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22.04.07 DFB-Pokal, Halbfinale
Fränkisch-schwäbisches Routenbewusstsein Autor: Daniel Wehner
Auch dieses Jahr brachten sämtliche Fanlager ihr Reiseziel siegessicher mit dem eingesungenen DFB-Pokal-Evergreen „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“ zum Ausdruck. Doch wie jedes Jahr wurden die Reisebestrebungen von 62 Fanlagern durchkreuzt, während die zwei verbleibenden Anhängerschaften ihren Teams an einem meist sommerlichen Tag Ende Mai ins Berliner Olympiastadion folgen werden, um den finalen Pokalfight mitzuerleben. Nach ihren mehr oder weniger souveränen Halbfinalsiegen stehen sich am 26.05.07 der 1.FC Nürnberg und der VFB Stuttgart gegenüber.
Damit schaffte der 1.FC Nürnberg nach 25 Jahren wieder einen Finaleineinzug – 1981/82 unterlagen sie dem FC Bayern mit 2:4. Der VFB Stuttgart dagegen feierte erst 1996/97 durch das 2:0 gegen Energie Cottbus den letzten Pokalsieg. Mit Nürnberg (Platz 5, mit nur 6 Niederlagen in 30 Spielen) und Stuttgart (souverän auf Champions-League-Kurs) haben sich erneut zwei der Überraschungsteams dieser Saison ins Rampenlicht gespielt. Das fränkisch-schwäbischen Finale sorgt zum ersten Mal seit 9 Jahren dafür, dass weder Bayern München noch Werder Bremen oder der FC Schalke 04 an einem DFB-Pokal-Endspiel beteiligt sind. Allesamt vergeigten ihre Spiele gegen vermeintliche Underdogs. Ähnliches hätte auch den Nürnbergern schon in Runde 1 widerfahren können, da Oberligist BV Cloppenburg erst in Hälfte zwei abbaute und in der Folge knapp 0:1 verlor. Auch die nächsten Runden brachten Zittersiege mit sich: Gegen Unterhachingen wie Hannover musste sich der kurz zuvor eingewechselte Ersatzkeeper Klewer nach jeweils 120 Minuten als Elfmeterkiller beweisen.
Dagegen waren gegen Frankfurt Elfmeter vereitelnde Fähigkeiten weniger gefragt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gegen eine spielbestimmende Frankfurter Mannschaft reichten zwei exzellent hervorgetragene Konter, um den Frankfurter Siegeswillen zu brechen, und am Ende mit 4:0 zu gewinnen. Vielleicht ein bis zwei Tore zu hoch, wie auch Hans Meyer einsah, doch in beeindruckender Abgeklärtheit.
Der Stuttgarter Sieg in Wolfsburg fiel weniger deutlich aus. Zwar versuchten die Schwaben – in gleicher Weise wie Cottbus am vorherigen Spieltag – Mittelfeldaktionskünstler Marcelinho aus dem Spiel zu nehmen, um die Wolfburger Torgefährlichkeit auf ein „nicht vorhanden“ zu reduzieren, doch gelang das nicht immer. Denn Marcelinho war an vielen guten Szenen beteiligt und hätte selbst den Ausgleich erzielen können. Anders als gegen Cottbus war er also nicht vollends abgeschrieben. Aber seine Freiheiten reichten auch nicht, um entscheidende Akzente zu setzen. Letztlich setzte sich Stuttgart verdient durch einen sehenswerten Freistoßtreffer von Da Silva durch.
Für die Bundesliga hat die Finalkonstellation folgende Konsequenzen: Da sich sowohl Nürnberg als auch Stuttgart wahrscheinlich direkt für das internationale Geschäft qualifizieren, rückt der Sechstplazierte mit einem Startplatz im UEFA-Cup nach. Somit würde der Siebtplazierte die Starterlaubnis für den UI-Cup erhalten – sofern er sich angemeldet hat. Anders als in den Jahren zuvor (Eintracht Frankfurt, 1.FC Kaiserslautern oder 1. FC Union Berlin) wären damit die sieben stärksten bzw. konstantesten Bundesligavereine auch international spielberechtigt. Unter Optimisten dürfte das als positives Omen für die Fünfjahreswertung gesehen werden.
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