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08.10.07 Daumsches Donnerwetter
Autor: Henning Hildebrandt
Nach der so genannten Wut-Rede von Rudi Völler bei Waldemar Hartmann, die es in die Feuilletons der Printmedien geschafft hat, hat Christoph Daum in ähnlicher Manier auf den Putz gehauen. Während Rudi gegen die Medienwelt wetterte, um so nach der schwachen Leistung der deutschen Nationalmannschaft seine Spieler zu schützen, echauffierte sich Daum über die Leistung des Unparteiischen und witterte einen Komplott gegen seinen 1. FC Köln. In bewährter Form, hektisch mit den Augen wandernd, mit dem Hang zum Wahnsinn. Neben ihm der eingeschüchterte Guido Buchwald und der um Contenance bemühte DSF-Reporter Klaus Gronewald. Prädikat: Wertvoll. Die Worte des Kölner Trainers zum Nachlesen:
[…]
Daum: Wenn in der 46 Minute das 1:1 fällt…Wir haben gesehen, was wir für einen Druck in der zweiten Hälfte gemacht haben. Da bin ich mir sicher, dass die Mannschaft mit viel vielmehr Ruhe, mit dem Selbstvertrauen, wir können ein Tor machen, dann die Übersicht behält, die uns dann vielleicht in der Druckphase, als wir überlegen gespielt haben, aber diese Überlegenheit eben nicht mehr klar herausspielen konnten, um das zweite oder dritte Tor zu machen,…Insofern bin ich natürlich riesig enttäuscht, dass meine Mannschaft für den Einsatz nicht belohnt worden ist.
Gronewald: Sie haben die Szene angesprochen…Wir schauen sie uns noch mal an. Hier ist das Abspiel und in der Sekunde ist Chihi tatsächlich auf gleicher Höhe.
Daum: Der Patrick war im Abseits! Nicht der Chihi! Das müsste eigentlich jeder sehen. Ich versteh es nicht! Auch der Linienrichter, es flattert ihm nichts im Gesicht rum. Insofern ist das für mich eine bewusste Fehlentscheidung! Warum er das macht? Bewusst! Wie gesagt, ich kann mir nur vorstellen, da alle immer sagen, der 1. FC Köln, äh, der wird immer so, so, so, so mit dem Etat dargestellt und mit vielen anderen Dingen. Die werden wir erstmal benachteiligen.
Gronewald: Aber ist das jetzt nicht auch ein bisschen die Erregung nach dem Spiel? Dass sie sagen, bewusste...
Daum: Wie nennen sie das denn? Na, dann kommentieren sie das doch!
Gronewald: Naja…
Daum: O.k.. Sagen sie’s mir! Ich bring ihnen noch sieben oder acht Situationen aus der Vorsaison, die genau so glasklare Fehlentscheidungen, bewusste Fehlentscheidungen sind, wie diese Situation! Und dann möchte ich Sie mal sehen! Wie ruhig und gelassen Sie bleiben.
Gronewald: Ganz bestimmt nicht. Wenn ich betroffener Trainer bin. Nur muss man auf der anderen Seite auch vorsichtig bleiben…
Daum: Sie als betroffener Zuschauer! Das ist irregulär!
Gronewald: Aber Sie können den Schiedsrichtern doch keine bewusste Fehlentscheidung vorwerfen.
Daum: Wir haben neben dem noch ein anderes Problem: Sie sind ja auch Konsument, kommen rein und werden eigentlich durch diese Entscheidung auf eine ganz, äh, andere Kommentierung… Sie müssen jetzt Aachen entsprechend gratulieren. Ein anderes Spiel kommentieren. Sie müssen…Das ist doch jetzt eine ganz andere Geschichte geworden!
Buchwald: Ja, wir haben auch noch ein paar Gelegenheiten gehabt. Wir hätten das 2:1 auch noch machen können. So ist das ja nicht. Das war die erste Halbzeit. Wer weiß, wie die zweite Halbzeit dann gelaufen wär’. Und es war natürlich, für uns jetzt zu sehen, eine Fehlentscheidung. Mit Sicherheit. Aber die stehen auch hintereinander. Und so eindeutig war es in diesem Moment jetzt nicht. Wahrscheinlich hat der Linienrichter gewunken. Da haben meine Spieler auch aufgehört zu spielen.
Daum: Da hätten sie ja doppelt bestraft werden müssen!
Buchwald: Weil sie aufhören.
Daum: Wenn sie aufhören! Du musst solange spielen bis der Schiedsrichter pfeift, egal was der Linienrichter macht! So werden WIR doppelt bestraft! Der Pfiff kam erst viel, viel später!
Buchwald: Das ist eine Aktion…Das Spiel wär’ natürlich anders gelaufen. Ich glaube nicht, dass in der 46. Minute, wenn das Spiel noch eine ganze Halbzeit geht, dass man nicht sagen kann, dass eine Fehlentscheidung, die nicht zum Tor führt, das damit das ganze Spiel verfälscht wird.
Gronewald: Ich finde es einfach gefährlich wenn man dem Schiedsrichter vorwirft, eine bewusste Fehlentscheidung getroffen zu haben.
Daum: Dann nehmen Sie eben ein anderes Wort!
Gronewald: Das ist der Punkt.
Daum: Dann nehmen Sie halt ein anderes Wort!
Buchwald: Es war eine Fehlentscheidung.
Gronewald: Eine Fehlentscheidung.
Daum: Eine bewusste Fehlentscheidung! O.k.
Gronewald: Dann wollen wir das an der Stelle abhaken. Schauen wir mal uns mal zusammen das Tor an. Denn da müssen wir sagen, Herr Daum, das hat Aachen gut gespielt.
Daum: Ja selbstverständlich.[…]
Gronewald: Da hat die Fehlentscheidung nicht viel mit zu tun.
Daum: Da hat das überhaupt nichts mit zu tun! Also, ich muss mich jetzt nicht hier verarschen lassen! Das war sehr, sehr gut gespielt. Das ist in Ordnung. Wenn ich hier meinem Unmut Ärger mache, dann behandeln Sie mich sachlich! Weil ich stell mich nicht hier her, um mich auch noch veräppeln zu lassen! Das brauch ich nicht!
Gronewald: Das tu ich auch nicht. Aber Sie müssen mir auch zugestehen, dass ich den Schiedsrichtern in gewisser Weise auch…
Daum: Aber da hat der Schiedsrichter doch überhaupt nichts mit zu tun! Die haben das einfach gut gespielt. Da muss ich mich doch jetzt nicht mit dem Schiedsrichter auseinandersetzen. Dadurch wird die ganze Sache doch nicht verbessert!
Gronewald: Herr Buchwald, […] Haben Sie das vor der Partie ausgegeben?
Buchwald: Ja, das haben wir auch trainiert. In der zweiten Halbzeit hat Köln auch besser gespielt. Da hat Köln auch ein bisschen Pech gehabt. Egal wie jetzt Pech gehabt. […]
Gronewald: Herr Daum, jetzt schwärmt die ganze Liga von ihrer Offensivabteilung. Warum sind Leute, wie z.B. Patrick Helmes heute nicht so zum Zuge gekommen? Ich hab bei ihm eigentlich nur zwei Chancen notiert. […]
Daum: Weil die Aachener sehr kompakt in der Defensive standen. Sie haben auf diesen Positionen gedoppelt. Und haben eigentlich im Prinzip, wie man so schön sagt, aus der verstärkten Abwehr gespielt und versucht zu kontern. Und das ist ihnen sicherlich in vielen Situationen sehr gut gelungen.
Gronewald: Was ist jetzt die Konsequenz aus diesem Spiel, jetzt mal unabhängig von der Situation, die wir auch abgehakt haben, für das Spiel am Freitag?
Daum: Ich hab’s nicht abgehakt! Ich werd es auch nicht abhaken! Ich hoffe, dass das auch weitere Diskussionen nach sich zieht. Wie gesagt, es geht nicht nur um das heutige Spiel. Wir können uns vorige Saison einiges anschauen! Wir können auch heute in dem Spiel einige andere Situationen anschauen, die ich jetzt nicht weiter kommentieren will! Es ist leider so, dass einige meinen, weil von dem 1. FC Köln über den Etat gesprochen wird, und jeder immer sagt, wir haben den größten Etat, was gar nicht stimmt, und das Stadion und, und, und weiß ich nicht noch alles.
Gronewald: Das ist ein Köln-Normal-Los, würde ich mal sage. Sowie es ein Bayern-Bonus in der Bundesliga geben soll, vermuten Sie ein Köln-Normal-Los in der zweiten Liga.
Daum: Ich vermute nicht! Da kann ich nicht mit leben! Also, es nicht so, dass ich mir eine einmalige Situation ansehe. Ich weiß, dass im Fußball immer wieder sich Glück und Pech ausgleichen. Mal Glück durch eine Schiedsrichter-Entscheidung. Mal Pech. Aber solange, wie ich jetzt hier beim 1. FC Köln bin, haben wir eigentlich in den meisten Situationen immer die Entscheidung gegen uns gehabt! Und, äh, ich kann das nicht mehr so hinnehmen! Da müssen sich auch einige wirklich mal korrigieren!
Gronewald: Also, wir werden das, ich hör das grad aus der Redaktion, wir werden das in verschiedenen Sendungen mal genau untersuchen. Da können Sie uns auch mal besuchen und dann können wir die eine oder andere Situation, auch aus der vergangenen Saison, mal durchgehen. Ich finde aber trotzdem, dass es der sportliche Respekt gebührt, dass wir auch Guido Buchwald heute gratulieren und ich kann mir vorstellen, Sie freuen sich an diesem Tag auch ganz besonders.
Buchwald: Ja. […]
Gronewald: […] Danke an Sie beide.
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