03.09.07
4.Spieltag
Eure Gebete wurden erhört
Autor: Henning Hildebrandt

„Die Bundesliga ist wieder zuhause.“ Der omnipräsente Kaiser sitzt entspannt auf seinem Sitzmobiliar und freut sich auf die Spiele der Liga. Seiner Liga. Auf seinem Sender. Premiere zeigt wieder das, was ArenaTV entgegen eigener Geschäftsprognosen doch nicht den erhofften Vermögenszuwachs eingebracht hatte.

Dieser Pay-TV-immanente-Fernsehrechte-Wechsel interessiert den gemeinen Konsumenten daheim im Ganzen nur peripher, denn ob dieser oder jener Sender, gegenüber der Radio-Berichtserstattung des zweiten deutschen Rundfunks rund um Sabine Töpperwien und Manni Breuckmann, können die Digital-Dolby-Surround-Hochglanz-Übertragungen des Fernsehens trotz Konferenz und Marcel Reif in Spannung und Qualität nicht mithalten. Da der Großteil der Couch-Sitzer allsamstaglich um halb vier nach wie vor noch immer der Fernbedienung entsagt und zum Zuhörer mutiert und somit in einer Mixtur aus Phantasie und Erfahrung das Gehörte im Geiste bebildert, eifert dieser Zuhörer ab Abpfiff des letzten Spiels und dem schließenden Radiokommentar: „Das war sie, die WDR-Bundesligakonferenz“ den ersten zeitnahen Zusammenfassungen im Free-TV entgegen.
Vor ein paar Jahren und für ein paar Jahre (zuviel) dämpfte das Privatfernsehen diese Vorfreude bekanntlich noch. Doch: Eure Gebete wurden erhört. Damals schon. Denn 1992 hat tatsächlich jeder Fußballrezipient seine Fürbitten gen Himmel gestoßen, nachdem Sat.1 anfing, sich die Liga in „ran“ rund um Reinhold Beckmann und Gaby Papenburg zu eigen zu machen, um dabei jede noch so uninteressante Randerscheinung im großen Showformat als Ligaleben zu inszenieren. Diese Zeiten sind glücklicherweise nur noch in der Vergangenheit zuhause. Denn daheim ist der nationale Fußball seit 2003 wieder im Ersten und das ist gut so - trotz oder wegen kreativen Kommentatoren-Wortspielen wie „Deutschlands Neuer“ (zum Torwart von Schalke) oder „Der große Kleine“ (zum Abwehrrecken von Hannover 96). Und doch fühlt man sich an einem Wochenende wie dem gestrigen an alte schlechte Zeiten erinnert. Der Ligaspielplan trägt Schuld daran. Zunächst vermisst man die zeitnahen Bilder zum Spiel am Freitag schmerzlichst, wenn in der Arena AufSchalke Bayer Leverkusen unter Flutlicht gastiert, zwei junge Torhüter im Duell auf höchstem Niveau agieren und letztlich schiedlich friedlich im Unentschieden auseinandergehen. Und freut sich nur gedämpft auf die Sportschau, wenn den Samstagspielen den Paarungen zufolge der feine Fußball abzugehen droht.
An diesem 4. Spieltag zeigte die DFL folglich ihr gesamtes Planungsgeschick. Auf Szenen aus Hamburg mit Bayern und von Stuttgart im badischen Derby gegen Karlsruhe wartete man am Samstag vergebens, wohlwissend, was sich am Folgetag ereignen wird. Sitzt der Zuschauer am Sonnabend noch bei guter Küche am Tisch, so wird ihm am Sonntag die fettige Pommes in Pappschale vorgesetzt. Denn das DSF überträgt. Und wie gewohnt versalzen Dahlmann, Hermann und Co. - die alten „ran“-Haudegen - selbst die besten Gerichte. Ganz im Stile alter Tage. Gefühlte drei Stunden dauert die Zusammenfassung zweier Spiele, was besonders an den Nerven zerrt, wenn es die Topspiele des Wochenendes sind. Und noch mehr, wenn die Spiele nicht das Versprochene halten, dennoch versucht wird, ein Spektakel zu präsentieren. Einziger Ausweg: Ausschalten und auf später warten, denn die regionalen Kompetenzen der Öffentlich-Rechtlichen werden in zweiminütigen Berichten das schaffen, was dem DSF eben nicht gelingen will. Eine kompetente und nüchterne Berichterstattung.
So bleiben als Erkenntnisse nach diesem 4. Spieltag: Spielpläne können grausam sein, Frank Buschmann arbeitet bei dem falschen Sender, Bayern gewinnt nicht jedes Spiel zu Null, der HSV wird neben Schalke und Leverkusen der ernsthafteste Verfolger der Münchner sein, Bremen meldet sich zurück, Rostock wird sieglos absteigen, ein Überraschungsmeister hat es wie sein Pendant im Pokal so schwer, wie es zu erwarten war, und entgegen vieler Erwartungen bot das Bildmaterial aus Duisburg, Berlin und Hannover mit Lierhaus’ Kollegen teils spielerische teils dramaturgische Feinkost, so dass dem phantasievollen Radiohörer der frühabendliche 16:9-Verzehr in der ARD trotz weitgehender Spielerprominenzlosigkeit nur schmecken konnte.
Um den Kaiser vor der kommenden Ligabetriebspause erneut, diesmal in Richtung Nationalmannschaft, zu zitieren: „Je(ee)tzt seid’s ihr dran.“ In Wales. Mit dem ZDF und Bela R. als Sterne-Köche.

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