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12.04.07
Champions League / Viertelfinale „Eigentlich dürften die doch gar nicht mitspielen!“
Autor: Tim Sohr
...so zynisch kommentierte der unbekannte Fußballfreund, der sich in der Kneipe an unseren Tisch gesetzt hatte, den letztlich entscheidenden 2:0-Treffer der Mailänder durch Filippo Inzaghi. Er bezog sich auf die Möglichkeit, welche die UEFA den Mailändern trotz Manipulationsskandal vor der Saison geschenkt hatte, sich für die Champions League qualifizieren zu können. Müßig, darüber nun noch zu diskutieren. Denn so zweifelhaft die sportliche Aussagekraft innerhalb der Serie A, so unbestritten die Qualität von Milan. Fantastische Einzelspieler wie Alessandro Pirlo, Clarence Seedorf oder Kaka gaben letztendlich den Ausschlag für das souveräne Erreichen des Halbfinals und für die Bestätigung zweier Thesen: Wenn der AC Mailand in Europa eine Mannschaft überhaupt nicht fürchtet, dann den FC Bayern. Und wenn der FC Bayern in Europa einen Angstgegner hat, dann den AC Mailand.
Schwerer als erwartet wogen auf Münchner Seite im Rückspiel die Ausfälle von Willy Sagnol und Bastian Schweinsteiger, denn bei allem Respekt vor den Zukunftsperspektiven von Jungspunden wie Lell und Ottl, abgezockte Milanesen wie Nesta oder Maldini zucken bei unmotiviert aus dem Halbfeld geschlagenen Alibiflanken nicht einmal mit der Wimper. Zwei Geniestreiche eines überragenden Seedorf sowie ein obligatorisches Inzaghi-Tor, schon war die Messe für die Bayern gelesen. Die zu junge und unerfahrene, zudem unkomplette und nicht recht homogen wirkende Truppe entwickelte zu keinem Zeitpunkt der restlichen Partie den Anschein des unbedingten Willens, der nötig gewesen wäre, eine Wende herbeizuführen. Die letzte Viertelstunde des Hinspiels und die erste halbe Stunde des Rückspiels waren die einzigen Minuten auf Augenhöhe, der AC Mailand dominierte also zusammengerechnet drei von vier Halbzeiten und steht völlig verdient unter den letzten vier Mannschaften des Wettbewerbs. Wohin es für die Bayern auf längere Sicht ein weiter Weg werden könnte. Hoffnungsträger wie Schweinsteiger und Podolski sind doch noch weiter entfernt von europäischer Spitzenklasse als erhofft, Salihamidzic, Santa Cruz und Pizarro werden gehen, Sagnol und Kahn stehen im Spätherbst ihrer Karriere, Mehmet Scholl hört endgültig auf – im Sommer steht den Bayern ein Umbruch in eine ungewisse Zukunft bevor, Neuzugänge wie Altintop und Schlaudraff versprechen vielleicht Mittelmaß, aber mit Sicherheit keine Improvisation auf internationalem Niveau. Und ein „Kracher“ wie beispielsweise Luca Toni wird es sich auch gewissenhaft überlegen zu einem Traditionsverein zu wechseln, der nicht mehr als lauwarme Perspektiven anzubieten hat. Ein kleiner Offenbarungseid waren zudem die Aussagen der Bayern nach der Heimpleite am Mittwoch: Oliver Kahn sprach davon, international das Soll erfüllt zu haben, Ottmar Hitzfeld hob hervor, dass die Mannschaft sich nicht aufgegeben hätte und Karl-Heinz Rummenigge sprach von einem „entscheidenden“ Tor durch Seedorf. Sicherlich ein Schock-Tor, aber wohlgemerkt nach 27 Minuten. Muss das schon entscheidend sein? Und ist es nicht selbstverständlich, dass eine Mannschaft sich in einem Champions-League-Viertelfinale nie aufgibt, es sei denn, sie ist so hoffnungslos einer sensationellen Mannschaft unterlegen wie der AS Rom am Dienstag beim 1:7 in Manchester. Und seit wann interessiert einen Oliver Kahn die Erfüllung eines Solls?
Die Ansprüche sind geringer geworden an der Säbener Straße, es wird interessant sein zu sehen, wie die Bayern nun in der Bundesliga auftreten. Der dritte Platz wird alles andere als ein Selbstläufer, Schalke und Bremen marschieren vorneweg und der VfB Stuttgart präsentiert sich in sensationeller Form. Nur wird sich Oliver Kahn, der Champions-League-Rekordspieler, kaum mit einer Abschiedssaison im UEFA-Cup zufrieden geben wollen. Und Geld für wirklich großartige Neuzugänge verspricht ein vierter Platz erst recht nicht. Für Zündstoff ist in der Schlussphase der Bundesliga also gesorgt. Gleiches gilt für die Champions League, ab dem Halbfinale eine Art englische Meisterschaft mit italienischem Störenfried. Drücken wir Michael Ballack mit Chelsea die Daumen. Oder der fantastischen Truppe von Manchester United. Oder dem sympathischen FC Liverpool. Oder dem unkaputtbaren AC Mailand. Hauptsache es gibt große Spiele. So wie in dieser Woche.
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