06.04.07
Youtube-Pokalo-Collabo...
 
Autor: Daniel Wehner

Bislang trotzte Pokalo.de den gängigen – Fußballszenen verbreitenden – Videoportalen. Denn eine 15-sekündige Sequenz, die Van Buytens` Volleytor aus 4 Metern ( zum 2:2 gegen den AC Mailand) zeigt, wirkt – aus dem Zusammenhang gerissen – geradezu unspektakulär und stereotyp; als wäre man gerade Zeuge eines Allerwelttors geworden, das so ungefähr alle zehn Sekunden, rund um den Globus, von irgendeinem Hobbykicker geknipst wird. So geht die Dramaturgie eines phasenweise hoffnungslos erscheinenden Ankämpfens gegen abgezockte Mailänder, eines zwischenzeitlich völlig unverdienten Ausgleichs und einer nahezu lächerlichen Elfmeterentscheidung, an deren Ende durch das Van Buyten-Tor ein 2:2-Unentschieden steht, zu großen Teilen abhanden. Doch aufgrund der Vehemenz zahlreicher Leserzuschriften, beugt sich Pokalo.de nicht länger dem Leserwillen und versucht, den Dramaturgieverlust der Videosequenzen mit einem Mindesteinsatz atmosphärischer Printergüsse zu schmälern.

Anlässlich der aktuellen Bayern-Serie (2:3 in Madrid durch van Bommel, 2:2 in Mailand durch Van Buyten) diesen Monat mit einer Auswahl, der wohl unglaublichsten Last-Minute-Tore der vergangenen Jahre...

Van Buytens´ Vollspann ins Mailänder Herz.

Alles lief nach Plan – so schien es. In Hälfte eins des Viertelfinal-Hinspiels der Champions League gaben sich die Münchener gegen ballsicher und kombinationsstark auftretende Mailänder lange Zeit erstaunlich ebenbürtig. Sie zogen sich mit einer gut strukturierten Defensivarbeit und engagiert vorgetragenem Pressing durchaus ansehnlich aus der Affäre, ließen nur vereinzelt Chancen zu. Doch dann kam die 40. Minute: Oddo-Flanke auf Pirlo, Kopfball-Lopp, drin das Ding... Und plötzlich war sie wieder da, die Angst vor dem unbequemen, nicht zu packenden AC Mailand, der das Spieltempo nach belieben bestimmt und immer im richtigen – den Gegner demoralisierenden – Moment sein Tor macht. Wie paralysiert spielten die Münchener fortan in Hälfte zwei, zogen sich zurück, um in Ballbesitz den Steilpass in den gegnerischen Lauf zu suchen. Es mutete beinahe komödiantisch an, als Van Buyten aus dem Nichts zum 1:1-Ausgleich einnetzte. Doch die Bayern schienen sich zu fangen, setzten nach und hielten der Mailänder Schlussoffensive entgegen – bis zu jener Szene, in der sich Schiri Baskakov aufmachte, seine Chance im Rampenlicht zu suchen. Lucio grätscht Kaka den Ball im eigenen Strafraum ab, Elfmeterpfiff! Ungläubige Gesichter, wütende Proteste... Tatsächlich: Elfmeter! Kurzer Anlauf, Tor: Kaka bringt Mailand auf die Siegerstraße. Dann läuft der FC Bayern noch einmal an, beziehungsweise drischt nach vorne, was vor die Flinte kommt. Im 20-Sekunden-Takt versiechen halbhochgeschlagene Bälle in der Mailand-Defensive. Die dritte Minute der Nachspielzeit, alles scheint gelaufen, als Van Buyten nach Hargreaves-Flanke den Ball abtropfen lässt und ihn vollspann in die Maschen haut. 2:2!!! Und jetzt Youtube:



Van Bommel setzt ein sattes Ausrufezeichen!

Es wurde viel geschrieben im Vorfeld: Roberto Carlos belächelte behäbige Bayern, spanische Boulevard-Blätter attestierten den Bayern mangelnde Klasse und auch die deutschen Medien gaben sich verhalten – waren doch die jüngsten Duelle noch in bester Erinnerung. Und die meisten sahen sich bestätigt, als Real vor heimischem Publikum mit 3:1 in Führung ging. Vorausgegangen waren eklatante Abwehrfehler, die man eher von den windigen Abwehrspielern der Gegenseite erwartet hatte. Doch der FC ließ sich beeindrucken, teilweise vorführen. Beckham zerschnitt mit seinen passgenauen Zuspielen die Abwehrreihen der Münchener ein ums andere mal. Allerdings kamen die Münchener in der Schlussphase noch einmal zurück. Der eingewechselte Pizarro begann zu wirbeln, und Bayern fand zumindest die letzten 15 Minuten zu seinem Spiel. Um noch eine minimale Chance auf´s Weiterkommen zu haben, musste ein Tor her. Mark van Bommel sah das in Minute 88 ähnlich...



Die Antithese

Um den Beweis anzutreten, dass es nicht immer so glücklich lief für den FC Bayern wie auch für andere Bundesligisten in Europa, stehen symptomatisch zwei Spiele der vergangenen Jahre: Bayern München – Manchester United und Juventus Turin – Werder Bremen.

Champions League-Finale in Barcelona (1999): Bayern München – Manchester United

Mario Basler hatte die Bayern mit einem frühen Freistoßtor (6. Minute) in Führung gebracht. Es entwickelte sich eine wenig ansehnliche Abwehrschlacht: Spielkultur und Großchancen blieben auf der Strecke, die beiden Clubs neutralisierten sich regelrecht. Das letzte große Finale des Jahrhunderts hielt den hohen Erwartungen nicht stand. Doch wen interessierte das, schließlich stand mit dem FC Bayern München zwei Jahre nach dem Dortmunder Überraschungscoup erneut ein Deutscher Verein kurz vor dem Gewinn Europas begehrtester Trophäe. In Minute 90 baute sich versammelte Bayern-Reserve bereits in kollektiver Vorfreude Arm in Arm an der Seitenlinie auf. Das dahinplätschernde Spiel schien ihrem herumgehüpfe und ihren leise anklingenden, siegesgewissen Gesängen recht zu geben. Was folgte, waren zwei weitere Minuten, kein bayrischer Euphorieausbruch und die zwei tragischsten Gegentore deutscher Europokalhistorie...
Notiz am Rande: Beinahe hätte der FC Bayern München das Champions-League-Finale mit dem Sturmduo Janker/Zickler gewonnen...



Champions-League-Achtelfinale 2006: Juventus Turin – Werder Bremen

Nach dem furiosen Hinspielerfolg gegen Juventus Turin (3:2) sah es in Turin zunächst nach einem weiteren Werderaner Wunder der größeren Art aus. Denn durch den frühen Führungstreffer von Johan Micoud, machte sich der bescheidene Low-Budget-Kader der Bremer auf, die hochbezahlten Branchenstars der Alten Dame in ihre Schranken zu weisen. Trotz des Ausgleichs durch Trezeguet, wirkten die Turiner verunsichert. Sie fanden keine Mittel, den kompakten Werder-Abwehrriegel zu durchbrechen. Und wenn sie es vereinzelt schafften, warf sich Tim Wiese formstark in die Schussgewalt von Nedved, Mutu oder Ibrahimovic. Als sich die Turiner bereits aufgeben hatten, warf er sich in der 88. Minute ein weiteres Mal mit einer vermeintlichen Parade zu Boden. Gewillt seiner Leistung Ausdruck zu verleihen, pflückte er nicht nur die von links herankommende Flanke herunter, sondern setzte als Kür zu einem – leider – wenig grazilen Abroller an...



 
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