22.10.07
10.Spieltag
Die Fänger der Fliegen
Autor: Tim Sohr

Am 16.Spieltag der vergangenen Saison 2006/07 begab es sich, dass sich gleich vier Torhüter aufgrund eklatanter Fehlleistungen um den Titel des „Wörns der Woche“ stritten – ein Rennen, das Peter Skov-Jensen vom VfL Bochum für sich entscheiden konnte. Ein einmaliger Vorgang, gerade auch in Deutschland, einig Torwartland? Mitnichten. An diesem Oktoberwochenende setzten die Schlussmänner in Deutschlands Eliteklasse in Sachen Dilettantismus noch mal ordentlich einen drauf. Durch beinahe jede Partie zieht sich das „Phänomen Fliegenfänger“ wie ein roter Faden. Da ist natürlich Manuel Neuer, der „Wörns der Woche“, der gegen Rostock zum Opfer der „modernen Interpretation seines Torwartspiels“ wurde.
Doch der Schalker führt das breite Feld der Versager nur an, denn er ist alles andere als alleine mit seiner Unfähigkeit: Tomislav Piplica bewies beim Heim-1:2 seiner Cottbusser, dass er inzwischen sogar Probleme hat, eine Mauer zu stellen, und wird daher nun endgültig auch von den eigenen Fans aus der Mannschaft gepfiffen. Reservemann Tremmel steht parat und wird einen in jeder Hinsicht adäquaten Ersatz abgeben – adäquat im Sinne von genau so schlecht wie Piplica. Trainer Prasnikar will sich im Winter nach einem neuen Torwart umsehen.
Beim 3:2 von Werder Bremen gegen Hertha BSC machten sowohl Wiese als auch Drobny alles andere als einen souveränen Eindruck, doch zu vergleichen mit der (Fehl-)Leistung eines Raphael Schäfer waren beide Auftritte nicht. Der Stuttgarter Torwart sah bei zwei Gegentoren schlecht aus und hat damit maßgeblichen Anteil am 1:4-Debakel des entzauberten Meisters beim ersatzgeschwächten HSV. Noch einmal öfter als Schäfer musste Frankfurts Pröll beim 1:5 seiner Eintracht in Nürnberg hinter sich greifen.
Der ehemals sichere Wolfsburger Torwart Simon Jentzsch trug beim 2:2 des VfL in Hannover die Mitschuld am ersten und die Alleinverantwortung für das zweite Gegentor, was der VW-Truppe den Sieg kostete und Trainer Felix Magath unverblümt zugeben ließ: „Mir graut es davor, die Gegentore noch mal anzuschauen.“
Geht’s noch schlimmer? Kaum, aber: Ja. Bochums Schlussman Jan Lastuvka, seines Zeichens der Torhüter mit dem schlechtesten „kicker“-Notendurchschnitt der Liga, hielt seinen VfL mit glänzenden Paraden gegen Altintop und Klose lange im Spiel, ehe er ein Schweinsteiger-Schüsschen durch die Schoner passieren ließ und den übermächtigen Bayern damit den Sieg auf dem Silbertablett kredenzte.
So gab es also am Samstag mit dem Duell Leverkusen-Dortmund (2:2) nur eine Partie, in der beide Keeper, Adler und Weidenfeller, ihre Bundesligatauglichkeit nachweisen konnten.
Die besondere Ehre dieses ganz und gar nicht normalen Bundesliga-Wochenendes gilt allerdings Markus Miller und Matthias Hain: Karlsruhe und Bielefeld trennten sich am Sonntag 0:0.

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