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13.11.07 Robbie Keane - Fausthiebe, Fließbandtore und Fluchtversuche
Autor: Daniel Wehner
Mit Robbie Keane verbinden deutsche Fußballfans vor allem diese eine Szene der WM 2002: Im zweiten Vorrundenspiel von Gruppe E wähnte sich das DFB-Team nach dem 1:0-Treffer von Klose bereits als sicherer Sieger, als in der zweiten Minute der Nachspielzeit eine Kopfballvorlage von Quinn Robbie Keane erreichte. In der Folge kassierte die Truppe um Kapitän Michael Ballack einen jener Gegentreffer, der sich ins deutsche Fußballherz einbrennen sollte. Robbie Keane nahm den Ball aus vollem Lauf mit der Brust mit, überrannte die deutsche Abwehr und hämmerte das Leder ins kurze Eck, vorbei am späteren Welttorhüter Oliver Kahn – es sollte das einzige Gegentor bis zum Finale bleiben. Einen Radschlag, eine Rolle und einige Keansche Pistolero-Gestiken später war klar: kein Handspiel, kein Foul, keine gehobene Fahne des Schiedsrichterassistenten; das Tor war gültig. Deutschland hatte eine gute Ausgangsposition vorerst verspielt, und die Iren hatten sich das Unentschieden mit ihrem unermüdlichen Kampfgeist verdient. Da vermochte auch das ungläubigste Augenreiben keine Abhilfe zu schaffen. Die deutsche Elf stand dumm da. Doch der Schatten des Last-Minute-Punkteverlusts schuf gleichzeitig den Raum für den Flutlichtfokus, der Robbie Keane erfassen sollte. Dieser Nachmittag mitteleuropäischer Zeit machte ihn zum irischen Nationalhelden – und das mit 22 Jahren. Im Gegensatz zu anderen Joungstars wie Owen, Ricken oder de Kluviert, bestätigte der in Dublin geborene Offensiv-Allrounder seine Vorschusslorbeeren - auch wenn er frühe Rückschritte wegstecken musste. Im Portrait beleuchtet pokalo.de sowohl die Licht- als auch die Schattenseiten seiner Karriere.
Von der U-10 in die Serie A
Keanes fußballerisches Talent zeichnete sich schon früh ab. Bereits in der U-10-Schulmannschaft machte er mit zahlreichen Scorerpunkten auf sich aufmerksam. Nachdem er das Interesse einer ganzen Schar von Scouts auf sich Zog, lagen ihm in kürzester Zeit mehrere Angebote namhafter englischer Profivereine vor – darunter auch der FC Liverpool. Da er sich bei den Wolverhampton Wanderers höhere Einsatzchancen ausrechnete, entschied er sich letztlich für die „Wolves“ aus Birmingham, wo er in den kommenden zwei Jahren in 88 Spielen 29 Mal einnetzte. Und so kamen die Mechanismen des Profifußballs in Gang: 1999 zahlte Coventry City die damalige Rekordsumm für einen Jugendspieler von umgerechnet 9 Millionen Euro, um ihn zu den Sky Blues zu locken. Eine weitere erfolgreiche Saison in Coventry markierte den endgültigen Durchbruch.
Morattis Bedauern
Seine Popularität ging weit über englische Grenzen hinaus und führte ihn im Juli 2000 zu Inter Mailand (Ablöse: umgerechnet 19.5 Millionen Euro), unter der Regie von Marcello Lippi. Es schien, als ging sein lang ersehnter Traum in Erfüllung: Mit 20 Jahren sollte er zu einer festen Größe neben Vieri und Ronaldo im Inter-Sturm reifen – so der Plan. Doch Lippi wurde kurz nach dem Transfer geschasst, und sein Nachfolger Marco Tadelli konnte dem Jungspund weitaus weniger abgewinnen als es noch sein Vorgänger getan hatte. Am Ende einer mehrmonatigen Demontage stand im Dezember 2000 ein Leihgeschäft von Keane zu Leeds United, was zu Saisonende in ein Kaufgeschäft über 18 Millionen Euro mündete. Auch fünf Jahre später haderte Inter-Chef Massimo Moratti noch mit dem Weggang von Keane: “He had a thousand touches and not one mistake. It drives me mad! It was my choice to bring him to Inter, I liked him as a player, but he didn’t shine with us. And now look at him.” „Now look at him“ steht für weitere fünf erfolgreiche Jahre, in denen ihm 81 Tore für Leeds und später für die Tottenham Hotspurs gelangen. Die Londoner machten den Transfercoup perfekt, da interne Querelen Keanes Stellung in der Mannschaftshierarchie von Leeds schwächten und die finanzielle Notlage des Vereins – an deren Ende der Gang in die Drittklassigkeit stand – einen Ausverkauf zur Folge hatte.
“anyone who meets him loves him”
Bei den „Spurs“ avancierte er schnell zum absoluten Publikumsliebling. Sein ehemaliger Trainer Glenn Hoddle sagte über ihn: "He's such a bubbly lad that anyone who meets him loves him." Anders mochte das wohl sein späterer Trainer Martin Col gesehen haben, als Keane im April 2005 während des Spiels gegen Birmingham City von der Einwechselbank wutentbrannt in die Katakomben flüchtete, da Jol mit seiner letzten Einwechslung Mido und nicht Keane brachte. Zu dieser Zeit hatten ihm Defoe, Kanoute und Mido den Rang abgelaufen. Auch seine Auseinandersetzung mit Edgar Davids fiel in diese Zeit (Dezember 2005). Die beiden verpassten sich auf dem Trainingsplatz munter Fausthiebe, bevor sie getrennt wurden. Auf Anordnung von oben gaben sie sich letztlich einen männerfreundschaftlichen Kuss im Büro des Trainers, und der Streit schien beigelegt. Keane biss sich zurück ins Team und scorte in den kommenden Jahren – an der Seite von Dimitar Berbatov – wie nie zuvor. Seinen Rekord stellte er vergangene Saison auf –22 Tore in allen Wettbeweben, während Mido meist auf der Bank schmorte. In der aktuellen Saison scheint Tottenham dagegen auf dem absteigenden Ast zu sein, denn nach 13 Spieltagen belegen sie nur Platz 14. Keane dagegen traf bereits 6 Mal, verlängerte seinen Vertag bis 2010 und bleibt ungefochtene Ikone der Fans – Morattis Bedauern dürfte auch die kommenden Jahre noch anhalten.
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