28.08.06 3.Spieltag: „Toooorr...Nein doch nicht“
So kommentierte einst Heribert Faßbender anno 2002 eine Chance des deutschen Teams gegen Paraguay im Achtelfinale der WM in Japan und Südkorea. Der Ball flog entgegen Faßbenders Annahme nicht in die Maschen des Tornetzes.
1986 ereilte Frank Mill das Schicksal, aus drei Metern das leere Tor nicht zu treffen, sondern den Pfosten und so in die Analen des Fußballs einzuziehen. Er umkurvte geschickt die gesamte Mannschaft des FC Bayern München und scheiterte letztlich doch. Tor. Nein doch nicht.
Kommentiere Heribert Faßbender heute noch den deutschen Fußball hätte er am vergangenen Wochenende womöglich erneut für eine Sekunde Jubeln dürfen, um dann doch einzusehen, dass er seiner Zeit ein wenig voraus ist. Tooor. Nein doch nicht, wird der gesamte Bayerntross gedacht haben als Roy Makaay nach schönem Zuspiel von Bastian Schweinsteiger die Kugel zunächst am überragenden Nürnberger Torwart Schäfer vorbeispielte, um dann aus ebenfalls drei Metern in Frank-Mill-Gedächtnismanier das leere Tor zu verfehlen. Der Vergleich beider Torchancen wurde im Laufe des Wochenendes oftmals bemüht. In diesem Falle auch berechtigt.
Als Sinnbild für die gesamte Torflut des dritten Spieltags fungiert diese Szene ebenso. 19 Tore in neun Spielen. Durchschnittlich exakt alle 47 Minuten ein Tor in 9 Stadien, die insgesamt 810 Minuten Fußball darboten. Im Schnitt 2,11 Tore pro Spiel. Dief ran-Datenbank von Reinhold Beckmann würde endlose Statistiken bemühen, die gesamte Fußballberichterstattung überschatten, um doch nur eines zu sagen: Wenig Tore an Spieltag drei. Dank starker Torhüter und schwachen Sturmspitzen, die sich im Auslassen hundertprozentiger Chancen abwechselten.
Halil Altintop übersah seinen einschussbereiten Sturmkollegen Löwenkranz und scheiterte im Duell Eins gegen Eins am überragenden Bremer Torwart Wiese. Zudem zeichneten sich auch seine Vereinskollegen, unter Anderen Asamoah,darin aus, vor dem Tor doch Nerven zu zeigen, und scheiterten im Minutentakt am Bremer Schlussmann, der sich als besserer Andreas Reinke auszeichnen konnte.
Auch Stuttgarts Trainer Armin Veh weiß seit dem Spiel gegen Dortmund, zu welchen Trainingseinheiten er seine Stürmer in den nächsten Tagen einladen wird. Theoretisch ein Lehrvideo von Karl-Heinz Riedle, dazu die Abmeldung vom Deutschkurs für Cacau und Delpierre. Der Kopf ist zum köpfen da. „Manni, Bananenflanke. Ich, Kopf. Tor“ können beide nachträglich in Hrubeschs Diplomatenschule immer noch lernen, zunächst sollten beide wissen, wie man aus drei Metern, freistehend am Torwart vorbeiköpft. Hier war es der sehr gute Roman Weidenfeller, der den ersten Auswärtssieg der Borussia festhielt.
Neben weiteren sogenannten Hunderprozentigen, deren Ausnutzen die magere Torquote aufgebessert hätte, versuchte auch Hamburgs Neueinkauf Paolo Guerrero vergeblich den Ball im gegnerischen Gehäuse unterzubringen. Wenige Sekunden vor Schluss vergab auch er, seine von Benni Lauth gut vorgelegte Möglichkeit das Tor zu treffen, die drei Punkte so an der Elbe zu lassen und die Berliner ohne Punkte zurück in die Hauptstadt zu schicken. Der HSV wird sich derzeit wohl fragen müssen, ob die propagierte Investition in die Zukunft tatsächlich so zukunftsträchtig ist wie vor der Saison angenommen oder ob nicht doch Sergei Barbarez Hamburgs Geld weiter wert gewesen wäre.
Peter Neururer wird seinen Stürmern jedenfalls nicht vorwerfen, vor dem Tor jegliche Erstklassigkeit vermissen zu lassen, dafür gibt es nach der Niederlage gegen Aufsteiger Aachen keinen Anlass, denn vor das gegnerische Tor gelangen die 96er nie. Dafür aber die Aachener, die so ihren ersten Bundesligasieg nach 36-jähriger Abstinenz aus dem Fußballoberhaus feiern durften.
Glücklicherweise steht den Vereinen nun eine dreiwöchige Pause des Ligabetriebs bevor. Zeit satt sich bei Knipser Harry Decheiver letzte Tipps einzuholen. Und vielleicht auch Zeit genug für Hannover, um wieder auf Thomas Brdaric zurückzugreifen. Obwohl...
Henning Hildebrandt
|