11.12.06 16.Spieltag Pro oder Contra, egal
Autor: Henning Hildebrandt
Pro
Die Bundesliga kristallisiert sich am 16. Spieltag zu einer Zweiklassengesellschaft mit einem Quartett aus Topvereinen, die sich vom Rest der Liga absetzt und auf dem Weg zur (Herbst-)Meisterschaft, nicht die Blöße zu geben gewillt ist. Ausnahmslos wurden Favoritenrollen angenommen und im Drei-Punkt-Gleichschritt die Tabellenspitze behauptet (zur Tabelle). Sei es durch sechs Auswärtstore, durch souveräne erste 45 Minuten oder durch minimalistische Siege, teils erst in letzter Sekunde. Spitzenmannschaften zeichnen sich eben durch Pflichterfolge gegenüber dem Ligapöbel aus, will die Obrigkeit gewahrt werden. Hinter den vier Spannungsgaranten für die Meisterschaft gesellen sich weitere vier, die sich des letzten UEFA-Cup-Platzes bedienen wollen. Der Rest kämpft gegen den Abstieg und aus der Ausgewogenheit der Liga resultiert eine Unvorhersehbarkeit der Spielausgänge, die jedem Tipprunden-Mitglied allwöchentlich vor die kaum zu bewältigende Aufgabe stellt, treffende Prognosen in Tendenz oder gar Ergebnis in die Tipp-Gemeinschaft zu schmeißen. Das Unentschieden hat Konjunktur. Und selbst Hannover auf Rang elf ist von Europa nicht soweit weg wie die sechs Tabellenplätze zur Qualifikation theoretisch aussagen. Praktisch reichen vier Punkte. Und da jeder gegen jeden gewinnt, klingt diese Vision nicht völlig absurd.
Contra
Die Bundesliga - ein Sammelsurium minderer Qualität, schlechter Spieler und kaum tragbarer Beharrlichkeit gefühlter Zweitklassigkeit. Jeder kann gegen jeden verlieren. Und absteigen könnten ab Patz Neun alle, würde die Konkurrenz nicht ähnlich konstant patzen. Die magische 40-Punkte-Grenze, die einen Ligaverbleib mindestens erfordert, kann sogar einem ambitionierten Verein wie Leverkusen als neue Zielvorgabe dienen. Und trotz spielerischer Armut und völliger Enttäuschung steht die Werkself nach 16 Spieltagen auf Platz sieben der obersten deutschen Spielklasse. Die Liga als Spiegel deutschen Vereinsfußball-Mittelmaßes. Bedenke man, dass Leverkusen sowie auch Dortmund der nächstjährigen internationalen Daseinsberechtigung Nahe ist, so verliert man schnell den Glauben daran, dass Qualifikation auch im Weitesten irgendetwas mit Qualität gemein hat. Die Liga beherbergt Mannschaften wie Wolfsburg, Bochum, Mainz oder Mönchengladbach, die in keiner europäischen Spitzenliga konkurrenzfähig wären. Nahezu grotesk erscheinen die Fanstürme in die Stadien und die ausbleibenden Trainerentlassungen. Und oben beweisen die Führenden nationale Größe, während sie international zumeist spielunberechtigt sind. Bayern und Stuttgart stolpern zu ihren Siegen und behielte Sechs-Tore-Bremen nicht ihre Spielkunst, gäbe es wenig Anlass, sich der Flasche Bier zur Sportschau genüsslich zu bedienen. Um halb vier ist die Welt schon länger nicht mehr in Ordnung.
Egal
Denn Fußball ist ein so schöner Sport. Dabei bleibt’s. Egal, wie er gespielt wird. Und um der Spannung willen, erfüllen alle Bundesligavereine ihre Parts bestmöglich. Der Meister unter Vieren ist nicht absehbar und der Abstieg für alle Bedrohten noch immer vermeidbar. Egalitäre Liga eben. Und solange Alexander Zickler noch in anderen Ligen zum besten Spieler des Jahres gewählt wird, kann man ruhigen Gewissens behaupten, dass irgendwo in Europa noch schlechter Fußball gespielt werden muss.
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