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10.06.07 Kurze. Mitteilung zur Meisterschaft
Autor: Henning Hildebrandt
Für 1,50,- beim Wirt an der Theke. Zack, zack, zack. Und das Ganze gleich nochmal. An dieser Stelle und in aller Kürze: der Feinsprit der Saison 06/07. Alles Wissenswerte zur Vollendung der Meisterschaft. Vom Wörns des Jahres über den besten Spieler und die UEFA-Fünfjahreswertung hin zum Allerneuesten von Udo, dem Lattek.
Bester Spieler
Viel wurde geschrieben über Mario Gomez, dem Überflieger und Youngstar aus Stuttgart. Nicht zu Unrecht. In seiner ersten Saison gleich mit überragenden Leistungen und dem Aufstieg in die Nationalelf. Auch Diego wird häufig genannt als Spieler der Saison. Doch der Beste war: Bernd Schneider, Leverkusen. Nach der WM im Sommer mit einer konstant überdurchschnittlichen – ohnehin, aber auch gemessen an dem, was man von ihm bislang kannte – guten Leistung. „Der weiße Brasilianer“ zeigte mit technischen Glanzstücken, direkten Freistoßtoren und klugen Pässen, dass er berechtigterweise als der fußballerisch beste Spieler Deutschlands gehandelt wird. Dazu ungeahnte Torgefährlichkeit in der Liga und im UEFA-Pokal. Bernd Schneider, mit 35 Jahren, so stark wie nie zuvor. Und damit völlig verdient der Spieler des Jahres.
Schlechtester Spieler
Als Absteiger des Jahres wurde von den Profis gewählt: Lukas Podolski. Als schlechtester Spieler des Jahres könnte vermutlich jeder Abwehrspieler Aachens (mit 70 Gegentoren Ligaspitze) oder jeder „Stürmer“ Mönchengladbachs (23 Treffer in 34 Spielen) ernannt werden. Aber wer selbst im tiefsten Abstiegskampf als Nationalspieler nicht einmal auf der Reservebank Platz nehmen darf, und das nicht aus disziplinarischen Gründen, sondern mangels Leistungsvermögen, der ist es einzig und allein. Jan Schlaudraff. Traumtor. Berufung von Löw. Vertrag bei Bayern. Und dann: Nichts mehr. Und selbst sein Trainer Frontzeck antwortete auf die Frage, ob er ihn denn auf dem Platz nicht vermisst hätte: „Nein. Vermisst habe ich ihn in den Spielen, in denen er auf dem Platz gestanden hat. Heute nicht.“ Stimmt.
Tor des Jahres
Das Tor ging um die Welt. Selbst im spanischen Fernsehen schaute man herüber nach Aachen. Und nicht nur Bremens in diesem Moment geschlagener Torwart Wiese meinte, „wenn das gewollt war, müsse er in Madrid spielen.“ Auch hier: Jan Schlaudraff – an drei Abwehrspielern vorbei und dann ein Heber aus 11 Metern Torentfernung. Weltklasse. Zumindest in diesem Moment. Das sahen wohl auch die Bayern. Ob er eine wirkliche Verstärkung sein wird, wird sich zeigen, darf jedoch gemessen an dem, was Schlaudraff sonst geboten hat, auch bezweifelt werden. Das Tor des Jahres jedenfalls hat er gemacht. Und das trotz großer Konkurrenz: Neben vielen der 60 Meter-Schuss von Diego und Außenrist-Pantelic mit demselben in der Hinrunde.
Erfolgreichster Trainer
Veh oder Meier? Meier schaffte in Nürnberg die Fortsetzung seiner Erfolgsarbeit aus der Rückrunde der Vorsaison. Zuvor Retter des Clubs, nun Pokalsieger und der Einzug in den UEFA-Cup. In Nürnberg keine Selbstverständlichkeit nach 35-jähriger Titelabstinenz. Doch der als Interimstrainer gehandelte Armin Veh verdient wohl noch mehr Anerkennung. Deutscher Meister mit Stuttgart, obwohl sein frühzeitiger Abgang bereits vor der Saison als sichere Sache gegolten hat. Respekt vor dem Aufbau der Mannschaft, der Konstanz der Leistung und dem spielerischen Erfolg in 34 Spielen.
Unvollendete Geschichten, Teil 1, der Klerus Cup
Mal ehrlich sein. Dass eine Fußballmeisterschaft im Vatikan ausgetragen wird, klingt interessant. Dass das Reglement Blaue Karten und eine kurze Zeitspiel-Sperre beinhaltet, klingt kurios. Aber wer es gewonnen hat, das interessiert nun wirklich niemanden. Nur soviel sei erwähnt: Das Finale endete 1:0 und wurde durch einen – christlich-friedlichen – Foulelfmeter entschieden.
Unvollendete Geschichten, Teil 2, Wörns des Jahres
von Tim Sohr
Christian Wörns. Wer denn sonst? Da bedarf es noch nicht einmal einer journalistisch fundierten Begründung. 34 Runden lang beharkten sich die minderbemittelteren unter Deutschlands Elitekickern, um seinen Thron zu erklimmern - und zugegeben: einige von ihnen rüttelten auch durchaus heftig dran - aber auch wenn sie es nicht wissen konnten, so konnten sie es doch zumindest ahnen: An das große Vorbild reichte keiner von ihnen heran. Christian Wörns ist - und bleibt - der "Wörns des Jahres". Jeden Jahres. Und kündigt für die nächste Saison schon wieder große Taten an: Die Kapitänsbinde gibt er beim BVB auf gar keinen Fall ab, solange er im Abwehrzentrum der Dortmunder aktiv und kontraproduktiv ist. Da schlackerten selbst Torwart Roman Weidenfeller kurzzeitig die Knie, als er in der "SportBild" warnte: "Der Wörnser brennt schon. Dem würde ich im Moment nicht zu nahe kommen." Recht so. Er brennt. Pünktlich zur Sommerpause. Und wir von pokalo.de wünschen ihm (und uns), dass er bis zum Start 07/08 nicht verglüht ist...
Unvollendete Geschichten, Teil 3, UEFA-Fünfjahreswertung
von Daniel Wehner
Mit den Artikeln "Deutschland punktet im Positionsgerangel" und "Sie sind zu stark, weil wir zu schwach sind" hat sich pokalo.de gleich zweimal mit den Konsequenzen ausbleibender internationaler Erfolge deutscher Teams beschäftigt. Anfangs – mit dem Sieg des HSV über Osasuna – gut gestartet geriet die Bundesliga, vertreten durch Schalke, Berlin und den Champions-League-HSV, schnell unter die Räder. Schon saßen Fußballdeutschland Schwellenländer wie Portugal, Rumänien oder die Niederlande im Nacken – nicht gerade Weltmächte im internationalen Fußballzirkus. Der Verlust eines Europapokalplatzes an Boavista Porto, Rapid Bukarest oder Vitesse Arnheim drohte. Nach den zwischenzeitlichen Leistungen von Bremen und Bayern – die zumindest erahnen ließen, dass Fußball in Deutschland ebenfalls mit einem halbwegs runden Synthetikgebilde und nicht einem ausgebeulten Tertrapack gespielt wird – ging die Bundesliga auf Abstand zu seinen Verfolgern. Letztlich steht Platz fünf, mit einem 1600-Punkte-Vorsprung auf Portugal und einem 9200-Punkte-Rückstand auf Frankreich. Viel zu tun, im Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit.
Beste Mannschaft
Wohl Stuttgart. Als Deutscher Meister. Oder doch Nürnberg. Als Pokalsieger. Oder vielleicht eher eine Mannschaft, die gemessen an ihrem Potenzial auch ohne einen Wimpel-schmückenden Erfolg Großes geleistet hat…Cottbus. Als sicherer Absteiger in die Saison gestartet, ohne bekannte Namen auflaufend, schaffte die Mannschaft frühzeitig den verdienten Klassenerhalt. Energie-Leistung. Dank eines sehr guten Trainers Sander und zweier Rumänen, die im Laufe der Saison den vorzeigbaren Erfolg des Ligaverbleibs maßgeblich (mit insgesamt 25 Toren) sicherten.
Torwart der Saison
Mit seiner spektakulären Glanzparade rettete Stuttgarts Timo Hildebrand seiner Mannschaft den Sieg im vorletzten Spiel der Saison gegen den VfL Bochum. Dadurch genügte Stuttgart zur Meisterschaft ein irgendwie gearteter Sieg gegen Cottbus, um Ligakonkurrent Schalke definitiv auf Distanz zu halten. Dies alleine reicht noch nicht aus, um der Beste der Saison zu werden. Erforderlich ist vielmehr eine durchgängig herausragende Leistung. Aber auch die bot Hildebrand in seinem letzten Jahr beim VfB. Und dennoch: Bei traditionell starker Besetzung auf der Linie in Deutschland ist es dieses Jahr ein neues Gesicht, welches sich rühmlich zwischen den Pfosten in die Handschuhe spucken darf. Nach der Ausmusterung Frank Rosts auf Schalke wurde Manuel Neuer zum Erfolgsgaranten der Königsblauen in Serie. Schnelle Reaktionen, stark im Eins-gegen-Eins und zudem kaum Stellungsfehler. Der Überraschungstorwart der Saison ist auch – zumindest in seinem ersten Jahr – der Beste seiner Zunft.
Das Allerneueste von Udo. Dem Lattek.
„Wenn der als Führungsspieler neu kommt. Und meldet Ansprüche an, dass er jetzt der Chef ist. Dann denken sich die anderen auch: Was will der denn. Der muss sich erstmal beweisen. Da gibt es dann Grabenkämpfe. Und wenn der dann soundso viel Millionen verdient. Dann muss der erstmal Leistung bringen. Sonst sagen die anderen, der verdient soundso viel, soviel will ich auch verdienen.“
Udo Lattek auf das Problem eines Führungsspieler-Mangels bei Bayern. Und jede Woche wieder auf eine ähnlich lautende Frage. Und wieder und wieder auf die Einkaufspolitiken der Vereine angesprochen, die mit Hochkarätern flirten. „Udo, wie war das damals? Klappt die Integration auf Anhieb? Oder birgt ein Transfer eines zentralen Spielers auch Gefahren?“ Jeder konnte Wontorra oder alternativ Buschmann in der DSF-Sendung „Doppelpass – die Krombacher Runde“ die Antwort bieten, aber nur Udo wurde gefragt. Der Experte mit einem Fundus an Wissen aus Erfahrung und Erfolgen wurde auch nicht müde ob dieses allwöchentlichen Weisheitswahns. Keine Phrase (für’s Schwein) aber definitiv ab August wieder in einem Munde und aller Ohren. Versprochen. Und für die, die es wieder vergessen haben, er sagt’s wieder, keine Frage. Der Udo, der Lattek.
Bester Neuzugang
Verpflichtet werden viele. Einige gehen aus welchen Gründen auch immer unter, andere brauchen eine gewisse Zeit, sich im neuen Umfeld zu akklimatisieren. Und die Besten stehen ab der ersten Minute im Fokus der Kameras und bleiben bis zum Ende da. Geschafft haben dies dieses Jahr einige: Zu nennen Gekas, auch die bereits Genannten Radu und Munteanu in Cottbus, auch Frei in Dortmund und eine halbe Saison lang Zidan in Mainz, aber wirklich durchgehend herausragend war zweifelsfrei nur ein Brasilianer. Diego, heißt er. Spielt bekanntlich in Bremen. Und die Frage lautete im Grunde bereits im ersten Spiel: Wer war eigentlich dieser Micoud?
Schlechteste Mannschaft
Traditionsmannschaften haben oftmals die meisten Probleme. Das Problem bei Mönchengladbach ist, dass die goldenen Siebziger Jahre einen dermaßen prägenden Eindruck hinterlassen haben, dass jedes Jahr wieder eine neue Ära eingeläutet werden soll. Alljährliche Runderneuerungen des Kaders. Großspurige Ankündigungen im Vorfeld. Und seit geraumer Zeit keine Erfolge. Bis hin zum ersten Abstieg der Vereinsgeschichte. So wurde dieses Jahr mit Jupp Heynckes ein Protagonist der Fohlen-Elf von einst zurückgeholt. Und jeder glaubte, nun werde es mit der Borussia wieder aufwärts gehen. Ging es nicht. Spielerisch armselig. Erfolglos dazu. Trainerentlassung. Und der vorzeitig feststehende erneute Abstieg in die zweite Liga. Da reichen auch Hamburg trotz Doll sowie Dortmund trotz Marwijk/Röber nicht heran. Dank der Trainerwechsel dort. Selbst solch eine Notbremse hat bei Mönchengladbach dieses Jahr nicht funktioniert. Wie auch, bei dieser Mannschaft.
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