02.10.06 6.Spieltag Europa und die Folgen
Ein Spieltag, zwei Erkenntnisse: Zum einen ist die Bundesliga so extrem ausgeglichen, dass jegliche Rechenspielereien so unterhaltsam wie gleichzeitig sinnlos sind, denn: Kein einziges Team hat nach sechs Spielen mehr als drei Siege auf dem Konto; der Hamburger SV ist die einzige noch sieglose Mannschaft; die größte positive Tordifferenz beträgt gerade einmal +6 und macht Hertha BSC zum aktuellen Ligaprimus, was die Berliner nur einem einzigen Spiel zu verdanken haben, dem Heim-4:0 über Hannover 96, die ihrerseits aufgrund jenes Debakels mit 7:15 das mit Abstand schlechteste Torverhältnis aufweisen. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass am nächsten Spieltag nur der FSV Mainz 05 am heimischen Bruchweg die Aachener Alemannia bezwingen und zeitgleich die Hertha in München verlieren muss, damit der Tabellen-14. mit dem Tabellenersten punktemäßig gleichzieht, dann ist über das derzeitige Roulette in Deutschlands Eliteliga alles gesagt. Viva la Liga!
Zum anderen fallen die von allen Beteiligten gebetsmühlenhaft betonten Folgen, die die Champions-League- und UEFA-Cup-Partien auf die Leistungen im Liga-Alltag haben, ins Auge. Die Mannschaft des FC Bayern liefert mit dem 2:0-Erfolg bei Inter Mailand eine gute Leistung auf der europäischen Bühne ab („Da haben sie weltklasse gespielt“, so Oliver Kahn zu dieser Partie), um dann als amtierender Tabellenführer beim Schlusslicht VfL Wolfsburg auf die Nase zu fallen („Das ist mental, das spielt sich im Kopf ab“, so Oliver Kahn zu jener Partie) – eine Folge des Europapokals.
Werder Bremen dominiert den FC Barcelona bis zur 90.Minute und wird dann durch den 1:1-Ausgleich geschockt, um drei Tage später die Borussia aus Mönchengladbach auf die denkbar souveränste Art und Weise aus dem Weserstadion zu fegen. Der von Trainer Thomas Schaaf erhoffte Effekt eines, am Spielverlauf gemessen, tragischen Unentschieden gegen den amtierenden Champions-League-Titelträger – eine (völlig andere) Folge des Europapokals.
Und der FC Schalke 04 erlebt in Nancy mit dem 1:3 und der Schwerstverletzung von Gerald Asamoah einen der heftigsten Tiefschläge der – an Tiefschlägen nicht eben armen – jüngeren Vereinsgeschichte, um sich beim darauf folgenden Auswärtsspiel in Leverkusen mit einem erneuten 1:3 seinem Schicksal endgültig zu ergeben – irgendwie, ja – was denn sonst? – auch eine Folge des Europapokals.
Und es erscheint zwar auf den ersten Blick nicht besonders schlüssig, aber es kann ja gar nicht anders sein: Dass die Berliner Hertha das Wochenende nach dem peinlichen UEFA-Cup-Aus gegen Odense BK an der Spitze der Tabelle abschließt, muss einfach auch eine Folge des Europapokals sein. Umso ärgerlicher, dass die Truppe von Falko Götz dort ab sofort nicht mehr mitspielen darf.
Tim Sohr
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