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18.12.06 Interview mit Panini-Archivar Jens Presche Zurück zur Kurzfassung
Pokalo.de trifft Jens Presche. Der Panini-Mitarbeiter berichtet ausführlich von seiner Arbeit bei dem Hersteller der Sammelalben, die alljährlich Millionen von Fußballfans in ihren Händen halten und deren Bilder-Tauschbörsen das Gastgeberland der Weltmeisterschaft (mit-)prägten. Seine Aufgabe: Recherche und Archiv. Erfahrt alles über die Zusammenstellung der Mannschaften, bei der WM und im Bundesliga-Album. Lizenzprobleme und Spielerquerulantentum. Wieso fehlten Spieler wie Ballack und Kahn 2004? Und warum wird Thomas Brdaric immer fehlen? Und wer war der Lieblingssänger deutscher Profis in den 80er Jahren?
Dazu begeisterte Jens Presche mit seinem umfassenden Wissen zu den Geschichten, die die Fußball-Kultur schon immer geschrieben hat. Ein Gespräch, indem auch die Auswärtsfahrten mit Fortuna Düsseldorf zu Oberliga-Zeiten ebenso ihren berechtigten Platz gefunden haben wie auch seine Tätigkeiten beim Fanzine „Come Back“.
Der Länge des Gespräches wegen, haben wir uns entschlossen, Euch zwei Versionen dieses Interviews anzubieten. Während in der Kurzfassung, die Panini-Tätigkeit mit ungekannten Hintergrundinformationen für alle außenstehende (Nicht-)Sammler im Vordergrund steht, beinhaltet das unzensierte Gespräch zudem seine ganz persönliche Fan-Leidenschaft..
Pokalo.de: Hallo, Jens Presche, vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben. Auch ein Pils?
Jens Presche: Tja, ich geh gleich noch zum Sport. Aber natürlich. Gerne.
Pokalo.de: Sie arbeiten für Panini. Das Panini-WM-Album wurde in ganz Deutschland gesammelt. Aber irgendwie hatte man doch recht häufig die gleichen Spieler in der Hand. Zufall?
Jens Presche: Ich find es ja selbst schwer zu glauben, aber da ich ja weiß, wie es hergestellt wird, weiß ich, dass alle Spieler jedes Mal gleich häufig hergestellt werden. Und überall auf der Welt werden die gleichen Packungen ausgeliefert. Aber die Häufung war schon auffällig, egal, ob das jetzt die Holländer waren oder die Spieler der USA. Für mich waren es selten Italiener. Zu Recht.
Pokalo.de: Zu Recht. Und Ihre Aufgabe bei Panini?
Jens Presche: Für das WM-Album hab ich die deutschen Spieler ausgesucht und die jeweiligen Statistiken dazu gemacht. Wir können bestimmen, welche Spieler hereinkommen. Das mussten wir im Januar schon machen. Und das ist auch das Problem. So kamen halt auch Owomoyela, Deisler, der sich dummerweise drei Wochen später verletzt hat, oder Ernst und Kuranyi in das Album. Oder auch Oliver Kahn, der aber für mich völlig zu Recht in diesem Album ist und bleibt.
Pokalo.de: Der Klinsmann von Panini also. Wollten Sie auch Odonkor in den deutschen WM-Kader bestimmen?
Jens Presche: Nein, soweit ist die Vorahnung dann doch nicht konform mit dem Bundestrainer gegangen.
Pokalo.de: Und zudem machen Sie die Statistik für das Album?
Jens Presche: Genau. Die sind in dem WM-Album wenig. Das sind nur drei Zeilen unter den Spielern, Name, Alter, Verein. Aber in dem Bundesliga-Album steht richtig viel drunter, sämtliche ehemaligen Vereine eines Spielers.
Pokalo.de: Woher erhalten Sie diese Statistiken?
Jens Presche: Entweder aus der einschlägigen Fachliteratur oder aus dem Internet. Ich erstelle diese dann mit meinem Kollegen in eigener Verantwortung. Wenn man jedoch das kicker-Sonderheft und das der Sportbild miteinander vergleicht, gibt es ab und zu schon Differenzen, z.B. bei der Anzahl der Länderspiele. Dann bedient man sich der Internetseiten der einzelnen Verbände, die aber auch nicht immer alle Spieler aufführen. Da wird aber der Ehrgeiz geweckt, die Lücken, die es da gibt, zu füllen.
Pokalo.de: Irgendwann, trotz aller Bemühungen, die Lücke schon mal nicht füllen können?
Jens Presche: Was nicht gelungen ist die Bundesliga-Album-Statistik von Ali Karimi, als der in Arabien gespielt hat. Da weiß ich nicht wie viel Tore der in seinen Spielen geschossen hat. Und selbst das Bayern Jahrbuch, was sonst sehr umfangreich und gut ist, gibt dazu keine Auskunft.
Pokalo.de: Von welchem Zeitpunkt der Spielerkarriere beginnt dann die Statistik?
Jens Presche: Komplett. Von Beginn des Profitums oder der Regionalliga. Es kann passieren, dass die ersten zwei Stationen eines Spielers rausfallen. Aus Platzgründen ganz einfach. Georg Koch war zum Beispiel so ein Kandidat. Aber Fortuna Düsseldorf war gerade noch drin. Leverkusen, glaub ich, fiel jedoch heraus. Thomas Christiansen ist auch so einer. Das ist der Wechselkönig. Der hat schon überall gespielt.
Pokalo.de: Und wann wird das Panini-Bundesliga-Album erstellt?
Jens Presche: Das machen wir in der Sommerpause. Da schreiben wir alle Vereine an, mit der Bitte uns alle Daten zu liefern. Wobei sich erstaunlicherweise bei einigen Spielern das Gewicht auffällig zwischen den Saisons ändert. Das ist ein Katalog mit 15 Fragen: Gibt es einen neuen Trikotsponsor? Hat sich das Logo verändert? Alles so Sachen für das Layout. Für den Hintergrund. Denn wenn ein Verein den Sponsor wechselt und im Hintergrund ist der noch zu sehen, dann kann es schon mal sein, dass die Vereine dem nicht zustimmen. Und dann versucht unser Fotograf bei Vorbereitungsspielen oder im Liga-Pokal noch neue Fotos zu machen.
Pokalo.de: Es gibt also eine Panini-Deutschland-Filiale?
Jens Presche: Ja. In Nettetal. An der holländischen Grenze. Aber 95 % meiner Arbeit mach ich von zu Hause. Meetings, Besprechungen machen wir dort. Anfang Frühjahr. Dann wird das Konzept, die Idee für das Cover grob besprochen. Welche Sachen wollen wir ändern. Also die 18 Vereine, je drei Doppelseiten sind obligatorisch. So wie auch: 18 Spieler, Stadion, Mannschaftsbild und Wappen. Dann kann man noch spielen: Wie machen wir das Mannschaftsbild - diesmal als Vierersticker - und das Stadion? Als Sondersticker, haben wir diesmal eine Actionszene, da fehlt das Gesicht des Spielers mit der Frage: Wer ist das? Aber da muss man sich auch jedes Jahr etwas Neues ausdenken. Damit das nicht langweilig wird.
Pokalo.de: Ist dann so ein WM-Album für Sie nicht langweilig? Weil diese Spielereien wegfallen?
Jens Presche: Nein, das ist natürlich der Klassiker. Und das läuft auch am besten von allen.
Pokalo.de: Wie hoch ist da der Unterschied in der Auflage zwischen WM und Bundesliga?
Jens Presche: Genau über die Zahlen weiß ich da gar nicht bescheid. Seit letztem Jahr zur Bundesligasaison haben wir eine Zusammenarbeit mit dem Springer-Verlag, also BamS, Sportbild und in Berlin mit der BZ, die das Album als Beilage dazugeben mussten. Da haben wir von dem Bundesliga-Album knapp vier Millionen auf dem Markt gehabt und die Verkaufszahlen der Sticker sind nach oben geschnellt. Das war damals der Versuchslauf für die WM. Und bei der WM wurde die vier Millionen-Marke locker geknackt. Das war der Wahnsinn.
Pokalo.de: Das WM-Album hat man wirklich überall in Deutschland - in Kneipen, Unis oder Schulen - sehen können...
Jens Presche: Das stimmt. Insgesamt waren 4,5 Milliarden einzelne Sticker weltweit auf dem Markt, d.h. fast jeder Mensch hatte theoretisch einen Sticker in der Hand gehabt. Dieser WM-Hype konnte in dieser Saison mit herübergenommen werden.
Pokalo.de: Seit wann arbeiten Sie für Panini?
Jens Presche: Ich hab 2000 mit dem Bundesliga-Album angefangen. Und im Prinzip bin ich von der Idee, der Gestaltung bis zur Endkorrektur in Italien, bis das Teil zur Druckvorlage da wirklich abgegeben wird, dabei. Gedruckt wird dann alles in Italien, nachdem wir die Statistiken gemacht und die Bilder ausgesucht haben.
Pokalo.de: Woher bekommt Panini die Bilder?
Jens Presche: Die Porträts werden geliefert vom Fotografen. Dann wir das mit den Vereinen abgestimmt, die dann sagen, wir hätten gerne diese oder jene 18 Spieler. Dann gibt es mit einigen Spielern Lizenzprobleme, da ja jeder Mensch, also jeder Spieler das Recht am eigenen Bild hat. Also kann jeder Spieler sagen, ich will da nicht rein. Vor ein paar Jahren gab es den Fall, dass Dortmund als ganzer Verein nicht dabei sein wollte. Angeblich aus dem Grunde, zu wenig Geld zu bekommen.
Pokalo.de: Also jeder Verein bekommt Geld dafür, dass er im Panini-Album auftaucht?
Jens Presche: Jeder Spieler bekommt dafür Geld. Und jeder Verein bekommt einen Pauschalbetrag für Wappen, Mannschaftsbild und Trikot. Wir haben den Dortmundern damals bis zuletzt die Tür offen gehalten, aber hatten natürlich auch eine Alternative vorbereitet. Da jeder Spieler bei uns auch einzeln unter Vertrag steht, und die Einzelverträge gültig bleiben, haben wir von ca. zwölf Spielern von Dortmund, Rosicki, Koller, Reuter usw., deren Trikot weiß gemacht und das Logo entfernt. Der Name Borussia Dortmund tauchte dann natürlich nirgendwo auf, und wir haben auf der Seite erklärt, dass der Verein Borussia Dortmund seine Rechte vorbehalten hat. Die Spieler mit den Infos darunter blieben allerdings gleich.
Pokalo.de: Der Verein Borussia Dortmund hat also mal verweigert. Und auch diejenigen Spieler, die man teils in den Alben vermisst?
Jens Presche: Es gab auch Spieler, wie Kahn, Ballack und Schneider, die bei gewissen Spielerberatern sind, die auch gesagt haben, dass sie das nicht machen. Weil sie mehr Kohle wollten. Aber es kriegt jeder Spieler das gleiche Geld, weil wenn man den Spieler nicht unterschiedliche Beträge zahlen kann, sonst schraubt sich das in die Höhe.
Pokalo.de: Also das Gehaltsgefüge stimmt. Ein Oka Nikolov bekommt folglich das gleiche Geld wie Oliver Kahn?
Jens Presche: Wenn er denn drin ist. Er muss natürlich drin sein. Und er ist auch drin. Dabei haben wir sogar Beschwerden von Eintracht-Fans bekommen, weshalb denn der Pröll nicht drin ist. Aber das hat der Verein so ausgesucht.
Pokalo.de: Der Verein bestimmt also primär, welche Spieler in das Album geklebt werden können?
Jens Presche: Ja. Wenn der Verein sich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht meldet, dann machen wir einen Vorschlag, meistens ein Torwart und 17 Feldspieler. Der HSV wollte z.B. par tout beide Torhüter, Kirschstein und Wächter, drin haben...
Pokalo.de: Vermutlich weil die damals schon nicht wussten, wer spielen soll...
Jens Presche: Oder auch bei Bremen waren Wiese und Reinke drin.
Pokalo.de: Obwohl es da doch klarer sein sollte, wer spielen sollte. Wohl aber Ansichtssache. Und bei der WM gab es die Vorlage, nur einen Torwart zu nehmen?
Jens Presche: Richtig, wir hätten natürlich gesagt, nehmen wir Lehmann und Kahn mit rein. Aber das war nachher natürlich aus Marketinggründen ein Riesending mit dem Lehmann. Das hat nochmal so einen richtigen Hype gegeben. Obwohl von mir aus musste der nicht gedruckt werden. Aber Ende Mai als der dann gedruckt wurde, hat sich jeder draufgestürzt, jeder wollte ihn haben. Alle wollten die Information haben: Kommt der Lehmann.
Pokalo.de: Allerdings gab es für ihn keinen Platz im Album. Gab es dazu eine Panini-Order?
Jens Presche: Du konntest den neben das Wappen Deutschlands kleben. Oder über die Statistik. Platz wäre ja auch gewesen bei den Holländern. Tatsächlich. Der hätte ja sogar mit dem Trikot dahin gepasst. Der Spieler bei den Holländern fehlt einfach, weil nicht genug Lizenzen da waren. Das ist dann in dem Fall landesspezifisch.
Pokalo.de: In Deutschland fehlte von den oben genannten aber keiner im WM-Album. Und sonst vermisste man auch niemanden, der eigentlich hätte dabei sein müssen...
Jens Presche: In Deutschland war das ein Deal mit dem DFB. Der DFB hat pauschal die Lizenzen verkauft. So war das insofern diesmal unproblematisch. Bei der EURO 2004 vor 2 Jahren war das noch nicht so. Deswegen war das damals auch nicht komplett. Da war nämlich genau dieses Problem, das wir keinen Kahn nehmen konnten, keinen Ballack, keinen Schneider. Dafür Bierofka. Um dem halt bei der WM im eigenen Land vorzubeugen, wurde rechtzeitig Kontakt zum DFB aufgenommen. Und mit den Spielerberatern hatte man sich schon vor der Saison 05/06 geeinigt. Es gab von Panini eine 50.000 EURO-Spende für die Egidius Braun-Stiftung die im Vorfeld des Deutschland-China-Länderspiels übergeben wurde, und dafür waren dann alle Spieler dabei - auch ein Podolski und auch Arne Friedrich.
Pokalo.de: Die sind ja auch jetzt wieder alle im Bundesliga-Album wieder drin, oder?
Jens Presche: Ja, schon. Aber es gibt ein paar Spieler, wie Barbarez, die das einfach nicht wollen. Der möchte nicht auf die Sticker drauf und dann kannst den halt nicht dazu zwingen. Vor ein paar Jahren war der Neuville auch noch so, jetzt ist der aber auch wieder dabei. Die leben natürlich auch davon. Gerade bei den Jugendlichen, die auch die Hauptzielgruppe von Panini sind und die auch ihren Star dann da drin haben wollen.
Pokalo.de: Und wer schließt dann diese Kontakte mit den Spielern und den Vereinen?
Jens Presche: Die Verträge schließen, die Kontakte knüpfen ist nicht meine Aufgabe, das macht die Panini-Zentrale in Deutschland. Das geht über den VdV, Verband deutscher Vertragsspieler. Jeder Spieler muss jeweils unterschrieben haben. Im Juni / Juli beginnen wir zu planen.
Pokalo.de: Im Juli wird dann also konkreter geplant. Aber das Album erscheint erst zu Beginn der Saison?
Jens Presche: Gedruckt wird es Mitte August, auf den Markt kommt es dann Ende September. Dann sind die ersten zwei drei Spieltage schon gespielt, d.h. wir können noch auf aktuelles Fotomaterial zurückgreifen. Den Tinga beispielsweise hätten wir fast noch reingekriegt, ich hatte ihn noch mit reingeschrieben und den Kader ergänzt, aber als Foto hatten wir ihn nicht. Odonkor ist das Gegenbeispiel. Der ist im Album drin und zwei Tage nachdem das Teil in Italien gedruckt wurde, gewechselt. Oder auch Boularouz. Aber irgendwann müssen wir halt die Deadline setzen. Künstlerpech. Ein Wechsel innerhalb der Bundesliga können wir hingegen noch berücksichtigen. Zum Beispiel der Thurk, der von Mainz nach Frankfurt gewechselt ist. Das wussten wir früh genug und hatten ihn bei Mainz schon mal rausgelassen. Dann haben wir bei Frankfurt zweimal nachgefragt: Wollt ihr den Thurk im Album haben? Aber „Nö.“ Gut, dann nicht. Wir kriegen dann hinterher die Fragen von den Sammlern, warum ist der Thurk nicht drin. Aber wenn der Verein Nein sagt, dann können wir daran auch nichts ändern.
Pokalo.de: Haben Sie einen Spieler, bei dem Sie denken, der müsste zwar rein, aber den nehme ich ungern. Und geht das überhaupt?
Jens Presche: Wir müssen natürlich mit den Vereinen Rücksprache halten. Aber ich hab so ein paar Kandidaten, bei denen ich sage, von mir aus muss der nicht rein. Frank Rost z.B., das ist aber persönliche Antipathie.
Pokalo.de: Das hat sich ja jetzt auch anscheinend erledigt. Aber Manuel Neuer ist trotzdem nicht drin.
Jens Presche: Das ist halt das Problem, so etwas weiß man zu Beginn der Saison nicht. Aber ich fand den schon immer schlecht. Das hat sich ja jetzt auch bestätigt. Das liegt bei ihm vielleicht an meiner generellen Antipathie zu Schalke, aber Frank Rost mochte ich schon bei Bremen nicht. Aber ich will ja niemandem hier zu Nahe treten. Ich tue den Spieler ins Album, den der Verein wünscht.
Pokalo.de: Und wie war das genau bei Dortmund?
Jens Presche: Dortmund hatte relativ schnell eingesehen, dass das ein enormer Imageschaden war, so dass dass die im folgende Jahr wieder dabei waren. Das fällt natürlich auf. Wir schicken die Alben natürlich überall an die Presse rum. Und die denken sich natürlich auch, was ist denn da los und fragen nach. Das wird dann auch als Aufhänger benutzt. Und wenn das dann in der Sportbild steht, dann lesen das natürlich mehr.
Pokalo.de: Wie würden Sie Ihren Beruf bezeichnen?
Jens Presche: Mein Ressort heißt Recherche und Archiv. Bei Panini Deutschland. Wie Bob Andrews. Damals auch tatsächlich daran angelehnt. So wird es auch im Impressum aufgeführt. Als wir, mein Kollege und ich, damals anfingen, haben wir uns gefragt, wie wir das nennen sollen. Tja, Recherche und Archiv. Warum nicht? Es trifft es ja auch irgendwie. Ich muss recherchieren und archivier ich die Daten alle.
Pokalo.de: So eine Tätigkeit wünschen sich vermutlich viele. Wie kam es dazu, bei Panini zu arbeiten?
Jens Presche: Über Beziehungen. Mein Kollege und guter Freund ist mehr oder weniger durch Zufall 1998 bei einer Fernsehsendung im WDR 3 zum Thema Sammelbilder als Sammler eingeladen worden, weil er den Moderator Peter Rüben über Ecken kannte. Und zudem war eine Frau von Panini da. Sie blieben weiter in Kontakt und auf ihre spätere Nachfrage, ob er nicht für das nächste Album das Vorwort schreiben könne, hat er das dann gemacht. Im nächsten Jahr fiel dann deren Statistiker aus und er wurde gefragt, ob er denn nicht jemand kenne, der das machen könne. Tja, und das war dann ich.
Pokalo.de: Welche Qualifikation konnten Sie vorweisen? Irgendwelche besonderen Eigenschaften?
Jens Presche: Fußballinteressiert. Und sehr guter Freund von meinem jetzigen Kollegen. So muss man das sagen. Reiner Zufall und über Beziehungen. Und da ich mich mit Fußball und Statistiken ganz gut auskenne und Panini auch immer selber gesammelt hab, kam das so zustande.
Pokalo.de: Und dazu irgendeine grafische Ausbildung oder so?
Jens Presche: Nein, gar nicht. Studiert habe ich Geschichte und Politik.
Pokalo.de: Und auch Fußballgeschichte?
Jens Presche: Genau. Nein, eine grafische Ausbildung brauchst du da auch nicht. Die grafische Darstellung macht eine Firma in Holland, den ganzen Schnick-Schnack. Die Statistiken einsetzen, das Drucken und die Endkorrektur findet das erste Mal in Brüggen, am Niederrhein statt. Da fahr ich dann zum Ende auch noch hin und überprüfe, ob alles richtig ist. Sind die Namen auf den Stickern identisch mit denen im Album. Da darf kein Fehler sein. Und das muss ich dann checken, vor Ort und auch zu Hause.
Pokalo.de: Also, d.h. trotz Sommerpause gehört die Zeit der Bundesliga?
Jens Presche: Ja, aber nicht nur der Bundesliga. Wir machen neben Panini-Deutschland zusätzlich noch Panini-Österreich. Wobei das im Vergleich zu Deutschland weniger Aufwand ist. Sind ja nur zehn Mannschaften in der Liga.
Pokalo.de: In diesem Jahr also ein „Wiedersehen“ mit Trapattoni und Matthäus.
Jens Presche: Trapattoni ist nicht drin. Matthäus schon. Da haben wir auch extra nachgefragt, wen sie haben wollen. Lothar Matthäus war aber schon mal fast drin, damals mit Rapid Wien. Aber da das Album dort erst Mitte der Vorrunde herauskommt und er zu dem Zeitpunkt schon bei Rapid geflogen war, blieb er draußen. Das ging ziemlich schnell. Wobei ja auch die Trainerfluktuation sehr hoch ist in Österreich.
Pokalo.de: Soweit zur Ehrenrettung von Matthäus. Und dazu ein Verein wie Red Bull Salzburg.
Jens Presche: Ja. Und Red Bull will sich ja nun bei Sachsen Leipzig einkaufen und bis 2011 in die erste Liga aufsteigen. Diese Gerüchte gab es ja auch bei Fortuna Düsseldorf, aber das hatte sich zum Glück schnell erledigt. Weil kein Verein Red Bull Düsseldorf heißen will.
Pokalo.de: Keine Perspektive für die Fortuna?
Jens Presche: Das wäre dann nicht mehr mein Verein.
Pokalo.de: Fortuna kam zu Ihrer Zeit im Album aber nie vor?
Jens Presche: Nein, noch nicht. Kommt noch, in 2 Jahren. Aber es ist immer schön, ehemalige Fortuna-Spieler wie z.B. Georg Koch im Album zu haben. Markus Anfang oder auch Bellinghausen. Aber bei ihm kam Kaiserslautern damals kurz vor Ende noch und wollte ihn gegen einen Neueinkauf im Album ausgetauscht haben. Ehemalige Fortunen, die versuche ich schon, da hinein zu schustern. Obwohl es da einen gibt, den ich nicht mag: Thomas Brdaric
Pokalo.de: Den mag wohl keiner...
Jens Presche: Und ich hab auch ein Grund, seit dem Auswärtsspiel von Fortuna in Frankfurt als die 0:3 verloren haben und Thomas Brdaric beim Stand von 0:0 mit seinen Streichholzbeinen auf Andy Köpke zugelaufen ist, und so was von über seine eigenen Beine gestolpert ist anstatt einfach den Scheiß-Ball ins Tor zu schieben. Der wird nie ein guter Spieler sein. Ist mir auch ein Rätsel, wie der in die Nationalmannschaft kommen konnte. Ein Unding. Und wäre der bei der WM dabei gewesen, niemals wäre der in das WM-Album hereingekommen.
Pokalo.de: Bei dem WM-Album hätten Sie ja die Kompetenz dazu. Fortuna ist also die Leidenschaft?
Jens Presche: Jaja, da habe ich alles mitgemacht. In den zwei Jahren Bundesliga habe ich von den 68 Spielen, behaupte ich jetzt mal, 58 vor Ort gesehen. Mit dem Fanbus oder mit dem Mietwagen zu den Auswärtsspielen. Rundfahrten durch Deutschland. Das konnte man mit Fortuna ja gut. Als die in der Oberliga waren. Da war ich bis auf in Teveren überall dabei. Egal, ob Bocholt oder Schwarz-Weiß Essen. Oder gegen Salmrohr und Idar-Oberstein. Da sind wir nach Salmrohr gefahren, strömender Regen und du sitzt auf der Tribüne und dann wir das Spiel abgesagt. Schönen Dank. Und dann fährst du halt wieder nach Hause aus Salmrohr, weil der Platz unbespielbar ist. Oder gegen Kaiserslautern II auf Nebenplatz 4, da hat Miro Klose gegen Fortuna gespielt Und du siehst noch die Treckerfurchen auf dem Rasen. Großartig.
Pokalo.de: Als Fan von Fortuna waren Sie aber auch bei dem Fanzine „Come Back“ dabei?
Jens Presche: Damals. Mit dem Aufstieg in die Bundesliga hab ich mitgemacht. Gegründet wurde die Come Back von Stefan Diener so um 1994. Und das Ende war dann eine Saison nach dem Abstieg in die zweite Liga, als Allofs noch Trainer war, 1998. Da haben wir großartig das Beatles-Cover nachgestellt, mit dem Zebrastreifen auf der Abbey-Road. Mit Allofs, Rudolf Zedi, der immer noch irgendwo Fußball spielt und Daniel Addo. Schade eigentlich, dass der kein Fußball mehr spielt, den hatte ich für ein Talent gehalten. Und der Vierte: Marek Lesniak. Seines Zeichen Spielertrainer beim FSV Velbert, zumindest letztes Jahr hat er noch gespielt. Zick-zack-Lesniak.
Pokalo.de: Die Fanzines wurden bekanntlich in achtziger Jahren geboren. Aber Mitte der Neunziger war der Höhepunkte dieser Magazine, die von Fans für Fans geschrieben wurde...
Jens Presche: Urvater war der Übersteiger. St. Pauli war sozusagen die Wiege der Fanzines. Da gab es 5 Stück, die aber weniger in Konkurrenz zueinander standen, sondern jede hatte ihre Nische gefunden. Und der Übersteiger stand über allem. Das 11Freunde der Fanzines sozusagen. Die 11Freunde hat sich ja auch aus so etwas entwickelt „Um halb 4 ist die Welt noch in Ordnung“, so hieß das Fanzine damals von Bielefeld 1995/96. Das wurde das überregionaler und heute ist das die Zeitschrift, die es heute ist.
Pokalo.de: Haben Sie irgendeinen Lieblingsverein neben Fortuna Düsseldorf?
Jens Presche: Ja, Bayern München. Wer nicht bis 30 Fan von Bayern ist, hat was falsch gemacht.
Pokalo.de: Da war es für Sie doch doppelt tragisch, dass Oliver Kahn zur Nr. 2 degradiert wurde, als Verantwortlicher für Panini-Deutschland und als Bayern-Fan?
Jens Presche: Ja schon. Ist halt eine menschliche Größe, der Kahn. Aber gut. Wir haben ja auch zur WM ein Deutschland-Album rausgebracht, also nur die deutsche Nationalmannschaft, das mussten wir auch im Januar schon entscheiden. Und da haben wir natürlich Kahn, Lehmann und Hildebrand drin. Da hatten wir natürlich Glück gehabt, dass der Oliver Kahn wieder menschliche Größe bewiesen und entscheiden hatte, dabei zu bleiben.
Pokalo.de: Dieses Album beinhaltete die komplette deutsche Nationalmannschaft. Aber darüber hinaus gab es noch dieses Panini-Heft zu allen deutschen Nationalmannschaften der WM...
Jens Presche: Die Chronik genau. Und bei allen Produkten, die Panini zur WM in Deutschland rausgebracht hat, war ich beteiligt. De Chronik war auch eine Idee von mir und meinem Panini-Partner. Das hätte es sonst nicht gegeben. Das war eine Zusammenstellung aller Panini-Alben seit Beginn von Panini 1970. Layout und alles wurde eins zu eins übernommen.
Pokalo.de: Und das war auch erfolgreich?
Jens Presche: Ja doch. Das war das erste Album, das erschienen ist, im März bereits. Und man hat durchweg positive Reaktionen darauf bekommen. Natürlich jetzt nicht in der Auflage wie die Sammelalben.
Pokalo.de: Gibt es eigentlich eine Konkurrenz zu Panini in Deutschland, beispielsweise die Duplo-Alben?
Jens Presche: Naja, nicht wirklich. Die gibt es ja auch bereits seit 20 Jahren, die haben als offizieller Sponsor auch Verträge mit dem DFB. Aber das ist nun keine Konkurrenz. Auch ich ernähre mich allein schon aus Chronistenpflicht alle 2 Jahre im Sommer nur von Hanuta. Früher, 1982 und 1986 waren noch ganz schöne Kategorien unter dem Bild des Spielers: Geburtsdatum und so, und dazu das Lieblingsessen. Da stand dann immer Spätzle oder schön Zigeunerschnitzel. Und bei Lieblingsmusiker 1982 immer: Peter Maffay. Durchgehend. Und Hobbys? Horst Hrubesch: Angeln. Großartig. Und Felix Magath: Schachspielen. Da war ich neun Jahre alt, da hab ich die Dinger auswendig gelernt. Genau wie die Statistiken bei Panini. Das war immer ein Kindheitstraum, das einmal selber machen zu können.
Pokalo.de: Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Album
Jens Presche: 1981. Das war ich bei meinen Großeltern im Osterurlaub und ich hatte Angst, dass es im Schwarzwald keine Panini-Bilder gibt und da musste meine Mutter mir alle vier Tage die Bilder nachschicken. Strikte Anweisung.
Pokalo.de: Und diese Sammelleidenschaft hat bis heute angehalten?
Jens Presche: Mittlerweile bekomme ich die Alben immer gestellt. Alle Spieler in Komplettkollektion. Aber den Spaß des Sammelns mach ich mir immer noch. Aufreißen und aufkleben.
Pokalo.de: Das haben Sie ja schon 1981 gelernt. Und seitdem die Technik mit Sicherheit durchgehend verfeinert?
Jens Presche: Genau. Obwohl durchgehend? 1990 hab ich nicht gesammelt. Da war ich 17 und da machte man das einfach nicht. Das ist so ein komisches Alter. Aber dann war das wieder vorbei. Dann wurden wieder Unmengen an Bilder gekauft. Und an 1998 wurden die Bilder in Frankreich gekauft, weil die da viel billiger waren. Hier 70, 80 Pfennig. Und da 60 Pfennig oder so. „Ja geben sie mal her hier“, hab ich denen gesagt und extra französisch gelernt. „Jesus Frau Moog“ halt, für die, die es verstehen. Aber seit 2001 werde ich nun immer versorgt, da muss ich keine mehr kaufen.
Pokalo.de: Und die Panini-Arbeit machen Sie auch nächstes Jahr weiter?
Jens Presche: Auf jeden Fall. Ist doch toll, wenn sich so ein Traum verwirklicht.
Pokalo.de: Sie haben also trotz des Halbfinales kein Problem damit, dass es ein italienischer Arbeitgeber ist?
Jens Presche: Nein. Ach was, Ich muss auch gestehen, dass ich ein Tippspiel am letzten Spieltag gewonnen hab, weil ich zuvor Italien als Weltmeister getippt hab. Aber da konnte ich mich nicht über den Tippspiel-Sieg freuen. Das war eher traurig damals. Und ich bin ja fest überzeugt, der Kahn hätte den Ball damals gehalten.
Pokalo.de: Wer weiß. Vielen Dank, Herr Presche, für das Interview.
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