07.12.06
Champions League / 6.Spieltag
Ein Ende mit Schrecken
 
Autor: Tim Sohr

Es war ein Ende mit Schrecken. Und es war wie so oft bei so genannten „Spielen des Jahres“, und das Vorrundenfinale des SV Werder Bremen im Camp Nou zu Barcelona war völlig zu Recht als ein solches erwartet worden – man konnte leider gar nicht so schnell gucken wie Ronaldinho und seine Kollegen das Fallbeil über die anfangs reichlich überforderten Hanseaten richteten. Zunächst düpierte das brasilianische Weltwunder, dessen vor Wochen noch von einigen Seiten angedichtete „Burnout“-Syndrom wohl doch eher Wunschdenken seiner Gegner als unwiderlegbare Tatsache darstellte, die Bremer Freistoßmauer und Torwart Tim Wiese, dann fuhren die Offensivgenies des FC Barcelona noch ein paar Minuten Hochgeschwindigkeitskarussell: Schon stand es nach 18 Minuten 2:0. Als nach einer knappen halben Stunde und einigen weiteren hochkarätigen Chancen das Feuerwerk der Katalanen fürs Erste abgebrannt war, war das Spiel schon entschieden. Und obwohl die demoralisierten Bremer nach der Halbzeit befreiter und angriffslustiger zu Werke gingen, war eine Wende der Partie zu keinem Zeitpunkt in wirklich greifbarer Nähe.
Das Ausgleichstor von Messi in der letzten Minute des Hinspiels im Weserstadion hat diese Vorrundengruppe letztendlich entschieden. Man hatte es schon damals befürchtet. Nichtsdestotrotz hat sich Bremen in der mit Abstand hochklassigsten CL-Gruppe mehr als beachtlich aus der Affäre gezogen. Bedenklich war nur die Leistungsdiskrepanz der Schaaf-Truppe zwischen den Auswärts- und den Heimspielen gegen die Weltklubs Barca und Chelsea. Denn wie jetzt am letzten Spieltag war auch in der ersten Partie in London in den entscheidenden Situationen ein Klassenunterschied zwischen dem Bundesligisten und den Starensembles aus England und Spanien zu erkennen, der letztendlich zu den beiden klaren 0:2-Niederlagen führte. Nun bleibt zu hoffen, dass der SV Werder den UEFA-Cup-Wettbewerb von hinten aufrollt und der Bundesliga eine ordentliche Anzahl Fünfjahreswertungs-Punkte beschert, denn die zählen ja bekanntlich im „Cup der Verlierer“ ebenso viel wie in der Königsklasse. Sollten Klose und Co. in Barcelona keinen psychischen Knacks erlitten haben, ist ihnen der Titel durchaus zuzutrauen.
Ob dem FC Bayern der Titel in der Champions League zuzutrauen ist, bleibt zu bezweifeln. Dass sie ihre Gruppe souverän gewonnen haben, täuscht kaum über durchgehend durchwachsene Leistungen hinweg. Gegen mögliche Achtelfinalgegner wie Real Madrid oder, jawohl, Barcelona, wird eine an eine Explosion grenzende Leistungssteigerung vonnöten sein, will man an der Säbener Straße nicht – wie so oft in den letzten Jahren – vorzeitig die Champions-League-Segel streichen müssen.
Was noch von dieser Champions-League-Vorrunde bleibt? Ein Hamburger SV, der eigentlich jeglichen Kommentars entbehrt. Denn selten hat sich eine deutsche Mannschaft auf internationalem Parkett so derart überfordert, hilf- und chancenlos präsentiert wie das Lazarett von Thomas Doll. Man kann nur aufatmen, dass es endlich vorbei ist für den HSV, denn: Es war ein Schrecken ohne Ende.

 
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