Mit 130.000 Pfund pro Woche ist er der bestbezahlteste Fußballer bei Chelsea London – ein Salär, das Erwartungen puscht und neben finanzieller Sorglosigkeit auch erheblichen Leistungsdruck mit sich bringt. Denn es gibt nicht wenige Stimmen, die vom bestbezahltesten Fußballer auch die bestbenotetsten Auftritte fordern. Also werden Effizienz-Vergleiche mit den weltbesten Fußballern gezogen: Ronaldinho, Kaka oder gar Rosicky (Englands Spieler des Monats) sind dabei nur einige der Hausnummern, an denen sich Ballack messen lassen muss. Dass sein Gehalt auch Folge der nicht zu entrichtenden Transfersumme war (Ballack konnte den FC Bayern ablösefrei verlassen), wird jedoch häufig vergessen. Längst haben sich die englischen Medien auf Ballack eingeschossen. Allen voran Boulevard-Mogul Piers Morgan. Gegenüber dem Spiegel äußerte er sich zu Ballacks Siegtreffer gegen den FC Porto (Champions-League-Achtelfinale): „Wurde auch Zeit. Wir dachten schon daran, ihn Weihnachten zu verschenken, weil er die größte Flasche war, die wir in diesem Land seit langem gesehen haben. Ballack hat endlich ein Tor geschossen. Wie viel verdient er noch mal pro Jahr? Sieben Millionen Pfund? Ein Tor. Gut gemacht, Junge.“
„Gut gemacht, Junge“, dürfte auch Chelsea-Coach Mourinho in einem weniger zynischen Ton zu Ballack gesagt haben. Denn immerhin sorgte Ballack mit dem Treffer für eine Verlängerung der Gnadenfrist Mourinhos und für nicht unerhebliche Millioneneinnahmen. Dementsprechend fiel auch seine Reaktion aus. Zu seinem zweiten Champios-League-Treffer für Chelsea sagte er erleichtert: "Es ist schon schön, mal so ein entscheidendes Tor zu machen.“
Und auf die Frage eines Deutschen Fernseh-Journalisten, ob er sich denn schon darauf freue, morgen als der spielentscheidende Matchwinner gefeiert zu werden, kündigte er verhalten an, doch erst einmal abwarten zu wollen. Am darauf folgenden Tag sollte er sich in seiner Skepsis bestätigt fühlen. Trotzdem er den FC Chelsea in die nächste Runde geschossen hatte, suchten englische Medien das Haar in der Suppe: fanden seine unscheinbares Auftreten und den fehlenden Moment explosiven Spektakels in seinem Spiel. Erneut hagelte es Kritik, wie schon die vorangegangenen Wochen und Monate.
Die englische Boulevardpresse gilt als die härteste der Welt. Und 14 Tageszeitungen (12 Millionen Auflage), die um 28 Millionen Leser kämpfen brauchen Reizfiguren; Personen, die öffentlichen Interesse stehen und es „unverdienter Weise“ nach ganz oben geschafft haben. Da kommt ein Michael Ballack, mit einem Jahresgehalt von knapp sieben Millionen Pfund, gerade richtig – zumal er nicht auf Anhieb funktioniert, wie es von ihm erwartet wird. Arroganter, aufrechter Laufstil, anmaßend wenig Einsatz und auffällig lässige Antizipation sollen ihn auszeichnen. Wer einen Frank Lampard habe, brauche keinen Michael Ballack, so der gemeine Tenor. Fast wirkt es so, als hätte Daniel Brühl eine Hauptrolle neben Hugh Grant bekommen, um den englischen Film zu retten; und die anschließende Rezension stampft Brühl dafür in Grund und Boden, dass er nicht exakt den selben Stil eines Hugh Grant spielen könne. Doch Ballack bleibt betont gelassen: "There are a load of tabloid newspapers in England which always need something to write and it doesn't particularly bother me",- zu betont für den englischen Boulevard.