06.05.07
Top 5ive...der gescheiterten Fußballer-Sprösslinge
 
Autor: Daniel Wehner

Dass Namen nicht immer Schall und Rauch sind, zeigt der Einfluss großer Namen auf die nachfolgende Generation ihrer Würdenträger. So schaffen es nur die wenigsten Sprösslinge von Fußball-Ikonen, dem namentlichen Mythos entgegenzuhalten, um sich einen eigenen und nicht weniger ikonenhaften Ruf zu erarbeiten. Den gescheiterten Beispielen doppelt klangvoller Namen widmet sich die Top5ive der gescheiterten Fußballer-Sprösslinge.

1. Stefan Beckenbauer

Mit einer Lichtgestalt zum Vater startete seine Karriere unter denkbar ungünstigen Vorzeichen. Denn wer Beckenbauer heißt, sollte unbedingten Führungsanspruch, brillante Technik und einen Offensivdrang des Prädikats „Weltklasse“ mit sich bringen. Und zunächst schienen die Weichen gestellt. Als einziges der Beckenbauer-Kinder schaffte er den Sprung in den Profifußball. Standesgemäß hieß seine erste Profistation: FC Bayern München. Dort wurde er 1988 mit 18 Jahren in der ersten Mannschaft aufgenommen. Somit enteilten die Erwartungen schnell in luftige Höhen: von einem neuen Superstrategen, Abwehrstern am Fußballhimmel und Weltklasse-Beckenbauer war schnell die Rede. Und so kam es, wie es kommt, wenn der Druck überbordet: Nach zwei Spielzeiten bei den Bayern wechselte er gefrustet zu den Münchener Löwen. Sein Kommentar dazu: „Ich konnte meinen Vater nicht mehr sehen!“ Was folgte, war eine Reihe gescheiterter Anläufe, als Profispieler Fuß zu fassen. Von 1860 München wechselte er zu Kickers Offenbach, um von dort zum 1.FC Saarbrücken weiterzuziehen. Mit Saarbrücken brachte er es 92/93 auf 12 Bundesligaspiele (kein Tor, eine rote Karte). Danach ging es als Tabellenachtzehnter zurück in die zweite Liga, wo er 93/94 ebenfalls nur 12 Spiele bestritt. Die Konsequenz: Stefan Beckenbauer beendete seine Profikarriere früh, konnte er die in ihn gesetzten Erwartungen doch nie erfüllen. Derzeit ist er Trainer der C-Jugend des FC Bayern München. Sein größter Trainererfolg beim FC Bayern: B-Jugend-Meister 2001.

2. Jordi Cruyff

Auch der Vater von Jordi Cruyff warf einen überdimensional großen Schatten. Er wird auf ewig als „der“ Kapitän in den Analen des FC Barcelona festgehalten sein – als Fußballkünstler und Hauptvertreter einer neuen Fußballära, in der nicht mehr statisch auf den jeweiligen Positionen verharrt wurde, sondern sich taktischen Positionen während eines Spiels ständig wechselten. Um Verwirrung zu stiften, ließ sich Johan Cruyff meist aus der Mittelstürmerposition tief ins Mittelfeld fallen und rotierte anschließend Richtung Außenbahn. Flexibilität war das Credo seiner Spielweise. Gemessen an seinen Leidensgenossen kam Jordi Cruyff vergleichsweise besser als seine „Leidensgenossen“ mit dem Namen seines Vaters zurecht. Doch trotzdem er Wert darauf legt, dass seinen Trikotrücken nicht der Name „Cruyff“, sondern „Jordi“ ziert, konnte er sich den Vergleichen mit seinem Vater nie entziehen. Daher verlieren seine durchaus vorzeigbaren Referenzen ob der Heldentaten seines Vaters immer wieder an Glanz. Nicht von der Hand zu weisen ist: auf seiner Vita finden sich Vereine wie der FC Barcelona, Manchester United oder Deportivo Alavés, mit dem er 2001 ins UEFA-Pokal-Finale einzog. Er schaffte allerdings nie mehr als 10 Tore pro Saison, für einen Stürmer nicht gerade ein Aushängeschild – erst recht nicht für einen Stürmer mit dem Namen Cruyff. Und genau hier liegt das Problem. Denn „Jordi“ muss sich nicht nur als Stürmer beweisen, sondern als Stürmer der Gattung Cruyff. Bei seinem derzeitigen Verein Metalurh Donetsk dürfte es schwierig werden, sich als Stürmer zu beweisen, und gleichzeitig den Namen Cruyff hochzuhalten.

3. Jens Rehhagel

Mit 201 Bundesligaspielen und zahlreichen Trainererfolgen legte auch Otto Rehhagel die Messlatte für seinen Filius in unerreichbare Höhen. Deutlich wird das Dilemma zwischen Sprösslingen und ihren Fußballvätern anhand einer gerne erzählten Anekdote: Als Jens Rehagel in einem Amateurspiel des Platzes verwiesen wurde, rief ihm der Schiri „Und richten Sie ihrem Vater einen schönen Gruß von mir aus“ hinterher. Otto Rehhagel dürfte bei einem Platzverweis durch den vierten Referee wohl kaum in die Verlegenheit geraten, Grüße an seinen Sohn entgegennehmen zu müssen. Derweil sieht sich Jens Rehhagel solchen Situationen nicht mehr auf dem Fußballplatz ausgesetzt. Als Spieler schaffte er es nicht über das Regionalliga-Team von Werder Bremen hinaus. Daher leitet er seit dem 1. August 2005 das Nachwuchs-Leistungszentrum von Hannover 96. Vielleicht feiert er am Rande des Fußballplatzes ähnlich große Erfolge wie sein Vater. Noch bleibt dem Mittdreißiger reichlich Zeit dazu.

4. Dino Toppmöller

Gleich in seiner ersten Profisaison beim 1.FC Saarbrücken spielte er unter der Leitung seines Vaters Klaus Toppmöller, seiner Zeit mit einer Torquote von über 50 Prozent Rekordtorjäger (108 Tore in 204 Spielen) bei den „Roten Teufeln“ aus der Pfalz. Doch Klaus Toppmöller wurde entlassen, und so zog es auch Dino weg vom 1. FC Saarbrücken. Angeblich soll sein Vater seine guten Kontakte zum VFL Bochum, den er bereits zuvor trainiert hatte, bemüht haben, um Dino dort in der Saison 01/02 – nach einem kurzen Gastspiel bei Manchester City – unterzubringen. Einst gab Dino seine Motivation mit den Worten preis, er wolle „später nicht sagen müssen, ich konnte Vater nie das Wasser reichen.“ Aus fußballerischer Sicht schaffte er es bisher allerdings noch nicht, das Leistungsniveau seines Vaters zu erreichen. Zu buche stehen 101 Zweitliga-Einsätze und 15 Tore. Zwar schaffte er zweimal den Aufstieg in die Oberklasse (2002 mit dem VFL Bochum und 2003 mit Eintracht Frankfurt), doch wechselte er beide Male auf dem Höhepunkt des mannschaftlichen Erfolges zurück zu einem Zweitligaklub. Momentan versucht er seine Klasse bei den Kickers aus Offenbach zu beweisen.

5. Carsten Cullmann

Der Name Cullamnn wird meist in Verbindung gebracht mit der Kölner Ikone, einem Nationalspieler, Welt- und Europameister. Nur schade für Carsten Cullmann, dass damit sein Vater Bernd gemeint ist. Carsten Cullmann hat es zwar zum dienstältesten Profi der Kölner gebracht, durfte in den vergangenen zwei Jahren aber nur noch sporadisch Praxis auf dem Platz sammeln. Dabei ist weniger sein Alter (31), als mehr die sportliche Leistung ausschlaggebend. Wie kein zweiter im aktuellen Kader des 1. FC Köln erlebte er die Höhen und Tiefen von Auf- und Wiederabstieg. Dagegen beschränkte sich Bernd Cullmann mit einer Meisterschaft und drei Kölner Pokalsiegen eher auf die Höhen.

 
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