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04.12.06
15.Spieltag
Winterrauschen
Autor: Daniel Wehner

Kurz vor der Winterpause versuchen die Klubs erfahrungsgemäß noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren. Mannschaftliche Geschlossenheit, bedingungsloser Einsatz, vollste Konzentration auf´s Wesentliche: den Erfolg. Schließlich will sich keiner der 18 Bundesligaklubs noch knapp vor Ende der Halbserie eine Winterdepression einfangen. Im Gegenteil: Der so wichtige psychologische Effekt eines Sieges – am besten gleich mehrerer – soll mit rübergenommen werden in die Weihnachtstage, um ein rundum wohliges Befinden zu gewährleisten. Gleich nach Wiederanpfiff soll da angeknüpft werden, wo vor der Pause aufgehört wurde. Daher gelten die Tage und Wochen vor dem winterbedingten Einschnitt als wichtiger Richtungsweiser für den restlichen Verlauf der Saison.
Naturgemäß können nicht sämtliche 18 Bundesligisten auf Erfolgserlebnisse und daraus resultierende psychologische Effekte hoffen - obwohl dies den Werderanern erwartet gut gelang. Für den HSV etwa ist es an der Zeit, sich mit einer schmerzhaften Gegebenheit abzufinden: Nach dem glücklosen 1:2 gegen den VFL Bochum sind die Bundesliga-Dinos aus Hamburg akut abstiegsbedroht. Wer die desolaten Vorstellungen des HSV als bedauernswerten, aber schnell vorübergehenden Zustand wahrnahm, sah sich getäuscht. Mit dem Verlust ihres Führungsspielers (siehe Wörns der Woche)und der Niederlage gegen einen direkten Konkurrenten wird der HSV aller Voraussicht nach auf einem Abstiegsplatz überwintern. Die Hanseaten laufen Gefahr, ihre Stadion-Uhr, die mittlerweile über 43 Jahre und 101 Tage Bundesligazugehörigkeit anzeigt, künftig auf null zurückstellen zu müssen. Um Thomas Doll dürfte es unruhig werden zur Winterzeit.
Mit anderen Gegebenheiten muss sich Bert van Marwijk auseinandersetzen. Denn er ist nur noch bis Saisonende Übungsleiter des BVB. "Wir haben uns entschlossen, nach der Saison neue Wege zu gehen", so der 54-Jährige. Neue Wege heißt in dem Fall wohl: raus aus dem Lethargie-Gekicke – wie gegen Wolfsburg und in nahezu allen Heimspielen der gesamten Hinrunde zu sehen –, rein in ein 4-3-3, dass auch hält, was es verspricht.
Das überraschende dabei war aber nicht die Trennung, sondern die Art und Weise der Verkündung. Denn Pressevertreter trugen die Meldung bereits vor der offiziellen Pressekonferenz an die Öffentlichkeit, wodurch Watzke und van Marwijk nur noch die reagierende Rolle des kopfnickenden Bestätigens blieb. Doch eines hatte Watzke noch zu sagen: „Jede Zusammenarbeit hat irgendwann mal ein Ende.“ Ob dieses aber mit dem Saisonende übereinstimmt? Ein Thema, das im gemeinen Presserauschen erklingen wird.
In bayrischen Gefilden ist es dagegen bemerkenswert ruhig dafür, dass der FC Bayern München daheim einmal mehr Punkte gegen einen vermeintlichen Underdog gelassen hat. Zwar kickte das rotweiße Ensemble ganz manierlich, machte Druck und erspielte sich Chancen, doch zu nutzen vermochten die Bayern sie nicht. Uli Hoeneß´ Ursachenforschung ergab, dass sie bei „defensiv stehenden Mannschaften Probleme haben“. Darüber hinaus stellte er fest:„Gladbach hat leidenschaftlich gekämpft.“ Dass die Fohlen dies im aktuellen Saisonverlauf recht selten taten, verrät ihr Tabellenplatz. Mit nunmehr 14 Punkten hecheln sie ihren Zielen in ähnlicher Weise hinterher wie Leverkusen, Dortmund oder Mainz. Als Konsequenz zog Dortmund die Reißleine. Das Winterrauschen hat begonnen.

 
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