07.10.07
9.Spieltag
„Ja. Tor schön.“
Autor: Henning Hildebrandt

„Aber die Mannschaft verloren. Das ist bunte Liga. Das ist Fußball. Jetzt Köpfe hoch. Weit’arbeit’“ Ailton trifft. Ailton spricht. Duisburg verliert. Und Bremen gewinnt. Aber Hauptsache: Das Tor war schön. Ailton, der pummelige Brasilianer, der in den letzten Monaten entweder auf der Ersatzbank oder auf irgendeinem Pferd sitzend zu sehen war, darf endlich wieder spielen. Da den Duisburgern um Rudi Bommer derzeit nach einem für Aufsteiger gewöhnlich durchwachsenen Saisonstart bis zum 4. Spieltag und weiteren vier Spielen und vier Niederlagen nicht mehr viel einfällt, wird der zugleich umjubelte sowie fragwürdige Neueinkauf auch direkt in die Startelf gehoben. In seinem 215. Bundesligaspiel erzielte der einstige Kugelblitz, heute mehr Kugel, denn Blitz, denn auch nach 15 Minuten sein 107. Tor. Und das gegen seine ehemaligen Kollegen aus Bremen, die mit halbseitig breiter Brust – dem 8:1 in der Liga folgte bekanntlich das 1:3 in der Championsleague –in den Ruhrpottrandbezirk einmarschierten. Seine Aufgabe hatte Ailton demnach erfüllt, aber die Mannschaft zog nicht mit. So ging das Spiel mit 1:3 verloren. Für Duisburg. Aber auch für Ailton? Irgendwie wird man den Anschein nicht los, dass der in guter Rink-Dundee-Tradition Fast-Eingebürgerte in einer Mannschaftssportart Solist im Knabenchor ist und bleibt. Er spielt mit und gewinnt. Oder er spielt mit und „Mannschaft verliert“. Das ist Ailton. Das ist Fußball. Nicht viel mit Fußball gemein hatte das, was in Berlin und Wolfsburg zu sehen war. Allerdings ist auch nicht mehr zu erwarten, wenn die Spielansetzung ein Treffen grauer Mäuse organisiert. Dass jedoch nur Rostock als einziger Verlierer neben den insgesamt 75.000 zuschauenden Menschen aus diesen beiden Duellen hervorging, lag allen voran am Berliner Pantelic, der in letzter Minute einen Elfmeter an die Latte hämmerte. Das dem Fußball Immanente offenbarte sich woanders: In Dortmund gewinnt die schlechtere Mannschaft in Unterzahl, in Bielefeld beweist sich die Klasse eines Einzelnen, in diesem Falle von van der Vaart. Auf Schalke düpiert ein erfolgswellenreitender Aufsteiger einen bis dahin ungeschlagenen „Meister-hinter-Bayern“-Favoriten. In Frankfurt bezwingen technisch starke Mit-Streiter müde Europa-Touristen. Und in Stuttgart bewahrheitet sich die Brehm’sche Weisheit, mit der „Scheiße am Fuß“, die, einmal dran, unglaublich hartnäckig ihren Platz zu verteidigen weiß. Was Fußball denn in Reinkultur ist, durfte der Zuschauer dann am Sonntag in München bewundern. Große Spieler haben den Weg an die Säbenerstraße gefunden. Und sie zeigen der Liga in für deutsche Verhältnisse ungewohnt zauberhafter Art, wie er geht. So dass selbst Durchschnittskicker wie Ottl und Lell an der Seite von Ribery und Doppelpack-Toni aufblühen. Mit lezterem ist selbstverständlich nicht der „Dördie-Harry“-Polster gemeint, sondern sein (unglaublich effizientes) italienisches Pendant. Lieber Ailton, das ist Fußball.

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