09.04.07 28.Spieltag Die neue Nachhaltigkeit
Autor: Daniel Wehner Foto: photocase.com © madochab
Nach dem ersten Auswärtssieg im siebten Anlauf –zuvor hagelte es 6 Auswärtsniederlagen in Folge für den BVB – nahm Sportdirektor Michael Zorc seine vorangegangene Pauschalkritik am Mannschaftscharakter („Die Mentalität ist scheiße bei uns“) nicht zurück. Stattdessen wies er auf die schwer zu erklärenden Leistungsunterschiede hin und forderte: „Die Mannschaft ist jetzt gefragt, nachhaltig zu bleiben.“ Dass dem BVB diese Nachhaltigkeit nicht erst seit dieser Spielzeit abhanden gekommen ist, wird beim Blick auf den Schlinger-Kurs der vergangenen Jahre deutlich. Doch neu ist,dass Mannschaften wie Schalke, Stuttgart oder Bochum sich im saisonalen Endspurt aufbäumen, als hätten sie einen kräftigen Schluck vom bayuvarischen Durchstarten-auf-der-Schlussgeraden-Elixier genommen. Schalke glänzte mit verloren geglaubter Effizienz – und verteidigte die Tabellenspitze, Stuttgart fegte den HSV in beeindruckender Weise vom Platz – und meldete sich als ernst zu nehmender Meisterschaftsanwärter zurück, der VFL Bochum schaffte in Leverkusen den großen Befreiungsschlag – und verschaffte sich Luft im Abstiegskampf.
Konstanz ist kein Begriff, der in Verbindung mit dem FC Bayern oder Werder Bremen für Überraschungsmomente sorgt – vor allem nicht in Bezug auf einen ausdauernden Schlussspurt. Die neue Nachhaltigkeit kennt andere Sieger: Energie Cottbus findet sich zum ersten Mal innerhalb der Vereinsgeschichte – in der Rückrunde! – auf einem Platz der oberen Tabellenhälfte. Für Lausitz-Stürmer Steffen Baumgart genau der richtige Zeitpunkt, um notorische Dauerskeptiker in die Schranken zu weisen: „Es können mich alle mal am Arsch lecken, die sagen, dass wir schlechten Fußball spielen.“
Da Energie Cottbus aber nicht gerade in vorderster Front um die am schlechtesten spielende Mannschaft antritt, wären vorher noch eine Menge anderer Ärsche zu lecken.
Top-Kandidat hierbei: Ein ähnlich derb formulierender Hertha-Spieler. Denn was Hertha derzeit abliefert, ist selbst den wenig erfolgsverwöhnten Hauptstadtfans nicht länger zuzumuten. Die schlechteste Mannschaft der Rückrunde spielt seit Wochen, als würde sie wegen spielerisch desaströser Mängel gleich eine Liga überspringen und den Zwangsabstieg in Liga 3 bewirken wollen. Sollte dies das Ziel sein: Nachhaltigkeit geht eben auch andersrum.
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