27.11.06 14.Spieltag Come Back
Autor: Henning Hildebrandt
In den späten Mitt-Neunzigern war dies der Titel des Fanzines aus Düsseldorf. Die “Come Back” erreichte bald nach ihrer erstmaligen Veröffentlichung 1995 Kultstatus in einer Zeit, in der der Fazines-Boom seinen Höhepunkt erreichte. Als Fanzines werden Magazine bezeichnet, die von Fans für Fans im Prä-Internet-Zeitalter geschrieben wurden. Sie galten in den Achtzigern als Gegenpol zu den unterirdisch schlechten Stadionzeitungen und den distanzierten, szeneunkundigen Tageszeitungen. Die Anzahl der Publikationen nahm zwar Ende des Jahrtausends stark ab. In vielen Städten sind Fanzines aber noch immer wichtiger Bestandteil der Fan-Kultur. Die “Come Back” gibt es zwar seit 1998 - leider - nicht mehr, aber der Fußball schreibt seine Comebacks glücklicherweise auch selber.
Comebacks sind Wiederauferstehungen, die in besonderem Maße von Fans und Presse begutachtet werden. Eine Renaissance vergangener Leistungen sollen sie sein. Der Versuch, den Nachweis zur eigenen Daseinsberechtigung nach langwieriger Auszeit zu erbringen, ist das Bestreben und das Comeback seine Plattform.
Dass es diese nicht nur im Fußball gibt, musste der gemeine Sportsympathisant am Wochenende erfahren. Und dass diese oftmals nur ein verzweifelter Versuch sind, die Vergangenheit in die Gegenwart zu transferieren, sollte als kurze Erkenntnis genügen, denn mehr Aufmerksamkeit hat der Boxsport in einem Fußballmagazin nun wirklich nicht verdient. Eine echte Totgeburt.
Aber auch die Bundesliga hat ihre Wiedergeburten im Verlaufe der Woche gehabt. Zum einen die Heimkehr des so genannten Messias in Trainergestalt in die Domstadt und zum anderen die Rückkehr “eines der größten Talente” (Oliver Kahn) auf die rechte Außenbahn der Bayern aus München. Ob Christoph Daum nach seiner Pressekonferenz-Farce die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen wird, bleibt abzuwarten, als Glücksbringer auf der Tribüne hat er zumindest schon einmal für einen Kölner Erfolg gesorgt. Eine komplizierte Spätgeburt. Dass Sebastian Deisler für den Rekordmeister spielerisch eine wertvolle Bereicherung sein kann, bewies der 26-Jährige nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit. Durch einen Traumpass auf Roy Makaay und eine glänzende Vorbereitung zum 2:1 durch Claudio Pizarro hinterließ Deisler gegen den HSV einen hoffnungsvollen Eindruck nach achtmonatiger Verletzungspause. Eine wirkliche Wiedergeburt fußballerische Klasse.
Ein Comeback gab es zwar an der Weser nicht, dafür aber Fußball auf höchstem Niveau. Denn der Spieler des Spieltags heißt - einmal mehr - Miroslav Klose. Und der oftmals zitierte Begriff “Weltklasse” wurde an diesem Wochenende zurecht bemüht. Hervorragendes Durchsetzungsvermögen, eiskalter Torabschluss und perfekter Altruismus führten in dieser Chronologie zu einem ungefährdeten 3:0 Sieg der Bremer über staunende Bielefelder. Und nicht nur Thomas von Heesen, Trainer auf der Alm, gestand, dass es Spaß mache, einem solchen Spieler zuzusehen, “noch nie habe ich einen Stürmer dieser Klasse live erlebt”, fuhr er denn fasziniert fort. Auch Bielefelds Bester, Torwart Hain, kapitulierte ehrfurchtsvoll vor Kloses Klasse.
Anderorts wurde - wieder einmal - weniger hochklassig Fußball gespielt: Schalke festigte die Tabellenführung gegen Bochum, Mainz bekräftigte den Verdacht, Abstiegskandidat Nr. 1 zu sein, und Nürnbergs Saenko durfte sich bei Wolfsburgs Möhrle bedanken (siehe Wörns der Woche). Das Spiel endete ebenso wie die schwache Partie zwischen Frankfurt und Dortmund 1:1. Stuttgart besiegte M’gladbach, behauptete einen oberen Tabellenplatz genauso wie die siegreichen Berliner und auch Leverkusen konnte mal wieder gewinnen.
Und das Comebacks wiederkehrender Natur sind, darf Christoph Metzelder vielleicht nächste Woche - erneut und ganz persönlich - beweisen.
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