14.05.07 33.Spieltag Spiegel. Bilder. Und ein „Sahnehäub(s)chen“. Autor: Henning Hildebrandt
Der 33. Spieltag ist gespielt. Alles scheint entschieden. Oder vielmehr: ist entschieden.
Die arenaTV-Blitztabelle überschlug sich in der Anzeige der ersten drei Plätze und Werner Hansch stolperte sich durch 90 Minuten Ruhrpott-Derby – ohne Stimmung. Die Sportschau inszenierte die gewohnte Topspiel-Konferenz um die Meisterschaft und das ZDF-Sportstudio lud je einen Vertreter der drei Titelaspiranten ein. Drei Wege, um über das spannendste - mittlerweile gar nicht mehr spannende - Liga-Finale der letzten Jahre zu berichten.
Im Sportstudio waren dabei geladen: Andreas, oder besser „Ändy“ Möller, Guido Buchwald, und Norbert Meier. Und alle drei waren sich einig: Deutscher Meister wird nur der VfB. Der Ex-Stuttgarter Buchwald lächelte dabei in die Kameras, freut er sich doch, als Gast der DFL zur Übergabe der Schale ins Gottlieb-Daimler-Stadion zum letzten Spieltag bereits eingeladen zu sein. Norbert Meier trug mit Fassung und ohne Kopfstoß die vergebene Chance seiner ehemaligen Werder-Kollegen im Kampf um die Meisterschaft. Wohl wissend, dass er bei einem Bremer Triumph mit Sicherheit nicht die DFL-Delegation hätte begleiten dürfen. Und Andy Möller im schicken bordeauxroten Pulli spitzte nur die Lippen, ob der beendeten Schalker Herrlichkeit an der Tabellenspitze durch die Derby-Pleite in Dortmund. Nicht ganz ohne Brisanz. Denn Andy Möller ist vieles, nur nicht unbedingtes Aushängeschild der Knappen, spielte er doch auch für den Erzrivalen Dortmund und erlebte er die bitteren Stunden des Scheiterns sowohl in königsblau als auch in Frankfurt. Die Verantwortlichen des Senders hatten wohl eine gewisse Vorahnung, in welche Richtung der Dreikampf an diesem Wochenende gehen werde, als man die Einladungen aussprach, denn genauso saßen sie da: Meistermacher Buchwald (damals entscheidender Torschütze 1992), Meier, der Erfolge und Misserfolge in Bremen erlebte und Möller als einer der „Meister der Herzen 2001“ und ehemaliger Frankfurter Verlierer im Saisonendspurt gegen eben Buchwald und Kollegen. Spiegelbilder der Geschichte.
Die Spiegelbilder der Saison ließ der nachmittägliche Fußball vorab selbst versammeln:
In der arenaTV-Live-Konferenz wurde eines deutlich. Selten zuvor hätte ein Spieltag so leicht vorhergesagt werden können wie dieser alles entscheidende 33. Spieltag.
Stuttgart krönt die Siegesserie mit einem überzeugenden Erfolg in Bochum. Liegt wie zu Beginn der Saison in der Tabelle auch während dieses Spiels zurück. Doch dank der Vielfalt an potentiellen Torschützen gelingt ein 3:2 mit einem überragenden Hildebrand in der Schlussminute. Sinnbildlich. Denn Stuttgart hat eben zum Schluss dieser Meisterschaft alles gewonnen. Anders: Werder Bremen. Zu Beginn dieser Saison in anderen Sphären spielend, paarte sich auch im Spiel gegen Frankfurt neben Inkonstanz und temporären Unvermögen einmal mehr das Auslassen der Möglichkeit, um im Endspurt der Meisterschaft Ansprüche anmelden zu dürfen. Sinnbildlich. Totalausfälle vorne. Abwehrfehler hinten und eine erneute Niederlage gegen einen Außenseiter. Und in Dortmund? Dort schaffte es Schalke 04 einmal mehr nicht, der propagierten Meisterdominanz gerecht zu werden. Wie in Bochum zuvor, so auch in diesem Derby ließen die Schalker sämtliche Aggressivität und spielerisches Vermögen vermissen. Und scheiterten erneut in einer (vor-)entscheidenden Phase. Nichts Neues. Sinnbildliches Nervenversagen. So sprach Christian Wörns mit gewohntem Aussprachedefizit dann auch von einem „Sahnehäubschen“ für die Dortmunder nach dem Derby der Ehre. Nach schlechter Saison. Aber auch dem fünften Sieg in Serie.
Ganz ähnliche saisonale Spiegelbilder auch in den anderen Begegnungen: Leverkusen sicherte sich den UEFA-Cup. Natürlich durch Bernd Schneider. Aachen zeigte einmal mehr, dass es zwar zwischenzeitlich mithalten kann in Liga 1, jedoch ein zwischenzeitlich gefühlter Klassenerhalt, in der laufenden Saison so auch während der 90 Minuten gegen Wolfsburg, nur zur Momentaufnahme wurde. Und das wieder wegen eines spielerischen Totalausfalls (siehe Wörns der Woche), wie schon so häufig binnen der gesamten Spielzeit.
Unvorhersehbar? Keineswegs.
Um es in „Bild“- und anderer Boulevardblätter-Manier (wenn sie denn irgendwann einmal – aus Versehen – irgendwas geschrieben hatten, was sich zur Überraschung aller bewahrheitete) selbstherrlich zu sagen:
Wie pokalo.de bereits berichtete…
„Es liegt (…) an der Konkurrenz, dem FC Schalke zu beweisen, dass es neben der sportlichen Klasse auch charakterlicher Größe bedarf, um nach 34 Spieltagen ganz oben zu stehen.“ (26.02.07)
„So steht wohl nur eines bereits jetzt fest: Leverkusen wird fünfter dank eines überragenden Bernd Schneiders (…).“(02.04.07)
„(…) und wollen sie (die Dortmunder, Anm.d.Red.) (…) die Saison noch halbwegs vor sich selbst und ihren Fans rechtfertigen, dann wohl nur, wenn sie den Schalkern dort die Meisterschaft versauen.“ (16.04.07)
„(…) dieses Jahr (…): Armin Veh als legitimer Nachfolger von Christoph Daum. Schalker Herrlichkeit getrübt durch (…) Ausrutscher gegen Dortmund am 33. Spieltag.“ (30.04.07)
Aber vielleicht gibt es ja doch noch etwas wirklich Unvorhersehbares. Am nächsten Wochenende…wer’s glauben will. Bitte. Irgendwie würde es die Saison dann auch widerspiegeln. Irgendwie, bestimmt.
hier geht´s zum Wörns der Woche
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