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01.02.07
19.Spieltag
Feierabend
Autor: Henning Hildebrandt

Man möge sich nach diesem 19. Spieltag einmal vorstellen, es gäbe ein Szene-Lokal, irgendwo in Deutschland, dessen inner circle einzig entlassene oder ehemalige Bundesligatrainer sind. Da sitzen Neururer und Lienen beim Bier an der Theke und philosophieren über gemeinsame Vereine, da spielt 10-Tage-Hoerster einsam mit schnippenden Fingern und Erdnüssen Elfmeterschießen. Und da sucht Friedel Rausch, der für neue Aufgaben bereit ist, das Gespräch mit dem selfmade-Paten Udo Lattek und setzt sich zu ihm in die hinterste Ecke einer parkettbezogenen Empore, die eigens von Udo für ihn selbst hochgezogen wurde. Man möge sich weiter vorstellen, dass auf den Sesseln der Lounge im feinen Schimmer warmen Lichtscheins die Silhouette von Felix Magath und Jupp Heynckes zu erahnen sind. Beide nehmen Platz und bestellen ein Feierabend-Bier.

Heynckes: Mein Stuhl wackelt.

Magath: Ja, ja. Schon klar, Jupp. Selten so gelacht. Vielleicht hat dein Luhukay dran geschraubt.

Heynckes: Und dass die den Ottmar erst angerufen haben, nachdem sie dich geschmissen haben, glaubst du wirklich, Felix? Die Experten können sich das ja nicht vorstellen, sagen sie.

Magath: Die Experten, Jupp. Die Deppen vom DSF meinst du wohl. Oder den Sportbild-Chef-Voll-Proll? Was die erzählen, interessiert doch eh keinen.

Heynckes: Hast recht. Hör mir auf mit denen. Ich mach da auch nicht mehr mit. Mir reicht’s, Felix. Ich mach Schluss. Die Birne ist ausgebrannt.

Magath: Schön, dass du deinen Humor nicht verloren hast, Osram. Ich mein, Jupp. Aber nach zwölf Spielen ohne Sieg. Kein Wunder. Hast dir deine letzte Stelle wohl auch anders vorgestellt.

Heynckes: Platz vier und acht Punkte Rückstand ist aber auch nicht grad Münchner Alltag, Felix. Ein 0:0 gegen Bochum daheim. War doch klar, dass die senile Bayern-Führung da was unternehmen musste.

Magath: Aber wir sind noch in der Championsleague, Jupp. Vergiss das nicht.

Heynckes: Du bist nirgendwo mehr, Felix. Da steht jetzt der Ottmar, der alte General.

Magath: Und mit ihm der Henke. Will mal sehen, ob die den Haufen besser in den Griff bekommen.

Heynckes: An Bremen vorbei kommen sie, glaub ich, auch nicht mehr. Wieder souverän der Schaaf mit seinen Jungs, was, 2:0 in Leverkusen…

Magath: Na, aber vergiss mir die Schalker nicht. 2:1 gegen Aachen dank Moses Sichone (siehe Wörns der Woche). Normalerweise müssten die mal ausrutschen. Zehn Spiele ohne Niederlage schon. Bin mal gespannt, wie’s am Wochenende zwischen Bremen und Schalke läuft, wenn der Frings wegen der fünften Gelben ausfällt.

Heynckes: Klar, dass du nur nach oben guckst. Deine Stuttgarter halten sich da ja auch schon lange. Aber unten wird’s eng. Die Mainzer gewinnen schon wieder. Sechs Punkte gegen die gleichen Mannschaften, die dich den Job gekostet haben, Felix.

Magath: Was soll das denn jetzt heißen? Ist Mainz jetzt besser als die Bayern oder was?

Heynckes: Jetzt fahr hier nicht gleich an die Decke. Dünnhäutig geworden, Felix? Ich sag ja nur, dass die mittlerweile nur noch zwei Punkte Rückstand haben.

Magath: Auf Gladbach! Und der Augenthaler sollte auch in Wolfsburg mal genauer hinsehen. Wieder nur Unentschieden. Gegen Frankfurt.

Heynckes: Ja, sag ich doch, da sind noch ganz andere nicht gerettet. Auch wenn Cottbus schon wieder nicht verloren hat. 1:1 in Hamburg.

Magath: Ja, Jupp. In Hamburg. Die kriegen doch eh kein Bein auf den Boden. Holen den Olic und bauen auf Ljuboja im Sturm. Das ist doch zum Scheitern verurteilt.

Heynckes: Letzter sind sie. Und der Doll…

Magath: Ist raus!

Heynckes: Hör ich da den alten Hamburger-Magath, Felix? Willst du jetzt zurück in den Norden?

Magath: Ach was, Don, ich fahr noch mal zur Säbenerstraße. Mit Kind und Kegel. Und hol mir die Abfindung ab.

Heynckes: Wasch vorher den Wagen, Felix.

Magath: Das kann der Henke für’n Ottmar machen.

Heynckes: Das passt zu dem. Ist halt ein ewiger Co. Trainer sein, kann halt nicht jeder.

Magath: Àprospos. Guck mal, Jupp, der Doll kommt rein.

Heynckes: Thomas, setz dich zu uns. Haben dir den Platz schon freigehalten.

Doll: Witzig, Don. Jupp. Felix. Jungs, das war’s dann, endgültig.

Magath: Lass den Jupp mal, der ist gut drauf, der ist mit dem Trainer-Zeugs durch. Der genießt sein Rentner-Dasein. Und leg die Kladde weg, Dolli, die brauchst du hier nicht.

Doll: Wie soll’s denn jetzt weitergehen? Meine erste Station und ich werd gefeuert…

Heynckes: Ruhig, Kleiner. Wird schon. Wo ist eigentlich der Beiersdorfer?

Doll: Der kommt hier nicht rein. Ist doch kein Trainer. Und bleiben darf er auch noch in Hamburg.

Heynckes: Gib dem Felix mal direkt dessen Nummer und wasch seinen Wagen.

Doll: Ach, leck mich, Jupp. Deine gute Laune hält ja kein Mensch aus.

Magath: Freunde, kein Streit. Sonst kommt der Udo noch rüber und erzählt uns einen vom Pferd. Und das er alles schon vorher gewusst habe und dass er alles schon erlebt habe und…

Heynckes: …säuft uns das Bier weg. Prost, Männer, auf einen beschissenen Spieltag Nr. 19. Obwohl schön gespielt haben sie ja. Fast alle. Die anderen. Hannover 5:0! Auf’n Kloppo und seine Mission - possible.



 
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