05.02.07 20.Spieltag Ein schöner Tag!
Autor: Henning Hildebrandt
Komm’ Welt, lass’ dich umarmen. Im Hintergrund läuft das Karussell in der Dämmerung des Abends. Im Vordergrund hebt der Bremser dieses Kettenkarussells sein Glas Bier in die Höhe. Welch’ ein Tag. Am 04. Februar 2007 geht es weit aus lauter zu. Auf dem Platz vor dem Rathausgebäude in Köln. Trotzdem gibt es kaum passendere Abende als diesen, um die Welt umarmen zu wollen. Welch’ ein Tag. Deutschland ist Weltmeister im Handball und ein ganzes Land steht Kopf ob diesen unglaublichen Erfolges seiner Nationalmannschaft, die sich nach zehn Spielen, dramatischen Endphasen, doppelten Verlängerungen und souveränen letzten 60 Minuten, an Polen, Frankreich und Spanien vorbei auf die oberste Stufe des Siegerpodests gekämpft, gezittert und gespielt hat. Welch’ ein Tag für Spieler und Trainer und knapp 30.000 Menschen in Köln. Unter ihnen die pokalo.de-Redakteure, denn auch wenn der Ball mit der Hand gespielt wurde, so haben dieser Sport und seine Protagonisten der vergangenen Wochen gezeigt, welch’ Leidenschaft und Spannung diesem Spiel innewohnt. Glückwunsch, Heiner. Humba-humba-tätärää und wenn nicht wir, wer sonst...
Doch auch die Fußball-Bundesliga hat an diesem feierlaunigem Wochenende trotz spektakulären Trainerkarussells seine Fortsetzung gefunden und für so manchen Aufreger gesorgt. Die Bayern setzten auch mit Hitzfeld statt Magath ihre Talfahrt fort, verloren überrollt von Nürnberger Offensivkunst 0:3 im Frankenland und rangieren mit vier Punkten Rückstand auf Platz vier hinter dem VfB Stuttgart, der seinerseits im Röberschen Dortmund souverän 1:0 dank Neunationalspieler Mario Gomez gewonnen hat. Ein Abendessen allein bringt noch keine Wende. Mit dieser Erkenntnis fasste der Bundesliga-Rückkehrer und HSV-Trainer Huub Stevens sein Debüt im Spiel seiner Hanseaten in Berlin zusammen und durfte konstatieren, dass Hamburger Unfähig- und Glücklosigkeit ihren jähen Höhepunkt mit Boubacar Sanogos unfreiwilliger Abwehrmaßnahme auf der Linie (siehe Wörns der Woche) hinter dem geschlagenen Hertha-Torwart Fiedler nach Joris Mathijsens Beinahe-1:2 gefunden hat. Im Gegenzug drosch Neu-Herthaner Mineiro einen 30-Meter-Hammer über Rosts Fäuste hinweg in die Maschen und sicherte so den Berlinern in einer selten dramatischen Schlussphase den Heimsieg. Platz Fünf und die Erkenntnis, mit herausragender Heimstärke trotz Auswärtsschwäche europäische Ansprüche stellen zu dürfen.
Ganz oben, in die ganze Handball-WM-Feierlaune – Danke, Bitter – hinein beerbt der FC Schalke 04 die „unantastbaren“ (Tim Borowski) Bremer und zeigt mit dem zweiten Sieg gegen den Liga-Primus Werder innerhalb einer Saison, dass die Zeit tatsächlich reif zu sein scheint, endlich wieder die Meisterschale in den Pott zu holen. Der Däne Peter Lövenkrands schoss, nachdem seine Landsmänner im Handball Platz Drei erreichten, seinen Verein mit zwei Treffern allein an die Spitze der Liga. Einer Liga, die sich nach Platz Neun zweigeteilt zeigt, denn beginnend mit Arminia Bielefeld, das die Winterpause mit dem von Heesen-Chaos nicht verarbeitet hat, kämpfen neun Mannschaften um den Klassenerhalt, möchte man wohlwollend dem Hamburger SV zumindest die theoretische Chance auf einen Ligaverbleib nicht absprechen. Einzig Jos Luhukay glückte der Trainereinstand mit seiner Borussia, die eben in jenem Bielefeld zu einem ungefährdeten 2:0-Auswärtssieg (!) stürmten. Welch’ ein Tag für die Gladbacher. Und dass sogar der 1. FC Köln zu einem 1:0-Heimsieg in der zweiten Bundesliga kam, rundete die Feierlaune am Rhein ab. Und so "simma dabei" an einem Wochenende, an der der Handball dem Fußball für einen Tag den Popularitätsrang abgelaufen hat. Welch’ ein Tag, hoch das Glas und lasst euch umarmen, Pommes, Toto und Co. Wenn nicht jetzt, wann dann? Nächste Woche geht’s dann wieder nur um Fußball – versprochen.
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