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06.11.06
10.Spieltag
Favoritensterben vorerst vertagt
Autor: Daniel Wehner

„Ich bin unzufrieden, dass wir nicht gewonnen haben“, haderte Petrick Sander nach dem unglücklichen 1:1 gegen Bremen mit der Chancenauswertung und dem nicht gegebenen Elfmeter in letzter Minute. Der Cottbuser Trainer war enttäuscht, bei den Champions League-Überfliegern (siehe Europapokal) keinen Sieg geholt zu haben. Was zunächst überraschend klang, war durchaus berechtigt. Denn für Energie Cottbus war der Sieg kurz vor Spielende greifbar nahe. Favorit Bremen wankte, aber fiel nicht. Gleiches galt für Bayern, Dortmund und Leverkusen. Sie alle sahen sich einer drohenden Niederlage gegenüber, wobei Leverkusen mit etlichen Chancen noch am ehesten den Sieg hätte holen können.
Dagegen lag Bayern schon nach 19 Minuten mit null zu zwei hinten. Und das, obwohl die ersten 19 Minuten ohne nennenswerte Geräuschkulisse vorrüberstrichen. Denn die Schalke-Fans hatten sich entschieden, 19 Minuten und vier Sekunden (1904 war das Schalke-Gründungsjahr) lang zu schweigen. Das leidenschaftslose Schalker Spiel der letzten Wochen hatte sie dazu bewogen. Nur fünf Sekunden nachdem der stille Protest beendet war fiel das Tor. Kobiashvili haute den Ball winkelnah in die Maschen, Traumtor! Nach dem frühen Tor von Lövenkrands bereits der zweite Treffer. Ausnahmezustand! „Die Geschichte hätte man fast nicht besser schreiben können“, so Slomka. Die Betonung lag wohl auf fast. Hier einige kleine Tipps für den nächsten Schalker Geschichtenschreiber: Das nächste Mal sollte Manuel Neuer den Ball zwei Sekunden vor der Pause nicht unbedingt vor die Füße Stefan Ottls fausten und sich im Anschluss daran tunneln lassen. Und auch Roy Makaay könnte demnächst etwas weniger Platz und mehr Gegenwehr haben, wenn er zum Ausgleich ansetzt. Aber das nur als kleine Anregung. Ein 2:2 sollte es also am Ende sein. Die Bayern wankten, aber fielen nicht. Die Schalker dominierten, aber siegten nicht. Dementsprechend dann die Reaktion der Mannschaft. Noch auf dem Platz verabredeten die Schalker ein Presseboykott, waren die Kritiken in letzter Zeit doch völlig unangemessen und fern ab jeglicher Schalker Höhenflüge. Sportdirektor Müller stellte sich anschließend schützend vor sein Team: „Ich glaube, dass unsere Mannschaft sehr kritikfähig ist“.Kritikfähigkeit setzt allerdings voraus, dass man sich seinen Kritikern stellt.
Doch nicht nur Schalke wetterte gegen die Presse. Auch Oliver Kahn und Uli Hoeneß sahen den FC Bayern ungerecht behandelt. Denn „das Bremen-Spiel ist schön und am Ende sind wir Meister“, so die Ansage von Hoeneß, der sich Europas Top-Adresse FC Bayern nicht zerreden lassen wollte.
Am Vortag sah sich sah sich Bert van Marwijk in Dortmund bereits den Beschüssen der Boulevard-Blätter ausgesetzt. Doch da hatte er noch die 93. Minute vor sich. Die Minute, in der Petr Gabriel sich aufmachte, den Favoriten nicht zu stürzen, das Feld vorzeitig zu verlassen und die Dortmunder Katakomben mit kräftigen Fußhieben zu bearbeiten (siehe Wörns der Woche). Bleibt noch die Überraschungself aus Stuttgart. Der VFB untermauerte mit seinem 4:2 gegen Nürnberg eindrucksvoll, dass dieses Jahr mit ihm zu rechnen ist. Aber wie Uli Hoeneß schon sagte: „Eine Saison hat 34 Spieltage und nicht zehn.“

 
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