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21.05.07
34.Spieltag
Klingentänze
Autor: Tim Sohr

Auf der Zielgeraden einer Saison kommt es auf Kleinigkeiten an und es kommt auf einzelne Situationen an, in denen Glück und Geschick, individuelle Klasse und Willenskraft miteinander verschmelzen. Meisterschaftskämpfe werden dann zu den berühmten Tänzen auf der Rasierklinge.
An den letzten beiden Spieltagen der Spielzeit 2006/07 waren es zwei Szenen, die all diese Aspekte vereinen, die den VfB Stuttgart zu einem letztendlich verdienten Meister machen, und die in Erinnerung bleiben werden. Zum einen die halsbrecherische Parade von Timo Hildebrand in der 87.Minute von Bochum, zum anderen der fulminante Volleyschuss von Thomas Hitzlsperger an diesem Wochenende. Als der „Hammer“ eine Ecke von Pavel Pardo in der 27.Minute aus über 20 Metern in den Winkel drosch, stand fest, dass sich Stuttgart den Titel unter gar keinen Umständen mehr nehmen lassen würde. Denn das Traumtor fiel zum Wohle der Schwaben nur acht Minuten nach der überraschenden Cottbuser Führung, so dass die offensichtliche Nervosität des Tabellenführers nicht zur Fahrigkeit und daraus resultierenden weiteren Fehlern entwickeln konnte. Zudem gelingt auch einem Nationalspieler wie Hitzlsperger, der für seinen unglaublichen Schuss bekannt ist, so ein Treffer nur, wenn der Fußballgott Großes mit einem vorhat und alle Zeichen auf Meisterschaft stehen.
Und Schalke? Lieferte ein Spiel wie ein Sinnbild für die gesamte Saison: Bielefeld wurde dominiert, zwei schön heraus gespielte Tore belegten, dass zwischen den „Königsblauen“ und den Ostwestfalen ein spielerischer Weltenunterschied liegt, doch im Laufe der zweiten Halbzeit ergaben sich die Schalker in ihr Schicksal. Es sei dahingestellt, ob es an Kraft oder Einstellung mangelte – die eigensinnigen Gelsenkirchener haben es sich in ihrer Nische, in der sie mit der „Meisterschale der Herzen“ kuscheln, ein wenig zu bequem gemacht.
Was sonst von diesem letzten Spieltag übrig bleibt? Der Hamburger SV wahrt mit seinem 4:0 über Absteiger Alemannia Aachen seine Chance aufs internationale Geschäft, dank zweier Treffer von Juan Pablo Sorin – wer hätte das noch im Januar für möglich gehalten?
Die Bayern-Hasser, die sich zumindest einmal der Menschlichkeit von Uli Hoeneß versichern wollten, mussten am Samstag nur einen Blick in die Allianz-Arena werfen, denn die Verabschiedung von Mehmet Scholl ging dem provokanten Manager sichtlich an die Nieren. Da gingen die zeitgleichen Abschiedsvorstellungen von Salihamidzic, Santa Cruz, Pizarro, Hargreaves und Karimi beinahe völlig unter. Scholls Treffer gegen Mainz war letztlich nur ein adäquates Ausrufezeichen, eine dieser Überraschungen, die ein letzter Spieltag häufig gerne noch parat hält.
Wir schließen also das Bundesligakapitel 2006/07 (natürlich nicht, ohne uns noch auf Champions-League- und DFB-Pokalfinale zu freuen) und sind gespannt, ob der VfB Stuttgart sein Niveau im nächsten Jahr halten kann. Ob der FC Schalke die 50 titellosen Jahre endgültig voll macht. Ob Werder Bremen sich wieder selber schlägt. Ob der FC Bayern sich auf dem internationalen Spielermarkt zurück in die Erfolgsspur kaufen kann. Und ob es im Titelkampf wieder bis zum letzten Spieltag spannend bleibt.
Wir können es jetzt schon kaum mehr erwarten…



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