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03.11.06
Champions League / 4.Spieltag Levski Hamburg und Lokomotive Bremen
Autor: Henning Hildebrandt
Mathematiker musste man sein, wollte man die letzten Minuten am Dienstagabend sekündlich die Wunderwahrscheinlichkeit der Bremer berechnen. Dass Didier Drogba im Spitzenspiel Barcelona gegen Chelsea in der 92. Spielminute noch den Ausgleich zum 2:2 erzielt hat, dürfte auf der Bremer Trainerbank ähnliche Euphorie losgetreten haben wie die vier Spiel entscheidenden Minuten in Sofia während der ersten Halbzeit. Bremens Torhunger konnte auch in der CL nicht gestillt werden und so vollbrachte die Schaaf-Elf das Kunststück, ihre Pflichtaufgabe in Bulgarien binnen kürzester Zeit zu erfüllen. Drei Tore zum Glück. Und das Hoffen auf ein Wunder in der Todesgruppe geht in die nächste Runde. Wie eine Lokomotive überrannte der Weser-Zug den Gegner, um dann im gemütlichen Reisetempo das Ergebnis sicher zu verwalten. Profitiert hatten die Akteure des derzeitigen Bundesliga-Primus von einem Luftloch, das der junge bulgarische Torwart geschossen hatte und das die 1:0-Führung bedeutete. Die Verunsicherung wusste der deutsche Vertreter glänzend auszunutzen. Pflichtsieg.
Doch alle Passagiere der Weser-Lok sollten ein Dankesschreiben an den Ivorer Drogba verfassen, denn durch seinen Treffer wurde die Schranke zum Achtelfinale ein großes Stück weiter geöffnet. Wäre es beim 1:2 in Spanien geblieben, hätte Bremen unter Hinzurechnung der Null-Punkte-Konstante Sofia in jedem Fall ein Sieg bei den Katalanen im letzten Gruppenspiel benötigt. Und die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei allem Optimismus nahe dem Nullpunkt. Durch die spanisch-englische Punkteteilung hingegen, beinhaltet die Achtelfinal-Formel nun die Chelsea-Unbekannte. Bei einem Unentschieden oder einer Niederlage daheim an der Weser gegen Ballack & Co müsste man in Barcelona gewinnen. Würde das misslingen, hätte der Verein das Weiterkommen verpasst und bei allem Respekt und aller Sympathie auch nicht verdient. Denn ein großer Sieg ist Grundvoraussetzung in der CL. Sollte Miroslav Klose jedoch einen Tor-Salto mehr machen als Chelsea, die Bremer also zum Sieg schießen, so würde gar ein Unentscheiden im letzten Spiel bei Barcelona ausreichen und der Titelverteidiger müsste sich in den UEFA-Cup begeben. Heimsieg und Auswärtsunentschieden stehen somit auf der Agenda 06, die die Überschrift “Wunder von der Weser” tragen dürfte. Wahrscheinlichkeiten können unmöglicher sein.
Wer überhaupt nicht mehr rechnen muss, ist der Hamburger SV. Levski-gleich erspielten sich die Hamburger Null Punkte aus vier Spielen. Erbärmlich bis frustrierend waren die Auftritte bislang. Und so gibt es Spiele und Mannschaften, die verdienen einfach keinen Kommentar. Dazu zählt auch das 1:3 gegen den FC Porto. Es war… kein Kommentar.
Bayern München hat das Achtelfinale bereits erreicht. Da bedarf es keines Rechenexempels mehr. Zwar sollten die Zuschauer dem Verein das gezahlte Eintrittsgeld in Rechnung stellen dürfen, so mäßig war der Auftritt beim 0:0 gegen Benfica Lissabon, doch Souveränität leidet mitunter an Sicherheitsbestrebungen. Vorderstes Ziel war die stehende Null. Und die stand. Bloß nicht verlieren. So reichte die Nullnummer zur Qualifikation. Denn wie Oliver Kahn später vorrechnete, hat Bayern “selten verloren, wenn hinten die Null steht”. Wahrscheinlich sogar noch nie, möchte der diplomierte Mathematiker sagen. Dass Oli selbst BWL studiert hatte, mag dabei verwundern, aber vielleicht waren es auch die Fächer Statistik und Mathematik, die einen erfolgreichen Abschluss dessen unmöglich machten. Wahrscheinlich. Oder zumindest vermutlich. Sicher ist nur: Bayern ist durch, Bremen kann es noch schaffen und Hamburg… ach ja, kein Kommentar.
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