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08.03.07
Champions League / Achtelfinale Früher Vogel fängt den Wurm
Autor: Tim Sohr
Fangen wir ganz am Anfang an: Als „Brazzo“ Salihamidzic den Ball von Roberto Carlos abfing, die Seitenlinie entlang raste, nach innen passte und Roy Makaay nach zehn Sekunden das schnellste Champions-League-Tor der Geschichte erzielte, da standen die Weichen für den FC Bayern früh auf Viertelfinale. Nachdem allerdings zehn Minuten vor dem Ende noch einmal das große Zittern für die Münchner anfing, konnte man erst nach weit mehr als 93 Minuten aufatmen und ein altdeutsches Sprichwort zitieren: Früher Vogel fängt den Wurm!
Getreu diesem Motto fing auch der amtierende Titelträger FC Barcelona schon vor zwei Wochen an, sich aus dem laufenden Wettbewerb zu verabschieden. Ein 1:0-Erfolg an der Anfield Road durch ein spätes Gudjohnsen-Tor reichte im Rückspiel nicht, der FC Liverpool, Champions-League-Sieger von 2005, ist eine Runde weiter.
Thierry Henry wird hingegen langsam anfangen, sich zu fragen, ob er mit seinem FC Arsenal jemals die begehrte Trophäe holen wird. Der Finalist des Vorjahres scheiterte recht kläglich am taktisch cleveren PSV Eindhoven, weil sich Jens Lehmann in der 83.Minute den 1:1-Ausgleich von Alex eingefangen hatte.
Einigermaßen befangen wirkte auch der ewige Geheimfavorit Olympique Lyon, der in diesem Jahr vielleicht erstmals nicht nur hinter vorgehaltener Hand als möglicher Champion gehandelt wurde. Kein Treffer in zwei Spielen gegen den AS Rom machten diesen Traum für die Franzosen zunichte, bevor er richtig anfangen konnte.
Der FC Chelsea und insbesondere Michael Ballack fingen sich dagegen gerade noch rechtzeitig, insbesondere deshalb, weil Portos Torhüter Elton einen Schuss von Arjen Robben zum 1:1-Ausgleich in der 48.Minute nicht richtig fangen konnte. 10 Minuten vor dem Ende schließlich markierte Ballack seine endgültige Ankunft an der Stamford Bridge, dank eines Siegtreffers, der „wie ein Stempel“ ist, so Jose Mourinho.
Auch der AC Mailand musste sich nach schwacher erster Halbzeit gegen Celtic Glasgow zunächst erst einmal fangen, doch eine furiose Schlussphase mit etlichen Chancen der Rossoneri ließen den Verlauf der Verlängerung schon erahnen. In der 93.Minute sorgte schließlich Kaka, der von seinem Trainer Roberto Mancini zuletzt ehrfurchtsvoll mit Michel Platini verglichen wurde, mit einem 30-Meter-Solo und anschließendem Beinschuss von Celtic-Keeper Artur Boruc für das erlösende 1:0. Milan damit ebenso im Viertelfinale wie Manchester United nach einem recht ungefährdeten erneuten 1:0-Erfolg gegen den OSC Lille.
Das Teilnehmerfeld der letzten Acht macht schließlich der FC Valencia, Finalist 2000 und 2001 perfekt, dank eines Heim-0:0 gegen Inter Mailand. Nach dem Abpfiff im Estadio Mestallan spielten die Profis beider Klubs zunächst noch ein wenig das beliebte Kindergartenspiel „Fangen“. Nach einem heftigen Gerangel hatte Valencias Ersatzspieler David Navarro die ohnehin recht unförmige Nase des Inter-Spielers Nicol Burdisso gebrochen. So behaupten es zumindest die Inter-Offiziellen. Zweifel bleiben dennoch. So schrieb Fußball-Autor Ronald Reng in der „Berliner Zeitung“ auch angebracht süffisant: „Schau dir nur mal Burdissos Nase an, raunte Inters Kapitän Javier Zanetti (…). Dabei machte Zanetti ein Gesicht, als gebe er einen ganz wertvollen Tipp.“ Ein Bruch war Burdissos Nase jedenfalls nicht anzusehen, als er den Innenraum des Stadions gen Mannschaftsbus verließ. Jedenfalls wurde Übeltäter Navarro danach von mehreren Inter-Spielern, unter anderem auch dem unsäglichen Julio Cruz, der sich ja - wie man seit dem WM-Viertelfinale weiß – für keine unsportliche Auseinandersetzung zu schade ist, wie ein Kaninchen über den Platz gejagt, bis Cruz ihn letztendlich umgrätschte. Das gegenseitige Fangen soll in den Katakomben noch erhitzt weitergegangen sein, Fernsehbilder zeigen zudem, wie Inters Ersatztorwart Francesco Toldo wutentbrannt die Kabine der Gastgeber stürmte. Unrühmliche Bilder, „die musst alle wegsperren“, würde der Kaiser wahrscheinlich sagen. Aber was soll man erwarten, wenn italienische und spanische Vereine aufeinander treffen, die zudem jeweils noch eine Reihe argentinischer Spieler in ihren Reihen haben? Ist dann nicht eigentlich die erwiesene Weltelite der schlechten Verlierer versammelt?
Aber damit wollen wir hier gar nicht erst anfangen.
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