02.04.07 27.Spieltag Es gibt (k)eine Borussia!
Autor: Henning Hildebrandt
Die momentane Bundesligatabelle gibt wenig Anlass für Borussenfans, gleich welchen Lagers, ihre Antipathie gegen die andere Borussia durch Gesänge, die demnach eigentlich gar nicht existiert, in die Öffentlichkeit zu tragen. Denn keine der beiden Mannschaften kann derzeit mit Sicherheit behaupten, in der nächsten Saison in Deutschlands Elite-Liga auflaufen zu dürfen. Während in Mönchengladbach der Abstiegskampf beinahe an der Tagesordnung steht und nur zu Beginn einer jeden Saison davon geträumt wird, dieses Mal endlich wieder an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen zu können, ist der gemeine Dortmunder erfolgsverwöhnter und glaubt nach den Jahren des finanziellen Tiefschlags und gezwungenen Umbruchs, dass jeder Niederlage sicherlich eine Siegesserie folgen werde und ein Absturz in den Keller zwar drohen könnte, im Grunde jedoch der Weg spätestens am nächsten Spieltag wieder nach oben führen müsse. Im Anspruch sind die Gelb-Schwarzen nun mal ganz weit oben. Doch seit diesem Spieltag ist wohl auch bei dem letzten Dortmunder Anhänger der Optimismus dem Realismus gewichen. Mit der 0:1-Niederlage auf der Alm gegen Bielefeld rutscht der BVB auf Rang 17. Der einmal mehr und gesetzmäßiger Weise bereits einmal zu oft, erhoffte Trainerwechsel-Effekt blieb auch unter Thomas Doll aus. Wie schon zuvor bei Jürgen Röber. Drei Trainer binnen einer Saison; normalerweise einer zuviel. Und so sind die Vorzeichen für einen Abstieg nicht weiter zu leugnen, obwohl doch immer wieder behauptet wird, dass ein Absturz in die zweite Liga gar nicht passieren könne. Und irgendwie kann man sich selbst nicht ganz freisprechen von der Einschätzung, dass ein Abstieg eher andere treffen werde. Aber genau dieses falsche Selbstverständnis scheint allmählich zum Dortmunder Problem zu werden. Daher könnte man fast sagen, wenn es nächstes Jahr nur noch eine Borussia geben werde, dann doch eher die vom Niederrhein. Die kennen diese Ligaregion, die wissen wie man dort spielen muss. Oder doch nicht? Wer zuhause nicht gewinnt - diese Woche einmal mehr nur 1:1 (gegen Frankfurt) - so die nächste Gesetzmäßigkeit, der steigt nun einmal ab. Daher ist es mehr als nur bloße Zukunftsmusik, dass es bald gar keine Borussia mehr geben könnte.
Auf ein “Keine Fahne, keine Punkte. BVB.” aus Schalker Hälsen erwidern die Abstiegsbedrohten Dortmunder dennoch weiter selbstbewusst: “Und schon wieder keine Schale. S04.” Ob der Alptraum der einen bzw. der Wunschtraum der anderen wird eintreten werden, ist sieben Spieltage vor dem Ende nicht nur durch einen Tiefenblick zu beantworten. Denn auch oben könnte ein Erwachen folgen: Schalkes Niederlage in München (0:2) und komplette Gefahrlosigkeit vor des Gegners Tor lässt den Vorsprung auf die Ligakonkurrenz weiter schmelzen. Werden die Bayern noch einmal herankommen, ist eine Frage. Ob Bremen Meister werden kann, die andere. Denn wer Spiele wie dieses in Cottbus (0:0) nicht gewinnt, der wird eigentlich auch nicht Meister. Dann also doch Stuttgart (3:1 gegen Aachen)? Wobei damit außerhalb des Schwabenlandes keiner so richtig rechnet. Vielleicht aber auch genau deswegen. Festlegen kann man sich oben und unten derzeit nur schwierig. Es bleibt spannend. So steht wohl nur eines bereits jetzt fest: Leverkusen wird fünfter dank eines überragenden Bernd Schneider (3:1 in Mainz).
Geschlossen wird der Spieltagsnachruf mit folgendem - kreativen - Fangesang als Anhänger von Fortuna Düsseldorf abseits einer Begegnung auf solche von Rot Weiß Essen trafen: “Eure Eltern sind Geschwister. RWE.” Doch dass Fortuna der geilste Club der Welt ist, lässt sich mit Platz 12 in der Regionalliga nach der Niederlage in Bremen nur noch schwerlich behaupten. Andere behaupten es sei Dortmund, andere Bayern, und für wieder andere soll es Schalke sein. Mal seh’n, ob’s nicht doch Bremen, Stuttgart oder Gladbach ist. Letzteres scheint wohl derzeit am Unwahrscheinlichsten.
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