Autor: Daniel Wehner
28.09.06 Allez to el triunfo
Über die Stadionlautsprecher erklingt die Champions League-Hymne. Der Kameralauf fängt nach und nach die aufgereihte, stramm stehende Startelf der Heimmannschaft ein: Jens Lehmann, Emmanuel Eboue, Kolo Touré usw. Als die Kamerafahrt mit Thierry Henry auch den letzten Spieler des FC Arsenal London eingefangen hatte, war klar: die Briten spielen das Champions League-Halbfinale gegen den FC Villarreal ohne Mithilfe eines englischen Spielers.
Die Startaufstellung war bis auf den letzten Mann von EU- und Nicht-EU-Ausländern gespickt. Bei den insgesamt 13 in Europas Königsklasse gespielten Partien (Saison 05/06), verzichtete Arsenal die meiste Zeit auf gebürtige Insel-Kicker. Und das mit Erfolg – zumindest bis zu jener 1:2 Endspiel-Niederlage, an deren Ende Carles Puyol die königlichste aller Trophäen in den pariser Abendhimmel stemmte.
Seit dem Bosman-Urteil ist das Modell „Erfolg geht über Vereins-Identität“ nicht neu. Kader werden aus aller Welt zusammengekauft, um eine möglichst schlagkräftige oder auch kostengünstige Truppe beisammen zu bekommen. Regionaler oder nationaler Bezug scheinen dabei keine Rolle zu spielen. So vertraut der belgische Erstligist KSK Beveren vornehmlich auf die Stärke von Spielern der Elfenbeinküste. Mit insgesamt zwölf Mann stellen sie die größte Gruppe einer Nationalität.
Ähnliche Modelle sind jetzt auch in Deutschland denkbar. Denn zum 1. Juli schaffte die DFL, parallel zur UEFA, sämtliche Regelungen über den Einsatz von Nicht-EU-Ausländern ab. In der vorangegangenen Saison hatten deutsche Vereine nur bis zu vier Nicht-EU-Ausländer unter Vertrag nehmen dürfen. Die stattdessen bevorzugte Direktive heißt jetzt: Quotierung der „Local Player“. Demnach muss jeder Profiverein fortan über mindestens vier lokal ausgebildete Spieler in seinen Reihen verfügen, ist aber nicht verpflichtet, diese auch einzusetzen. In den kommenden zwei Spielzeiten sieht das Reglement eine Steigerung auf sechs bzw. acht lokal ausgebildete Spieler vor. Die Hälfte dieser vier bis acht Spieler muss dabei im Verein ausgebildet werden. Ansonsten reicht es bereits, wenn ein Spieler zwischen 15 und 21 Jahren drei Jahre bei einem DFB-Verein ausgebildet wurde. Die Nationalität spielt keine Rolle.
Zukünftig könnte die Zahl der Tingas, Diegos und Insuas also in die Höhe schnellen. Denn wie der Kicker berichtete, lagen die Ablösen für die Offensivspezialisten von Dortmund und Gladbach bei zweieinhalb bzw. vier Millionen Euro – ein vergleichsweise niedriger Preis, gemessen an internationalen Transferaktivitäten. Über Diegos Transfersumme wurde stillschweigen vereinbart.
Ob sich die Bundesliga in kommenden Jahren auf Torhüter einstellen muss, die gelungene Paraden mit Atoubaschen Tänzen feiern, auf technisch versierteren Fußball, oder auf Spieler, die sich selbst zu inszenieren wissen, die aus Zweikämpfen Spektakel machen und Fußballspiele in zwei Showakte teilen, wird sich zeigen.
Im Übrigen verbucht der KSK Beveren nach vier Spieltagen bereits drei Niederlagen.
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