23.10.06 8.Spieltag Die Liga lebt Autor: Daniel Wehner
Gemessen an den Szenen und Fakten, die mit dem achten Spieltag einhergingen, war es ein Bundesligaspieltag wie jeder andere. Tomislav Piplica übte sich im ball-fernbleibenden Strafraumausdruckstanz. Oliver Kahn zeigte mit seinem engagierten Bodycheck gegen Diego einmal mehr, dass er durchaus Gefallen an einer Wrestling-Karriere gefunden hätte. Und Mönchengladbach arbeitete weiterhin daran, am Auswärtsrekord Tasmania Berlins (blieb in der Saison 1965/66 ohne einen einzigen Auswärtssieg) zu rütteln.
Was sich aber von den üblichen Eindrücken der vergangenen Spielzeiten abhob, war nicht nur ein Innenspann-Tor von Außenrist-Pantelic, sondern vielmehr der Eindruck, es könnte spannend werden in dieser Saison. Mit derzeit drei Niederlagen hat der FC Bayern bereits jetzt schon genauso viele Spiele verloren, wie in der gesamten letzten Saison. An der Tabellenspitze zeigen Schalke und Bremen, dass sie die Rolle der temporär Spannung erhaltenden Mitläufer scheinbar satt haben. Denn Bremen bewies mit dem 3:1 gegen Bayern erneut, dass sie an guten Tagen – mit einer nahezu perfekten Balance aus Kampfgeist und spielerischer Mittel – jeden Gegner schlagen können.
Und auch Schalke scheint nicht mehr gewillt, schwächelnden Bayern-Auftritten im Gleichschritt zu folgen. Mit zwei sehenswerten Treffern und einer ansprechenden Leistung – zumindest in Halbzeit eins – stellten auch sie unter Beweis, dass es diesmal etwas mehr sein darf als Meister der Herzen. Um Höhenflügen vorzubeugen: Die zweite Halbzeit gegen Hannover oder das Rückspiel gegen Nancy lassen eher einen künftigen Uefa-Cup-Teilnehmer der Herzen vermuten.
Zurück zum Spiel besagten Lebensorgans – wir wollen schließlich nicht zu seichten Floskeln verfallen, bewegen wir uns doch im Fußballjargon. Die Partie zwischen Bremen und Bayern widerlegte die These, dass Spitzenspiele meist als Rohrkrepierer enden, weil die Erwartungen viel zu hoch sind. Beide Mannschaften lieferten sich bis zum Aussetzer von Lucio (siehe Wörns der Woche) einen offenen Schlagabtausch, wobei Bremen die wirkungsvolleren Treffer platzierte. In einem schnell geführten, abwechslungsreichen und packenden Match, zeigte sich das Potenzial, über das die Bundesliga wirklich verfügt. Ein wahrlich guter Moment, wo das Spiel in 93 Länder übertragen wurde.
Apropos Potential ausschöpfen: Mit dem zwei zu eins über Leverkusen schaffte der HSV den lange überfälligen Befreiungsschlag. Sollte sich im Ausland verbreiten, dass deutsche Kellerduelle derart hochklassig verlaufen, würde die Bundesliga in Zukunft vielleicht nicht mehr auf Bremen und Bayern dezimiert. Bleibt nur zu hoffen, dass ein vermeintlich spannungsgeladenes Revierderby wie Dortmund gegen Bochum an sämtlichen 93 Ländern vorbeiging.
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