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26.10.06 DFB-Pokal-2. Runde
Wunder gibt es immer wieder.
"Heute oder morgen können sie geschehen”, sang Katja Ebstein im Jahr 1970 und eroberte die Schlagerwelt. Mit blumigem Sommerkleid und in der Mitte gescheitelten langen roten Haaren. Die Wunder von gestern oder vorgestern wurden nicht besungen, sondern erspielt. Oder erkämpft. Und ihre Interpreten tragen keine Kleider, sondern Trikots und heißen nicht Katja, sondern Thomas, Addy-Waku und Klemen.
Fußballwunder. Sie gibt es immer wieder. Jedes Jahr im DFB-Pokal. Immer dann, wenn der Außenseiter dem Großen (Bundesligisten) ein Bein stellt. Wenn David gegen Goliath die Schleuder schwingt und der vermeintliche Erstligariese zu Boden sackt. Die unendliche Geschichte im Fußballwunderland DFB-Pokal ging unter der Woche in ihre zweite Runde und für so manchen Verein war es auch die Letzte. Servus Schalke. Adieu Mönchengladbach. Au revoir Leverkusen. Denn Köln, Osnabrück und Duisburg fanden an jenen Abenden ihre Helden und der Pokal war um eine Märchenepisode reicher. So dominierten die Kölner daheim das Spiel gegen den Favoriten aus Schalke und boten eine weitestgehend erstklassige Leistung und konnten durch ihren überragenden Fußball-Mozart Thomas Broich in der Verlängerung einen 4:2 Sieg herausspielen. In Osnabrück gewann der Regionalligist gegen die Borussia mit 2:1 und feierte seinen Doppeltorschützen Addy-Waku Menga, der seinem Trainer Claus-Dieter “Pelé” Wollitz nach 90 Minuten um den Hals fiel. Pelé Wollitz, ein Mann, der sich als Spieler selbst seinen Spitznamen gab, weil kein anderer auf der Welt nur im Entferntesten daran gedacht hätte, ihn so zu nennen, hat also einmal mehr ein gladbacher Pokal-Aus herbeigeführt. Wieder kein Sieg der Heynckes-Elf in der Ferne. Und so müssen die Fohlen nicht traurig sein, ob ihres peinlichen Scheidens, denn bei allem Losglück wäre spätestens im Finale in Berlin die unvermeidliche Auswärtsniederlage erfolgt. Die anderen Animalischen, die Zebras aus Duisburg, kämpften erfolgreicher als andere Vierbeiner und bezwangen den Werksverein aus Leverkusen mit 3:2 n.V.. Klemen Lavric schenkte seinem Club mit seinem Treffer in Minute 113 die Lukrativität des Weiterkommens.
In den anderen Stadien wunderten sich die Zuschauer weniger: Träge Bayern gewinnen gegen schwache Kaiserslauterer, die vorbeikamen, “um zu ärgern“ (Wolfgang Wolf), aber nicht, um zu bleiben. Stuttgart siegt, sowie auch Wolfsburg, Bochum, Aachen, Nürnberg und Frankfurt.
Aber es gab noch zwei weitere Helden: Einen Schiedsrichter und einen Zuschauer.
Dortmund spielte schlecht und suchte die Schuld für ihr Versagen gegen Hannover 96 im Schiedsrichter Dr. Brych, der zwar zunächst einen Elfmeter für den BVB pfiff, dann aber doch nach Absprache mit seinem Assistenten eine Schwalbe gesehen haben wollte, die er zwar nicht sah, die aber doch eine war und die sein Assistent gesehen hatte. Verwunderlich, aber richtig. So blieb es beim 0:1 und Trainer van Marwijk verstand die Fußball-Welt nicht mehr.
Zudem ein Zuschauer aus Stuttgart, der Anti-Held dieser zweiten Runde, der mit seinem Becherwurf den Schiedsrichter der Partie Kickers gegen Hertha zu Boden streckte. Als einfachen Protestausruf, dass das Stadionbier aus Plastikbehältern bescheiden schmeckt, kann seit der Hamburger-Schlagzeugstock-Affäre ein solches Wurfgeschoss-Attentat nicht mehr gedeutet werden. Spielabbruch in der 86. Minute beim Stand von 0:2. Ob das Spiel tatsächlich nicht hätte doch regulär beendet werden können, erscheint fraglich, denn allein in der zoowärtergleichen Rolle eines vierten Offiziellen kann dessen Daseinsberechtigung nicht bestehen. DFB-Symbolik gegen inakzeptables Fanverhalten wohl. Den Berlinern dürfte es egal sein, denn das Spiel wird zu ihren Gunsten gewertet werden.
Soweit aus dem Wunderland DFB-Pokal. Nicht jedoch ohne Mesut Özil (Schalke) zu erwähnen, der sich für seinen Bühnenauftritt besonders schick machen wollte. Hier durfte sich der Zuschauer ob dessen Haarästhetik wundern. Solch visuelles Missgeschick hat aber wahrlich kein (Be)Wunder(n) verdient. Dann eher doch die Katja mit ihrem Mittelscheitel.
Wer sich in der dritten Runde, die am Sonntag ausgelost wird, alles wundern wird, wird sich am 19./20.12.06 zeigen...
Henning Hildebrandt
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