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14.09.06
Champions League / 1.Spieltag Krass geballert
Alle Jahre wieder ereilen den deutschen Vereinsfußball zu Beginn einer neuen Europapokalsaison die gleichen wehmütigen Gefühle an glorreiche Mittwochabende in diesigem Flutlichtnebel. Es sind unzählige Erinnerungen an legendäre Momente, die dann aufkommen; Höhepunkte wie der späte Ausgleich von „Katsche“ Schwarzenbeck gegen Atletico Madrid, das 7:3 von Bayer Uerdingen gegen Dynamo Dresden, diverse „Wunder von der Weser“, das 3:1 durch Lars Ricken im CL-Finale 97, oder Oliver Kahn im Elfmeterschießen gegen Valencia. Und selbst die Tiefpunkte nehmen rückblickend wenigstens epische Ausmaße an: Der Bökelberger Büchsenwurf auf Laienschauspieler Roberto Boninsegna, Rabah Madjers Hackentreffer für den FC Porto gegen den FC Bayern, oder die „Mutter aller Niederlagen“, resultierend aus der Nachspielzeit des CL-Finales 1999. Doch leider häuften sich in den letzten Jahren die durch Bundesliga-Vereine verursachten Peinlichkeiten in allzu zahlreicher Form, so dass für stolze Legendenbildung kaum noch Raum blieb: Das Vorrunden-Aus des FC Bayern in der Saison 2002/03, die CL-Qualifikationspleite des BVB im Elfmeterschießen gegen Brügge oder das leider unvergessene Bremer 2:7 gegen Olympique Lyon.
Auch die erste Champions-League-Runde der neuen Spielzeit sollten deutsche Vereinsfußballfans schnellstmöglich zu den Akten legen: Der SV Werder schlägt sich an der Stamford Bridge zwar tapfer, vermittelt aber zu keinem Zeitpunkt der Partie der Partie den Eindruck, die Millionentruppe von Trainer José Mourinho ernsthaft gefährden zu können. Der HSV leidet gegen Arsenal London sichtbar unter der fragwürdigen Roten Karte gegen Keeper Kirschstein, bleibt allerdings auch den Beweis schuldig, den Ansprüchen der höchsten europäischen Spielklasse zu genügen. Und auch der FC Bayern München darf sich nur bei einer in sich zusammenfallenden Moskauer Spartak-Mannschaft für das hohe 4:0-Resultat bedanken, denn in der ersten Hälfte demonstrierten die Bayern eine geschlossene Mannschaftsleistung – sie verweigerten geschlossen die Arbeit.
So bleibt pokalo.de nur die Pflicht, dem einzigen deutschen Lichtblick der Woche zu huldigen: „Wir salutieren vor Kapitän Michael Ballack / Du hast trotz deiner Schmerzen krass geballert“, salbadert Xavier Naidoo in „Danke“, seiner Lobeshymne auf die Klinsmannschaft. Und „krass geballert“ hat Ballack am Dienstag wirklich – den Elfmeter zum 2:0-Endstand für den FC Chelsea gegen Bremen, in den Winkel des Tores von Andreas Reinke. Frank Lampard hatte diese Aufgabe dankbar an den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft weitergegeben, und die – vom Elfmeterpunkt schon legendär abschlussschwachen - Engländer zeigten sich durchaus beeindruckt von der kompromisslosen Ausführung Ballacks, der langsam, aber sicher, an der Themse angekommen zu sein scheint.
Jetzt müssten nur noch die deutschen Vereine nachziehen, sich ein Vorbild am Legionär mit der Rückennummer 13 nehmen, und im Haifischbecken der Champions League souveräner auftreten. Dann wäre vielleicht schon bald wieder Zeit für große Gefühle in der Wochenmitte...
Tim Sohr
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