06.04.07
Top 5ive...der fragwürdigsten deutschen Trainerengagements im Ausland
 
Autor: Henning Hildebrandt

Deutsche Trainer im Ausland sind selten. Dennoch zieht es einige von ihnen immer wieder in andere, meist ferne Länder. Was die dortigen Verantwortlichen oftmals dazu veranlasst, sich des hiesigen Trainermarktes zu bedienen, wird zumeist mit den gleichen wenigen Worten begründet: Disziplin. Arbeitseinstellung. Und Einsatzbereitschaft. Es sind diese ominösen deutschen Tugenden, die die Spieler von ihrem neuen Trainer lernen sollen. Denn trotz spielerischer Fertigkeiten fehle es der Mannschaft an Grundlegendem. Taktisches Verständnis nahe Null und im Fach Sekundäreigenschaften eine glatte Sechs. Setzen. Im Gegensatz zu anderen europäischen Trainern - wie der Portugiese Jose Mourinho in Chelsea, der Niederländer Frank Rijkaard in Barcelona, der Spanier Rafael Benites in Liverpool, der Italiener Fabio Capello (noch) in Madrid, der Franzose Arsene Wenger in Arsenal oder der Italiener Giovanni Trapattoni in Salzburg, um nur einige wenige zu nennen, gibt es nur einzelne Ausnahmen, in denen auch deutsche Trainer im europäischen Ausland bei Vereinsmannschaften ihrer Arbeit nachgehen. Bei einem Top-Club sitzen sie zur Zeit nirgendwo auf der Bank. Beliebtestes Reiseziel war seit Mitte der Neunziger die Türkei, in der Christoph Daum einen regelrechten Nachfrage-Boom an deutschen Trainern auslöste. Ihm folgten u.a. Bundestrainer Löw, Alt-Teufel Kalli Feldkamp und Langzeit-Löwe Lorant. Doch der morgenländische Arbeitsmarkt ist mangels Nachfrage spätestens seit Lorants Misserfolg erst einmal passé.

Derzeit prominentestes Beispiel eines Deutschen im Ausland ist Bernd Schuster bei FC Getafe, dem womöglich alsbald ein Engagement bei den Königlichen winken könnte. Weitere, aber auch weitaus unspektakulärere Beispiele sind Ewald Lienen und Reiner Maurer in Griechenland, bei Panionios Athen bzw. OFI Heraklion, bei mittelklassigen Erstligisten. Neben diesen sei auch Guido Buchwald nicht unerwähnt, der mit den Urawa Red Diamonds den Gewinn des japanischen Kaiserpokals und die J-League-Meisterschaft 2006 feiern durfte. Als „Trainer des Jahres 2006“ beendete „Guido-San“ jedoch sein Traineramt in Asien und ist seitdem auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Ottmar Hitzfeld hätte wohl einer derjenigen werden können, der das Erbe des ehemaligen Erfolgstrainer Udo Lattek, seinerzeit in Barcelona beschäftigt, hätte antreten können. Doch ihn zog es bekanntermaßen zurück nach München. In die Heimat. Betrachtet man die jetzigen Trainer im Ausland, so sind es beinahe allesamt solche ihrer Zunft, denen in ihrer Heimat vermutlich eben kein Job angeboten werden würde. Wie Noch-Grieche Otto Rahhagel sind sie häufig Nationaltrainer. Jedoch in fußballexotischeren Ländern. Wie Otto Pfister, einst in Togo. Weltenbummler werden sie schnell genannt. Erfolgstrainer dagegen seltener. Deutsche Vereins- und Nationaltrainer im Ausland…
Die Top 5ive der fragwürdigsten deutschen Trainerengagements im Ausland:

1. Berti Vogts / Nigeria

Hans Hubert Vogts. Einst der „Terrier“ der deutschen Nationalmannschaft ist angekommen auf dem schwarzen Kontinent. Als Trainer der Supereagles, wie die nigerianische Nationalmannschaft gerne genannt wird und 1994 gefeiert wurde, soll der gebürtige Büttgener seinen Spielern Disziplin und taktisches Verständnis beibringen. Denn genau daran fehle es der Mannschaft. Und wer könnte dies besser als ein Deutscher, der als Trainer Europameister geworden ist. Sagen sich vermutlich die Funktionäre des Nigerianischen Fußball-Verbandes. Ob sie auch wissen, dass Berti Vogts während seiner acht Jahre in Deutschland unter permanenter Dauerkritik stand und sein Abgang - berechtigterweise - weit vor 1998 lauthals gefordert wurde? Ob sie wissen, dass Berti Vogts in Leverkusen eine halbe Saison lang erfolglos trainierte? Ob sie denn wissen, dass er nach einem halben Jahr in Kuwait auch in Schottland den Erwartungen nicht gerecht wurde und dort wegen Erfolglosigkeit und verpasster EM-Qualifikation gehen musste? Wer weiß. Nun also soll Berti es in Nigeria richten, steht doch die WM in Südafrika bevor, bei der erstmals sechs afrikanische Mannschaften am Endturnier teilnehmen dürfen. Im Gepäck hat Vogts zwei alte Bekannte aus Deutschland, die mit ihm den Trainerstab vervollständigen: Thomas Häßler und Uli Stein als Torwarttrainer. Dabei scheint aufzufallen, dass sich der einstige Nationaltorwart weitaus besser eingelebt hat als sein Jung-Trainerkollege. Während Uli Stein im ZDF-Bericht gemütlich über den Markt in Lagos spaziert und über nigerianische Lebensverhältnisse philosophiert, vermeidet „Icke“ den Ausflug ins Freie aus Sicherheitsgründen. Im Training sollte Häßler während eines Waldlaufs Dehnübungen vormachen. Doch leider fielen ihm in der Aufregung vor den Spielern keine ein, so dass jeder Nationalspieler eine Übung in die Runde einbringen soll, die alle nachmachen mussten. Das Trainertrio der Zukunft befindet sich noch in den Kinderschuhen. Und so bringt es Berti Vogts zur Zufriedenstellung aller inländischen Journalisten auf den Punkt, als er in die Mikrofone spricht: „Football is more than goals and points. It‘s discipline.“ Stimmt. Sagen sich die Verantwortlichen. Denn aus dem Grund wurde er berufen.

2. Wolfgang Sidka / Al Gharrafa (Katar)

Wolfgang Sidka ist wohl ein Paradebeispiel der so genannten Trainer-Weltenbummler. Erfolglos. Weg. Und weiter erfolglos. Viel herumgekommen ist er zwar nicht, dafür aber hat er eine neue Heimat fern ab der alten gefunden. In Katar. Dort zieht es nicht nur in die Jahre gekommene Spieler wie Stefan Effenberg und Mario Basler gerne hin, sondern immer wieder auch Trainer. Ex-Spieler Wolfgang Sidka besitzt seit 1988 die Trainerlizenz und zeigte sich zu Beginn der „Karriere“ verantwortlich für Mannschaften wie Tennis Borussia Berlin und FC Oberneuland. 1997 war er einmalig in der ersten Bundesliga aktiv. Da seine Station beim SV Werder Bremen jedoch genauso erfolglos wie kurz war, verließ er mangels Angeboten den deutschen Vereinsfußball und wurde Nationaltrainer im arabischen Bahrain. Wechselte von dort zu Al Arabi, um zwei Jahre später wieder Nationaltrainer des Staates zu werden. Den erhofften und weltfremden Erfolg, nämlich die WM-2006-Qualifikation der Mannschaft, erreichte er zur „Überraschung“ des Verbandes nicht. Dabei ist er doch ein Deutscher. Die qualifizieren sich doch immer und überall für alles. Sidka, der schlechtere Pfister, wurde entlassen. Nach diesem Vertrauensbruch versuchte Sidka sich nochmals in Deutschland beim Oberligisten MSV Neuruppin. Wieder erfolglos. Seit Februar 2007 ist er nun Trainer bei Al Gharrafa in Katar. Neue Heimat, neues Glück.

Fortsetzung



 
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