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18.09.06
4.Spieltag:
Favoritensterben
 
Die Bayern sind souveräner Spitzenreiter nach 4 Spieltagen mit 12 Punkten und 10:0 Toren. Dahinter folgen Bremen, Schalke und der Hamburger SV. Alles bleibt, wie es war. Bereits in der Anfangsphase präsentiert sich die Bundesliga als Zweiklassengesellschaft: Die Topvereine etablieren sich in der Tabellenspitze, der Rest kämpft gegen den Abstieg. Die Championsleaguemillionen wurden erfolgreich in die Mannschaften investiert. Die anderen Vereine kapitulieren vor der totalen Schalker Dominanz und dem bayerischen Offensivspektakel in der Prä-Ballack-Ära. Montag, 7 Uhr, in München, Gelsenkirchen und in den Hansestädten Bremen und Hamburg. Der Wecker klingelt. Uli Hoeneß, Klaus Allofs, Dietmar Beiersdorfer und Andreas Müller wachen auf, gerade als alle Vier gemeinsam die vorgezogene Herbstmeisterschaft feiern sollten. Aus der Traum und rein ins reale Leben. Der Kaffee schmeckt bescheiden und die Brötchen sind maximal aufgewärmt. Schlechte Laune nach einem schlechten Wochenende in den Hochburgen der Bundesliga. Denn Bremer Fußballkunst und Hamburger Erfolgseuphorie waren gestern, besser gesagt letzte Saison, heute sieht die Wirklichkeit anders aus. Favoritensterben im Kollektiv.
In den lokalen Tageszeitungen des Nordens, Westens und Südens steht sie schwarz auf weiß, die Tabelle der Saison 06/07. Bayern München auf Platz drei mit sieben Punkten aus vier Spielen. Schalke auf fünf, Werder Bremen auf neun und der Hamburger SV gar auf Platz 15 mit mageren drei Punkten. Die (selbst)ernannten Meisterschaftsfavoriten sind weit entfent von den eigenen Ansprüchen. Das Wochenende hat zur allgemeinen Ernüchterung beigetragen und lässt sich fade bilanzieren: Vier Mannschaften, 0 Punkte, 1:7 Tore.
In der Schüco-Arena auf der Bielefelder Alm boten die Bayern eine spielerisch unansehnliche Leistung, wurden lediglich durch Standards gefährlich und konnten entgegen ihrer eigenen Tradition einen Vorsprung weder verwalten, noch einen Siegtreffer in letzter Minute erzielen. Dem Gastgeber gelang der finale Stoß kurz vor Schluss durch einen direkt verwandelten Freistoß durch den Dänen Jonas Kamper. Die Bayern müssen bereits früh in der Saison die erste Niederlage verschmerzen und konstatieren, dass sie Michael Ballack vermissen. Den Mann, den sie doch gar nicht vermissen wollten, da ein Führungsspieler einfach anders aussieht. Vielleicht wie Mark van Bommel? Abwarten. Zumindest hat der Niederländer sein erstes Bundesligator erzielt, wie Ballack, einst, in Bielefeld. Dass die Niederlage nicht ganz so schwer wiegt, verdankt der Rekordmeister der einmal mehr unfähigen Konkurrenz. Denn niemand wollte den Ausrutscher der Bayern ausnutzen.
Bremen verspielte – oder eben nicht – einen 2:0 Vorsprung gegen den VfB Stuttgart und verlor neben der Ordnung in der Abwehr auch noch das Spiel, an dem Miroslav Klose wegen einer Fußprellung im Abschlusstraining nicht teilnehmen konnte.
Die Hamburger setzten ihren Weg der Erfolglosigkeit nach Niederlagen im DFB-Pokal und der CL auch gegen Borussia Dortmund fort und suchen noch immer nach einer tauglichen Formation in Abwehr, Mittelfeld und Sturm. Also überall. Und das kann kein Erfolgsrezept sein. Fragt sich, ob die Abgänge der Erfolgsgaranten des Vorjahres durch die namhaften Neuzugänge um Sorin und Mathijsen ersetzt werden und das Dollhouse wieder jubeln lassen können.
Mirko Slomka trägt zwar nicht die Last der Belastung einer Königsklasse, will sie aber, musste jedoch auf dem Weg dahin in Berlin erleben, dass die ausgerufene Dominanz nicht totalitär ist, sondern die Rebellion der zweiten Klasse in Hertha vorübergehend ihren Revolutionsführer gefunden hat. Berlin auf Tabellenplatz eins nach zwei Toren von Gimenez.
Manche Morgen sind trübe und an Tagen wie diesen, sollte man einfach im Bett bleiben.
In diesem Sinne: Gute Nacht Uli. Gute Nacht Klaus. Nacht Dietmar. Nacht Andi.

                                                                             Henning Hildebrandt

 
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