05.03.07
DFB-Pokal, Viertelfinale
Vier gewinnt

Autor: Henning Hildebrandt


Die Geschichte ist bekannt: Mit dem 92er-Album “Vier gewinnt” und der Singleauskoppelung von “Die da!?!” schafften Die Fantastischen Vier den Durchbruch in der Musikwelt und ebneten sich selbst den Weg zur erfolgreichsten deutschen Hiphop-Band. Aus dem weites gehend unbekannten Duo “Terminal Team” bestehend aus den Stuttgartern Michael B. Schmidt und Andreas Rielke, heute besser bekannt als Smudo und And. Ypsolon, wurden einst durch Thomas Dürr und Michael Beck vier. Und diese Vier gaben sich 1989 den heute allseits geläufigen Namen, revolutionierten den deutschen Sprechgesang und sind seit Jahren Garant für ausverkaufte Hallen und besonders sehenswürdige Live-Auftritte.

Der DFB-Pokal hat seine neuesten Geschichten im Verlauf der vergangenen Woche geschrieben: Und auch hier sind die Protagonisten zu viert. Vier Mannschaften, die von ursprünglich 64 übrig geblieben sind. Die Viertelfinalrunde wurde gespielt und es sind “Die da“, die da gewonnen haben und sich nun im Halbfinale gegenüberstehen: 1. FC Nürnberg gegen Eintracht Frankfurt, VfL Wolfsburg gegen (natürlich in diesem Zusammenhang) VfB Stuttgart. “Na gut” kann man nach den Spielen sagen, denn fantastisch war es selten, was auf dem Rasen gezeigt wurde. Wolfsburger gewannen gegen müde Aachener ebenso wie der souveräne VfB gegen harmlose Berliner mit 2:0, am Bieberer Berg setzte sich Frankfurt gegen den einzigen Nichterstligisten Offenbach im Hessenderby mit 3:0 durch. Und Nürnberg besiegte Hannover 4:2 n.E. (0:0). Im easyCredit-Stadion fand der Pokal wenigstens seine besondere Anekdote: Denn als der vierte Offizielle zum Ende der Verlängerung in Minute 119 die Wechseltafel in die Höhe streckte, glaubten wohl die wenigsten der 46.000, was sie dort sahen - Torwartwechsel. Und knappe zehn Minuten später ging ein lautes “Jaaa” durch das Nürnberger Achteck, denn Trainerfuchs Hans Meier hat mit der pünktlichen Einwechslung seines Ersatztorwarts und Elfer-Killers, Daniel Klewer, einmal mehr in dieser Saison alles richtig gemacht und spät einen Pokalhelden geschaffen.
Jetzt heißt es: “Einen noch” und dann geht es tatsächlich nach Berlin, Berlin - für die Fans - und für die Spieler um die große Chance. Einen Titel zum Abschied, wünschen sich die einen, von Gänsehaut sprechen die anderen. Und beide reden vom DFB-Pokal. So kurz vor dem Ziel gewinnt der traditionsreiche Wettbewerb plötzlich wieder an allgemeiner Attraktivität. Zu Beginn einer Saison stehen Vereinsführungen und Trainer dem nationalen Pokal noch ambivalenter entgegen. Während es für die mittel- und unterklassigen Vereine eine je nach Losglück willkommene Möglichkeit ist, finanzielle Zusatzeinnahmen und Prestige zu verdienen, sehen die Oberen in ihm oftmals die (entschuldigend vorgeschobene) ungeliebte dritte Säule einer unmachbaren Dreifachbelastung (von maximal sechs Spielen!). Doch spätestens jetzt, nach vier Stationen, und vor dem Hintergrund, dass die Fahrt ins Berliner Olympiastadion über magere fünf geht - kaum mehr als eine Kurzstrecke - ist der Pokal wieder das, was er nun einmal ist: Ein Pokal, den jeder stemmen will. Ein Titel für den Vereinswimpel. Und für die, die weiter unten stehen, gar die Gelegenheit nach Fußball-Europa zu fahren.
Auch für euch, liebe Leverkusener, Herthaner und Hannoveraner. “Hört euch den hier an” und ihr werdet den Pokal auch wieder für euch gewinnen: Die Auslosung von Hermann Selbherr macht es möglich, dass auch ihr trotz Ausscheidens von diesem Pokal profitieren könntet. Sollten Stuttgart und Nürnberg die Finalisten am 26. Mai werden und beide bereits über die Liga für den internationalen Wettbewerb qualifiziert sein, dann darf sich der Tabellensechste über seine Uefa-Cup-Qualifikation freuen. Es lohnt sich also, auf das nächste Stück Pokaltheater zu warten. Wo das bleibt? Am 16. / 17. April geht der Vorhang wieder auf. Hoffentlich wird es ein wenig ansehnlicher, was die Vier da zeigen werden.
“Ernten, was wir säen” singen Die Fantastischen Vier aktuell. Ein Hinweis, den sich die vier Titelambitionierten zu Herzen nehmen sollten, wollen sie auch gewinnen.

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