12.12.07
Europapokal / 6. Spieltag
„Alles nach Plan“
 
Autor: Tim Sohr

Es konnte ja auch nichts schief gehen: Der stoisch ruhige Trainer mit der richtigen Nase für jegliche Situation und einem umfassenden Sachverstand, um den ihn mancher Kollege beneidet, hatte die Mannschaft perfekt eingestellt. Es galt, die Ruhe zu bewahren in diesem Hexenkessel. Allerdings waren sich die Fachleute einig, dass ein frühes Erfolgserlebnis die Chancen erheblich steigern würden, denn letztendlich war nur ein Auswärtssieg der Garant fürs Weiterkommen. Und nach dem denkwürdigen und glanzvoll heraus gespielten Heimsieg am vergangenen Champions-League-Spieltag hatte die Mannschaft durchaus das Recht, auch bei diesem schwierigen und so entscheidenden Auswärtsspiel mit breiter Brust aufzulaufen.
So kam es dann auch, wie es kommen musste: Das Team bekam bereits in der vierten Minute einen Elfmeter zugesprochen, den der unumstrittene Superstar und Leitwolf im Nachschuss verwandelte. Nur sieben Minuten später traf der wieder erstarkte Stürmerstar der Mannschaft zum 2:0, so dass die Weichen bereits nach elf Minuten unumkehrbar auf Achtelfinale gestellt wurden. Man merkte der Truppe fortan die Erleichterung an, sie ließ es ruhig angehen, dominierte das Spiel nach Belieben und ließ Ball und Gegner laufen. Die so berüchtigte, auf dem ganzen Kontinent gefürchtete Kulisse war längst aus dem Spiel genommen. Folgerichtig war das 2:0 auch der verdiente Pausenstand.
Im Stile einer europäischen Klassemannschaft begann auch Hälfte zwei mit einem Paukenschlag: Der zweite Stürmer markierte den dritten Treffer des Abends. Das Spiel war endgültig gelaufen. Der Gastgeber gab sich fortan konsterniert, ob der völligen Chancenlosigkeit ließ man jegliche Leidenschaft und allen Willen vermissen. Es half ja ohnehin nichts, das Ding war gelaufen, als Trostpflaster bleibt nach diesem Endspiel um den zweiten Tabellenplatz der Gruppe die Teilnahme am restlichen Wettbewerb des UEFA-Cups. Die Gäste-Elf unterstrich hingegen einmal mehr ihre europäische Klasse, ihre Ambitionen und ihre Fähigkeit, auch in schwierigen Spielen auf den Punkt topfit zu sein, und neben den durchaus regelmäßigen Wundern, welche die Geschichte des Vereins in den europäischen Wettbewerben wie ein alter Bekannter begleiten, auch zu glanzvollen Arbeitssiegen (wenn es so etwas überhaupt gibt) in der Lage zu sein. Das 4:0 markierte den glorreichen Schlusspunkt eines denkwürdigen Champions-League-Abends, der verdeutlichte, dass mit der Mannschaft auch in der zweiten Saisonhälfte international weiterhin zu rechnen sein wird. Am Wochenende steht jedoch zunächst das Spitzenspiel im Liga-Alltag an, diesmal allerdings im heimischen Stadion. Sie haben es sich verdient.
Aus Piräus, äh, Verzeihung: Marseille berichtete Tim Sohr.





 
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