04.12.06
Top 5ive...
die schlechtesten Fußballkommentatoren

 
Autor: Henning Hildebrandt

Es ist nach 20:00 Uhr. Nur noch wenige Minuten und das Live-Fußball-Ereignis wird angepfiffen werden. Gespannt wartet man als Zuschauer vor dem Fernseher die letzten Sätze der Anmoderation ab – über deren Qualität sich bereits mitunter streiten lässt – und Monica Lierhaus, Gerhard Delling oder Oliver Welke – bei ihm sollte es unstreitig sein – lassen in Begleitung ihres Experten hinüber in die Sprecherkabine, hinauf auf die Pressetribüne schalten und wünschen ein schönes Spiel. „Wir geben ab zu…“ und schon erleidet der freudig erwartete, spannungsbeladende Abend auf der Couch inmitten Gleichgesinnter seinen ersten schweren Dämpfer. Und man weiß, die Stimme wird einen mindestens 90 Minuten quälen, ob man dies will oder nicht. Denn der Kommentator des Spiels meldet sich zu Wort, sagt, er sei live vor Ort und droht an, er werde das auch die ganze Zeit sein. Na denn, Prost, hoffentlich wird es wenigstens ein schönes Spiel… Die Top 5ive der schlechtesten deutschen Fernseh-Fußball-Kommentatoren:

1. Reinhold Beckmann

Der Erfinder der ran-Datenbank bewies schon zu Sat.1-Tagen, dass er gerne im Rampenlicht steht und zu allem und jeden seine Meinung haben will. Und diese tut er eifrig kund. Im Grunde sieht sich Beckmann als Alleinunterhalter, ganz gleich, was das Spiel gerade hergibt. Es wird in einer Tour durchgeredet. Jeder noch so kurze Pass will kommentiert werden. Und passiert eben mal nichts, wird eine Geschichte aus dem Privatleben des Sportlers, die den Zuschauer überhaupt nicht interessiert, zum Besten gegeben. Kahns Neue oder die Alte von irgendwem anders. Irgendwas gibt es immer zu berichten. Ein Spiel kann sich nicht selbst erklären. Und dass der Zuschauer auch einfach nur mal hinschauen will, so als wäre er im Stadion, kann nicht sein. Ab und zu spielt er die große Euphorie oder die völlige Enttäuschung. „ Ein Zaubertor. Das ist göttlich.“ Ob es eines war oder nicht, ist egal. Hört sich nun einmal gut an. Mindestens zehn Mal pro Spiel schmunzelt Beckmann in seinen imaginären Bart und garniert so seine meist fehlerhaften Einschätzungen. „Freistöße haben sie im Training geübt. Aber diese Variante – haha – war wohl nicht einstudiert.“ Die Annahme, einen Spielzug richtig gelesen haben zu wollen, lässt ihn süffisant und selbstherrlich zurücksacken. Hört man ihm durchweg zu, glaubt man, ihn an seinem Mahagoni-Holz-Esstisch mit verschränkten Armen sitzen zu sehen. Der Talkmaster auf dem Reporterstuhl. Eine wirkliche Qual. Sein komplettes Wissen, so scheint es und so bewahrheitet es sich immer wieder neu, bezieht Beckmann aus der Lektüre der Bild-Zeitung, derer er sich denn auch bemüht, um ein gesamtes Spiel auf dieses eine medienwirksame Schicksal des umstrittenen Spielers oder Trainers zu reduzieren – Kloses Torphobie gegen große Mannschaften sei dabei nur beispielhaft erwähnt. Eines kann Reinhold Beckmann vorweisen, er war meistens bei den ganz großen Spielen der jüngeren Fußballübertragungs-Geschichte dabei, so auch im WM-Finale 2006. Aber nicht in jedem Wohnzimmer. So beschrieb Charlotte Roche in der „Rund“ die Reaktion aller Versammelten vor dem Fernseher treffend: „Wenn Beckmann kommentiert, wird das nicht geguckt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

2. Johannes B. Kerner

Im Grunde das ZDF-Pendant zum ARD-Mann Beckmann. Kerner verkörpert alle Beckmann’schen Attitüden in eigener Person. Allseits sympathisch will er sein, in seiner Show und am Fußballplatz. Sympathisch ist bei ihm eigentlich nur, dass er seine Kommentatorentätigkeit beendet hat. „Team Deutschland“ dankt es ihm und so verschafft ihm diese Einsicht, die Anerkennung verdient, den „Sturz“ von Position 1b auf Rang zwei dieser Rangliste.

3. Heribert Faßbender

„’N Abend allerseits.“ Oder „Buenas noches allerseits.“ Oder welche Sprache auch immer in dem Austragungsort des Spiels gesprochen wird, Faßbender benutzte sie. Die Begrüßung des Fernsehpublikums ist legendär. Heribert Faßbender ist zu einer lebenden Kommentatoren-Ikone geworden. Aussagen wie „Wie verzweifelt müssen sie sein, sie wechseln den Torwart aus.“ (als der Schiedsrichterassistent die einminütige Nachspielzeit anzeigt) oder „Tor. Nein doch nicht.“ (als Oliver Neuville im Achtelfinale der WM 2002 nur das Außennetz traf) stehen für Faßbenders Talent zeitnaher Auffassungsgabe. Ballacks Gelbe Karte im Halbfinale desselben Turniers, die für den wichtigsten deutschen Feldspieler das Final-Aus bedeutete, wurde von ihm Brisanz-unwissend ohne weiteren Vermerk hingenommen. Als Sportreporter kommentierte Faßbender sieben Weltmeisterschaften, auch für die ARD. Oftmals wurde ihm mangelnde Fachkompetenz und unsachlicher Kommentar vorgeworfen. Und dies trotz aller sentimentaler Wertschätzung auch zu Recht. Faßbender erkannte wirklich nichts richtig. Aus einem Abseits wurde ein Handspiel, aus einer schmerzhaften Knie- eine selbstdiagnostizierte Kopfverletzung. Und dennoch vermisst man den Großmeister im Fußball-Zirkel. Schön zu wissen jedoch, dass er auch im Privatleben Gäste und Familie in gewohnter Manier begrüßt. „’N Abend allerseits“, sprach’s und setzt’s sich zu allen Urlaubern an den Tisch.

4. Jörg Dahlmann

Ehemalige Sat.1- und spätere DSF-Kommentatoren gehören eigentlich nicht in die Riege erwähnenswerter Sportjournalisten. Eine gewisse Karriere müsste ein Fußballreporter schon aufweisen können, wollte er es verdienen, genannt zu werden. Aber bei aller Unwertschätzung muss Jörg Dahlmann trotzdem eingereiht werden. Denn penetranter als er schaffen es die wenigsten, den Zuschauer zu langweilen. Zum Glück sieht man zu selten die Live-Berichterstattung der zweiten Bundesliga, andernfalls müsste Dahlmann eine eigene Kategorie zugesprochen werden. Kompetenz: 0 Punkte. Unterhaltungswert: 0 Punkte. Spannungstransfer: 0 Punkte. „Und wenn sie mich ´rauswerfen, ich zeig Ihnen das noch mal. Okocha tanzt Okochacha.“ Warum nur, wurde seine Drohung nie erhört?

5. Werner Hansch

Der ehemalige Radioreporter und Stadionsprecher verdient die Berufsbezeichnung „Sprecher“ wie kein anderer. Seine Stimme und Intonation sind unvergleichlich. Und seine große Liebe gehört trotz aller Fernsehauftritte dem Hörfunk. „Im Hörfunk kannst du Persönlichkeit und Phantasie einbringen und Sprache in Bilder umsetzen.“ Mit genau dieser Phantasie beschreibt Hansch auch weites gehend die Situationen auf dem Platz. Vor dem Fernseher merkt der Zuschauer – der durchweg von Hansch geduzt wird – jedoch, dass es mehr der Phantasie als der Beobachtung entspricht, was Hansch kommentiert. Begeisterung und Hingabe will er in die deutschen Wohnzimmer transportieren und ist eher Fan als Kommentator. Besonders viel Mühe gibt sich der (groß-)väterliche Hansch bei der Aussprache ausländischer Spielernamen. Der Argentinier Julio Cruz heißt bei ihm „Chulio Kruss“, Dimitar Berbatov ruft er „Berbaaatoff“ und aus Bayerns Lucio wird der Brasilianer „Lutschio“. Soviel Phantasie verdient Platz 5 in den Top 5ive der schlechtesten Fußballkommentatoren.

 
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