellt wird, bekommt man einen durchaus interessanten Einblick in die Kreativität mancher Spielerhobbys. Wird allerdings Strafantrag gestellt, weil man als nicht ausgebildeter Shaolin-Kämpfer seinem Gegenspieler auf dem Platz versucht, durch den Rumpf zu springen, dann stößt das schonmal übel auf. Als Karate-Kicker mit der Lizenz zum Töten versuchte sich der Burghausener Hrvoje Vukovic, als er 2004 dem Auer Skerdilaid Curri nach akrobatischem Luftakt sein ausgestrecktes Bein in die Seite rammte. Folge: Intensivstation, Lungenriss, zwei gebrochene Rippen. An der Brutalität des Fouls ließen auch die Aussagen der Offiziellen keinen Zweifel. So sagte Aue-Präsident Uwe Leonhardt: „Wir sehen in diesem Vorgang eine Art Hinrichtung.“ Ähnlich sah das wohl auch die Zwickauer Staatsanwaltschaft, als sie kurz darauf Strafanzeige erstattete. Mit der Frage der Absicht beschäftigte sich später auch der Geschädigte. Denn für den Fall, dass es sich bei dem Foul um eine mutwillige Tat gehandelt hat, kündigte Curri noch vom Krankenbett schlagende Konsequenzen an: „Ansonsten stehe ich vielleicht irgendwann früh auf und fahre in Richtung Burghausen. Es gibt noch eine andere Sprache als Fußball."

Platz 2: Norbert Siegmann an Ewald Lienen

Die Bilder der Verletzung hatten erschreckende Ähnlichkeit mit den Aufnahmen der Fleischwunde von Christoph Preuß aus dieser Saison. Nur dass die Szenarien im Umfeld eine dramatischere Eigendynamik nahmen. Nachdem die Stollen des Bremers Norbert Siegmann durch den Oberschenkel von Ewald Lienen (Bielefeld) wie Rasierklingen glitten, klaffte eine 30-Zentimeter lange Schnittwunde an seinem Bein – die es in zwei Hälften zu spalten schien. Laut Lienens späterer Anschuldigungen sah er sich der bewussten Körperverletzung ausgesetzt – eingeleitet durch den Bremer Trainer. Otto Rehagel soll seinem Verteidiger „Pack ihn dir“ zugerufen haben. Zeugen: Drei Bielefelder Reservisten. Rehagel versuchte noch zu retten, was nicht mehr zu retten war: "Wir haben nie, in keiner Weise daran gedacht, den Herrn Lienen vorsätzlich zu verletzen. Das war wirklich ein Zweikampf um den Ball." Doch das Presseecho (allem voran: BILD) und die Anfeindungen der Bielefelder zeigten Wirkung: Die Werderaner Pressestelle musste Morddrohungen an Siegmann und Rehagel entgegennehmen. Beim nächsten Spiel blieb Siegmann zu Hause, Rehhagel stand unter Polizeischutz, und seine Familie quartierte sich vorsichtshalber beim Werder-Vizepräsidenten Fischer ein. Noch ein halbes Jahr später, im Rückspiel auf der Bilefelder Alm, trug Rehagel eine schusssichere Weste. Das Sportgericht hatte ihn indes freigesprochen.

Platz 3: Duscher an Beckham

Für Deportivo La Coruna standen die Zeichen auf Sturm im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals 2002. In Manchester mussten sie einen 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel egalisieren. Doch die „Red Devils“ machten keinerlei Anstalten, sich den Einzug in die Runde der besten Vier noch nehmen zu lassen. Und so geht die Nummer drei der brutalsten Fouls an eine Regelwidrigkeit der Kategorie Frustfoul. In ähnlicher Manier wie Fernando Meira grätschte Pedro Duscher ohne Aussicht auf Ballgewinn auf den Schlappen David Beckhams – Diagnose: Mittelfußbruch. Das Foul allein hätte gereicht, um sich in die Topfive zu grätschen. Doch Duschers Aussagen im Anschluss machten seine Nominierung komplett: „Ich habe mich nicht entschuldigt und sehe auch keinen Grund dazu. Bei uns entschuldigt sich auch niemand, wenn ein Spieler verletzt wird. Nur weil Beckham ein Star ist, wird das ganze aufgebauscht.“

Platz 4: Poulsen an Rosenberg

Allein das Aufholen eines 0:3-Rückstandes in einem EM-Qualifikationsspiel zwischen Dänemark und Schweden (EM-Quali 08) ist eine Schlagzeile wert. Wenn Christian Poulsen dann beim Stand von 3:3 (90. Minute) im eigenen Strafraum ausholt um Markus Rosenberg einen kräftigen Schwinger in den Magen zu verpassen, rot zu kassieren und einen Strafstoß zu verursachen, wird es eine dicke Schlagzeile. Wenn dadurch ausgelöst ein dänischer Fan auf das Grün läuft, um Schiri Fandel zu attackieren, dann wird ein wuchtiger Magenschlag zu einem handfesten Skandal. Anlässlich dessen stellte eine dänische Zeitung das Foto des dänischen Fans neben das von Christian Poulsen und titelte: „Wer ist der größte Idiot?“ Der Dänische Justizminister Lene Espersen entschied sich derweil für: „Poulsen“.

Platz 5: Meira an Mintal

Tätlich in Form eines Faustschlags geworden hatte sich bereits wenige Minuten vor Meiras Auftritt Cacau mit Rot verabschieden müssen. Als Meira dann dem 1:1-Ausgleichsschützen beim diesjährigen Pokalfinale zwischen Nürnberg und Stuttgart das Standbein weggrätschte, hätte es die zweite rote Karte geben müssen. Doch Meira kassierte Gelb, durfte weiterspielen, wurde aber bekanntlich trotz des späten 2:2-Treffers der Stuttgarter – und anschließender Verlängerung – nicht belohnt. Nun kann viel darüber spekuliert werden, ob er das Foul in der Form in Kauf genommen hat, da Schiri Weiner nicht seinen besten Tag erwischte und davon auszugehen war, dass er in so kurzer Zeit keinen zweiten Platzverweis verhängen würde. Fakt ist: Fernando Meira packte eine Grätsche aus, die nur auf den Mann - bzw. das Schienbein - ging. Er verletze Mintal dabei, nahm ihm die weitere Teilnahme am größten Nürnberger Erfolg seit Jahren und die Chance, die Slowakei im Rennen um einen EM-Platz zu halten. Die Sportjournalisten waren sich einig: „Eines der brutalsten Fouls der vergangenen Jahre.“

 
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