Spielt. 1   ||   Spielt. 2   ||   Spielt. 3   ||   Spielt. 4   ||   Spielt. 5   ||   Spielt. 6   ||   Spielt. 7   ||  
Spielt. 8   ||   Spielt. 9   ||   Spielt. 10   ||   Spielt. 11   ||   Spielt. 12   ||   >>weiter

09.11.06
11.Spieltag
Klappe halten, FC Bayern!
Autor: Tim Sohr

Eines vorneweg: Wir von pokalo.de hegen keinerlei Animositäten gegen den FC Bayern München! Wir kommen zwar aus Düsseldorf, können uns aber keineswegs mit dem „Bayern“-Lied der Toten Hosen identifizieren. Wir gehören noch nicht einmal der in Deutschland weit verbreiteten Spezies der „Bayern-Hasser“ an, die aus tiefer liegenden Neidursachen heraus jeden Ausrutscher des Rekordmeisters bejubeln, weil ihnen der eigene Verein genug Anlass für Eifersuchtsattacken in Richtung München gibt.
Nein, wir sind neutral und möchten so sachlich wie kritisch über den Fußball berichten. Und wir erkennen die großen Verdienste des FC Bayern um den deutschen Fußball respektvoll an. Doch irgendwann platzt auch dem geduldigsten Betrachter der Kragen – wer wüsste das besser als Uli Hoeneß höchstpersönlich – und deshalb muss jetzt raus, was schon länger schwelt und sich in den letzten Tagen verselbständigt hat: Der FC Bayern hat massive Probleme, insbesondere mit sich selbst. Geblendet von der vorzeitigen Qualifikation fürs Champions-League-Achtelfinale, in einer erschreckend formschwachen Vorrundengruppe um Inter Mailand, wird die Stagnation im Alltag ignoriert, schöngeredet, weggewischt. Zumindest wird das versucht. Die 0:1-Heimpleite gegen den Tabellenletzten Hannover 96, bei dem es den Bayern in 47 Minuten nicht gelang, den Ausgleich zu erzielen, ist der vorläufige Höhepunkt einer schleichenden Entwicklung, die wahrscheinlich schon mit dem Weggang von Michael Ballack, der bis heute weder personell noch taktisch kompensiert werden konnte, begann. Die stümperhafte Übertölpelung der internationalen Durchschnitts-Defensivkraft Martin Demichelis vor dem 96er-Siegtor durch Szabolcs Huszti ist ein Sinnbild der derzeitigen Münchner Krise, denn nichts anderes als eine Krise ist die Situation, in der sich der Titelverteidiger momentan befindet. Wahrscheinlich hatte es Demichelis auf den Titel des „Wörns der Woche“ abgesehen, den innerhalb der letzten drei Spieltage schon zwei Bayern (Lucio - 8.Spieltag, Pizarro - 9.Spieltag) erringen konnten (dieses Mal war die Konkurrenz innerhalb der Liga allerdings ungleich größer). Trotzdem ist auch das ein eindeutiges Zeichen der bayrischen Bredouille.
Und wie es schon seit eh und je ein guter Brauch in der Vorstandsetage ist, fängt Uli Hoeneß in Krisenzeiten an, zu poltern. Am liebsten gegen die Konkurrenz, wie am Sonntag nach dem schmeichelhaften Unentschieden auf Schalke (das nur aufgrund unfassbarer Schalker Unbedarftheit zustande kam) in einem Fernsehinterview, als Hoeneß es für nötig hielt, den SV Werder Bremen, seineszeichens aktueller Tabellenführer und Fanverzauberer, auf ein gerüttelt Normalmaß zurechtzustutzen. Die Bremer spielen schön, und am Ende steht der FC Bayern oben, so die Quintessenz Hoeneß’scher Muskelspielchen. Früher haben derartig lautsprecherische Töne die Konkurrenz verunsichert. Inzwischen werden sie von souveränen Führungskräften wie dem Bremer Manager Klaus Allofs nur noch süffisant belächelt. Weil sie keine Substanz mehr haben. Fragwürdige Personalentscheidungen pflastern schon seit längerer Zeit den Weg der Bayern. Abgesehen von der Ballack-Farce, während der der Nationalmannschaftskapitän wie ein Vaterlandsverräter vom Hof gejagt wurde, bevor man ihm wenige Wochen später Kusshände hinterherwarf, sah man sich gleichzeitig gezwungen, einen extrem abwanderungswilligen Owen Hargreaves, den sich Manchester United schlanke 25 Millionen Euro hätte kosten lassen, zum Bleiben zu zwingen. Erinnert man sich noch an das Jahr 2004, als bei der Stürmersuche und der Entscheidung, Miroslav Klose oder Vahid Hashemian zu kaufen, die Wahl auf den iranischen „Hubschrauber“ fiel, ist man fast geneigt, leise Zweifel an der doch eigentlich so unantastbaren Kompetenz der Hoeneß’, Beckenbauers und Rummenigges zu hegen. Ihre Personalpolitik wird zusehends dubioser. Und dummdreiste Kommentare in Richtung glänzender Konkurrenz lenken schon lange nicht mehr von hausgemachten Problemen ab.
Es wird Zeit, dass der zu Recht umstrittene Trainer Felix Magath das Heft in die Hand nimmt und den wichtigsten internationalen Vertreter des deutschen Vereinsfußballs auf den rechten Weg führt. Bis dahin sollte rund um die Säbener Straße konzentriert gearbeitet werden und die Redewendung „Große Schnauze, nichts dahinter“ nicht ständig positiv auf ihren Wahrheitsgehalt getestet werden. Franz Beckenbauer favorisiert die Verpflichtung eines neuen Spielers in der Winterpause. Der letzte Strohhalm. Es ist Zeit zu handeln.
Werder Bremen ist immer noch Tabellenführer, die Magath-Mannschaft liegt sechs Punkte und 14(!) Tore dahinter. Also: Klappe halten, FC-Bayern!

 
Kontakt Impressum Nutzungsbedingungen