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03.11.06 Formcheck: Deutsche Profis in der Ferne Autor: Daniel Wehner
Wenn man über deutsche Fußballikonen im Ausland spricht, fallen meist Namen wie Rudi Völler, Bernd Schuster oder Jürgen Klinsmann. Sie alle haben – wie viele andere – eine großenteils ruhmreiche Karriere in der Ferne vorzuweisen. Doch ist es in den letzten Jahren ruhig geworden um deutsche Profis, die anderenorts ihre Chance suchen.
Bis zu dieser Saison schienen die Zeiten vorbei, in denen sich die Bierhoffs, Kohlers und Effenbergs fern ab der fußballerischen Heimat für die Nationalmannschaft empfahlen. Doch derzeit finden sich erstmals wieder Namen in den Kader-Listen ausländischer Klubs, die nicht nur Vollblut-Fans der deutschen Nationalmannschaft bekannt sein sollten. Pokalo.de nahm fünf von ihnen unter die Lupe.
David Odonkor (geb.21.02.1984)
Als schnellster Spieler der Bundesliga errannte er sich die Aufmerksamkeit des Bundestrainers. Die Skeptiker, die seine spätere Nominierung belächelten, mögen sich an die besonders einfallslosen Momente der Kommentatorenzunft erinnert haben, in denen nur allzu häufig die Phrase „Er ist schneller als der Ball“ fiel. Doch er ging seinen Weg, lies gestandene WM-Stars mit seinen antrittsstarken Dribblings stehen, sorgte mit seiner Vorlage zum Sieg gegen Polen für einen der emotionalsten Momente der WM. Dazu passend verband der BVB-Hauptsponsor den Namen David Odonkor mit dem Werbeslogan „Energie in seiner reinsten Form“. Das wird sich auch Betis Sevilla von ihm erhofft haben, als sie einen Nachfolger für den nach Valencia abgewanderten, spanischen Nationalstürmer Joaquin suchten. Bisher blieb Odonkor allerdings unter den Erwartungen. Seine WM-Form konnte er nicht bestätigen. Allein in den ersten Kurzeinsätzen wusste er zu überzeugen. Dann kam der siebte Spieltag. Sevilla gastierte in Saragossa, David Odonkor bekam seine Chance in der Startelf. Saragossa gewann, Odonkor verlor doppelt: Das Spiel und seine Vorschusslorbeeren. Nachdem er in Halbzeit eins in keiner Szene das andeutete, was ihn zum gefeierten Nationalspieler machte, wechselte ihn Trainer Javier Irureta zur Pause aus. Ein entsprechendes Echo der spanischen Medien folgte. Die „AS“ kürte ihn zum schlechtesten Spieler der Partie. Ähnlich großes Verständnis brachte die „Marca“ für seine Leistung auf. Sie quittierte sein Spiel mit einer glatten sechs. Seitdem drückt David Odonkor die Ersatzbank. „Energie in ihrer reinsten Form“ hatten sich die Spanier wohl anders vorgestellt.
David Odonkors Homepage
Andreas Hinkel (geb. 26.03.1982)
Als ihn Kevin Kuranyi im Nutella-Werbespot fragt, „was wolltest du eigentlich werden“, sieht man Andreas Hinkel gedanklich in die Ferne schweifen. Seinen Jugendtraum bebildernd, sieht man ihn in Cowboy-Kluft an Saloons vorbeiziehen, um mit flanell-bekleideten Groupies an seiner Seite ein paar Country-Schmankerl rauszuhauen.
Country-Sänger ist er zwar nicht geworden, dafür hat er sich aber als Fußballprofi einen Namen gemacht, der bis nach Sevilla vorgedrungen war, als sich der FC für eine Verpflichtung des Abwehrspezialisten entschied. Doch fanden seine aus Stuttgarter Erfolgsjahren berüchtigten Flankenläufe in Spanien nur selten statt. Denn: „Bei Sevilla herrscht ein großer Konkurrenzkampf, ich muss hier erst mal meinen Platz finden,“ wie er zu Beginn der Saison dem kicker sagte. Bisher kam er auf lediglich zwei Kurzeinsätze in der Primera División. Seinen Platz findet er derzeit also meist auf der Ersatzbank.
Andreas Hinkels Homepage
Michael Ballack (geb. 26.09.1976)
Von Vereinsseite und medialem Umfeld hagelte es oft Kritik in Bayern. Michael Ballack fehle es an Charisma, Leaderqualität und Konstanz. Er sei nicht in der Lage, wichtige Spiele an sich zu reißen und die Mitspieler in Richtung Sieg zu dirigieren. Jetzt wird sein Wechsel trotz hochkarätigem Ersatz durch Marc van Bommel bedauert. Mit seiner Torgefahr, Spielintelligenz und Kämpfermentalität prägt er nun das Spiel des FC Chelsea London, Europas Weltstar-Adresse Nr. 1. Und das, obwohl Frank Lampard kurz vor dem Wechsel ankündigte, dass er sich nicht fürchte vor der Mittelfeldkonkurrenz von Michael Ballack. Er sagte Ballack einen schweren Start voraus und war sich sicher, dass es Ballack nicht leicht haben würde. Doch von genau diesem Frank Lampard wurde Ballack wenig später zum Geburtsag seiner Tochter eingeladen. Und mit genau diesem Frank Lampard harmoniert Ballack jetzt im Mittelfeld der „Blues“, als hätte es nie Zweifel an der Kompatibilität beider Spielertypen gegeben. Entgegen aller Unkenrufe scheint el Capitano, wie Klinsmann ihn nennt, der Durchbruch in Chelsea zu gelingen. Mit seinen kurzgeschorenen Haaren setzte er früh ein Zeichen: für einen mannschaftsdienlichen Stil, als einer von vielen. Gegen Starallüren auf und außerhalb des Platzes. Er steht bei Trainer Mourinho hoch im Kurs, ist seit dem dritten Spieltag eine feste Größe im Chelsea-Mittelfeld und schießt wichtige Tore. Zweimal traf er bereits in der Premier League. Einmal ballerte er den Elfer gegen Bremen unters Gebälk (siehe Champions-League-Spieltag Nr. 2). Bisher war Jürgen Klinsmann 1995 der einzige deutsche Spieler des Jahres in England. Ballack hat das Potential, um das demnächst zu ändern.
Michael Ballacks Homepage
Robert Huth (geb. 18.08.1984)
„Huth, Huth, Huth...“ hallte es durch die Stadien, wann immer er im Trikot der Nationalelf an den Ball kam. Doch die Nationalelf ist nicht die Premeier League. Die WM ist Geschichte, und die Euphorie um seine Person verblasst. Nachdem er bereits im Alter von 16 von Union Berlin zu Chelsea London gewechselt war, blieb ihm in den vergangenen fünf Spielzeiten meist die Rolle des Reservisten. Insgesamt kam er mit den „Blues“ auf 41 Einsätze, von denen er nur die wenigsten über die volle Distanz absolvierte. Daher der Wechsel. Anfang dieser Saison gab er bekannt, dass er künftig in den Vereinsfarben des FC Middlesbrough auflaufen würde. Über diesen Schritt sagt er rückblickend: „Ich hätte ein Jahr eher wechseln sollen". Chelsea London erklärte er dabei vorerst als eine Nummer zu groß: "Ich war jung und naiv. Ich dachte, ich könnte es bei Chelsea schaffen". Verletzungsbedingt musste er die ersten sieben Ligaspiele für seinen neuen Klub passen. Doch spielte er in den folgenden vier Partien für den FC Middlesbrough dreimal durch, wobei er es in den letzten drei Ligaspielen auf 225 Spielminuten schaffte. Durchaus eine Marke auf dem Weg zum Stammspieler.
Moritz Volz (geb. 21.01.1983)
“Moritz Volz is a German footballer with a sense of humour”, wie The Guardian über den 21-jährigen Rechtsaußen vom FC Fulham titelte. Der ehemalige Jungnationalspieler, der bereits eine Nominierung in die A-Mannschaft verbucht, scheint in Sachen Imagepflege Botschafterqualitäten zu beweisen. Denn ein deutscher Spieler, dem von englischen Medien Humor attestiert wird, das gab es wohl zuletzt zu Zeiten Jürgen Klinsmanns. Bei den Tottenham Hotspurs verschmähten die Fans ihn zunächst als „Diver“, ob seiner theatralischen Momente in Strafraumnähe, wo er nur allzu gerne fiel. Als er dann aber auf einer Pressekonferenz mit einer Taucherbrille über die Augen gepresst auftauchte, schlugen ihm ungeahnte Sympathien entgegen. Und auch der später von ihm erfundene Diver-Tor-Jubel (in vollem Lauf auf den Rasen abtauchen und auf der Brust weiterrutschen) machte ihn – vor allem aufgrund seiner Selbstironie – zum Publikumsliebling.
Moritz Volz profiliert sich humoristisch ähnlich selbstironisch durch seine „The Hoff“-Kampagnen. Outete er sich doch unlängst als David Hasselhoff-Nostalgiker. Und so fand man ihn in der September-Ausgabe der FourFourTwo mit Brusthaartourpet und Lockenperücke in Baywatch-Pose Ausschau haltend. Dazu sagt Volz: “The Hoff is a big inspiration - in times of trouble I often ask myself, 'how would The Hoff deal with this situation?'"
Kurz vor dem neunten Spieltag verhalf ihm „The Hoff“ wohl zur richtigen Entscheidung. Nach dem übermäßigen Verzehr von Garnelen und Kürbiskuchen kämpfte er noch vor dem Spiel mit einer Lebensmittelvergiftung. Vor Spielbeginn wurde noch einmal kräftig gekotzt, dann hieß es: „Punkten gegen Aston Villa“. Volz lief auf und wurde belohnt. Mit dem Pausenpfiff erzielte er das sehenswerte Ausgleichstor zum eins zu eins, wobei es dann auch blieb. Sein erstes Premier-League-Tor. Zuvor hatte er es erst auf zwei Eigentore gebracht.
Als er 1999 von Schalke 04 zum Arsenal London wechselte, war er der erste deutsche Jugendspieler, der den Schritt in die Premier League gewagt hatte. Der Durchbruch blieb allerdings aus. Dazu Volz: “I never really got into the First Team there.” Die logische Konsequenz: In der zweiten Hälfte der Saison 2002/2003 wechselte er auf Leihbasis zum FC Wimbledon, wo sein jetziger Arbeitgeber auf ihn aufmerksam wurde. Nach drei Spielzeiten und den sechs Partien der aktuellen Saison für den FC Fulham, verbucht er bereits über 90 Spiele für „The Whites“, wie die Mannschaft aus dem Londoner Südwesten genannt wird. Damit ist er klarer Perspektivspieler für 2008.
Moritz Volz´Homepage
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