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07.04.07
Champions League / Viertelfinale "Keine Ahnung!"
Autor: Henning Hildebrandt
Als Franz Beckenbauer im Premiere-Studio als Gast-Experte nach seiner Meinung gefragt wurde und nach Spielschluss die letzten 90 Minuten kommentieren sollte, jubelte die Masse vor der Großleinwand. Sie wurde Zeuge einer neuerlichen kaiserlichen Sternstunde. Denn getreu dem Motto, was ihn sein Geschwätz von gestern interessiere, polterte Beckenbauer gegen den seit der 84. Spielminute fragwürdigen Schiedsrichter Baskakov. Der Schiedsrichter hat doch gas ganze Spiel auf so eine Situation gewartet.“ Irritiert fragte der Premiere-Mann Hellmann bei Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld, der zwischenzeitlich eingetroffen war, nach, was das denn bedeute: „Er hat darauf gewartet.“ Hitzfeld deutete Richtung Beckenbauer und sagte nur, dass er da denjenigen fragen müsse, der er es gesagt hatte. „Also, Franz, was soll das denn heißen, er habe nur darauf gewartet?“ So großartig er als Spieler war, so großartig war er auch als Trainer und als WM-OK-Chef. Und genauso großartig ist er als Experte am Mikrofon. Seine kurze Antwort: „Keine Ahnung.“ Und wenn ER es nicht weiß, wer soll’s dann wissen? Und da es mittlerweile ein paar Tage zurückliegt, interessiert’s ihn nicht mehr und uns damit noch weniger. Was aber vielmehr interessiert, ist das Ergebnis des Spiels AC Mailand gegen Bayern München. 2:2. Und viel besser könnte die Ausgangsposition für die Münchner kaum sein. Unentscheiden auswärts, zwei Tore, von denen eines doppelt zählen könnte und letzte 15 Minuten, die allen Bayern-Sympathisanten und Fußballdeutschen Grund zur Euphorie geben. Denn ein Weiterkommen gegen Angstgegner Milan ist nicht nur möglich, sondern dieses Jahr auch zumindest nicht unwahrscheinlich. Zum Spiel und dem Last-minute-Tor von Matchwinner van Buyten sei an dieser Stelle auf die „YouTube-Pokalo-Collabo“ in der hiesigen April-Ausgabe unseres Magazins verwiesen, in der nicht nur das Spiel resümiert wird, sondern auch der entscheidende Treffer des Belgiers zu sehen ist.
Was an dieser Stelle übrig bleibt: Bayrische Watsch’n in Richtung Russland, Bild-Zeitung und UEFA. Zu letzterem Verein haben die Bayern-Verantwortlichen bereits vor Beginn des Spiels zum verbalen Rundum-Schalg ausgeholt. Wie man einen so unerfahrenen Schiedsrichter in ein solch wichtiges Spiel schicken könne. 83 Minuten schien die selbsternannte Bayern-Herrlichkeit sich jedes Nährbodens zu entziehen, denn der russische Schiedsrichter pfiff bis dahin größtenteils fehlerfrei und umstrittene Situationen, wie der Zweikampf Lucio/Kaka oder ein grenzwertiges Abseitstor der Mailänder wertete er zugunsten der Bayern. Bis zu jenem „Foul“ von Lucio an Kaka. Denn eindeutiger kann ein Abwehspieler den Ball im Strafraum nicht spielen. Ob die Bayern mit ihrer vorherigen UEFA-Kritik taktisch überlegt gehandelt haben, darf bezweifelt werden. Recht behielten sich letztlich doch. Ohrfeige drei geht mitten ins Gesicht von Bild-Redakteur Kai Traemann, der mit seinem limitierten Fußball-Sachverstand vorschlug, den gezwungenen Torwartwechsel Kahn-Rensing als Anlass für eine Dauer(wachab)lösung im Bayerntor zu nutzen. Sein Vergleich Kahn/Rost/Butt entbehrt jeglicher Grundlage. Als fragwürdiger Lautsprecher der Nation erwartet man von der Bild jedoch keine seriösen Beiträge. Egal, zu welchem Thema. So bleibt an dieser Stelle nur zu konstatieren, dass Rensing zwar ein sehr guter Torwart ist, so auch am letzten Dienstag, und vermutlich in fast jeder Bundesligamannschaft seinen Stammplatz sicher hätte, jedoch hinter Oliver Kahn zu recht die Nummer zwei trägt.
Ohrfeige Nr. 4 könnte nächsten Mittwoch folgen und eine derartige Härte entwickeln, dass der AC Mailand, sich nachträglich doch nicht in seiner Freude bestätigt sieht, gegen den deutschen Vertreter Omengebend spielen zu dürfen, haben sie die CL doch bislang immer dann gewonnen, wenn sie auch gegen die Bayern spielen durften. Diesmal könnte es anders herum laufen.
So schließen wir mit den Worten Uli Hoeneß’: „Wenn nicht jetzt, wann dann?!?“
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