06.05.07
Bonität: Bremen neuer Liga-Krösus
 
Autor: Daniel Wehner

Das kürzlich veröffentlichte Ranking zur Bonität aller 36 Vereine und Kapitalgesellschaften aus der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga wartete mit einem – die Grundfeste der naturgegebenen Hackordnung erschütternden – Überraschungsmoment auf: Der FC Bayern München büßt demnach seine finanzielle Spitzenposition ein. Die Neusser Wirtschaftsauskunftei „Creditreform“ kam im Auftrag der „Süddeutschen Zeizung“ zu dem Ergebnis, dass Werder Bremen der derzeit finanziell gesündeste Klub in Deutschland sei. Damit verlor der FC Bayern erstmals seit 2003 (Beginn der Erhebung) die Rankingführung. Einbezogen wurden 15 Kriterien wie Liquidität, Umsatz, Eigenkapitalstruktur und Vermögen. Grundaussage des Rankings: Der deutsche Profifußball erlebt trotz einiger Einschränkungen einen andauernden Boom. Mit einem Gesamtumsatz von 1,5 Milliarden Euro stellen die 36 Klubs einen neuen Rekord auf. Allerdings lassen die erzielten Gewinne noch Spielraum nach oben. Weiterer Makel: 6 der 18 Bundesligavereine machten Verluste – Namen gehen aus dem Finanzcheck nicht hervor.

Die Bonität wurde nach Schulnotensystem bewertet, wobei es schon ab einer 3,0 kritisch wird, weil das Kreditausfallrisiko dann steigt.

Platzierung 1.Liga (Das gesamte Ranking):

1. Werder Bremen (1,56)
2. Bayern München (1,86)
3. VFB Stuttgart (1,86)
.
.
.
16. Borussia Dortmund (2,60)
17. Schalke 04 (2,90)
18. Energie Cottbus (3,14)

Neben dem sportlichen Bodenverlust nun auch finanziell hinter Werder Bremen gefallen zu sein, dürfte der Chefetage des FC Bayern übel aufstoßen – zumal der VFB Stuttgart gemäß Statistik mit den Bayern gleichgezogen ist. Steckte der VFB zur Jahrtausendfrist noch in der Schuldenfalle, soll er es nur wenige Jahre später mit der Zahlungskraft eines FC Bayern München aufnehmen können. Diese Behauptung wirft doch einige Fragen auf: Warum verdient Timo Hildebrandt – dem vernehmen nach – weniger als Oliver Kahn? Warum führt in Stuttgarts Mittelfeld Pavel Pardo und nicht Andrea Pirlo Regie? Und warum darf Cacau zu seiner Mannschaftsdienlichkeit finden, wo doch in Madrid, Manchester oder Mailand bereits fertige Stürmer auf eine neue Herausforderung warten?

Vielleicht ist es die Sparsamkeit der Schwaben, die solche Fragen bereits im Keim ersticken lässt. Aber wahrscheinlich steckt ein von langer Hand geplanter Transfercoup dahinter, der alles Vorherige in den Schatten stellt. Schließlich hat sich der AC Mailand auf der letzten Mitgliederversammlung darauf verständigt, die zur Verfügung stehenden 100 Millionen Euro in Lampard (Chelsea), Eto (Barcelona) und Alex (Eindhoven) zu investieren. So sei die Mailänder Mannschaft schlechter auszurechnen, als bei einem Kauf von nur einem Spieler – wie Ronaldhino. Damit dürfte der brasilianische Superlativ unter den Fußballern bei anderen Klubs neue Begehrlichkeiten wecken. Und wo ein AC Mailand auf der Interessentenliste weniger ist, taucht mit Sicherheit ein VFB Stuttgart mehr auf – wie man angesichts der neugewonnenen Liquidität vermuten könnte. 100 Millionen müssten doch aufzubringen sein, nach Jahren von Transferaktivitäten á la Imre Szabics, Daniel Bierofka oder Roberto Hilbert. Also: nur Mut, VFB. Bisher ist noch nichts durchgesickert vom geheimsten aller geheimen Transfercoups...


Und was ist von Bremen als jetzigem Liga-Krösus zu erwarten? Als Frings-Ersatz wird der 27-jährige Grieche Katsouranis von Benfica Lissabon gehandelt – sein Marktwert wird auf 7,5 Millionen Euro taxiert. Die vakante Stelle im Sturm könnte an Claudio Pizarro gehen, der bereits Interesse bekundet hat. Und Miro Klose bleibt – zumindest noch für diese Saison. So in etwa könnten realistische Saisonplanungen eines Werderaner Liga-Krösus für die kommende Spielzeit aussehen. Bis an der Weser Namen wie Luca Toni, Arjen Robben oder Franck Ribéry gehandelt werden, müsste die Bonitätsskala noch ziemlich oft zugunsten der Bremer ausschlagen – Statistiken sind eben nur Momentaufnahmen.

 
Kontakt Impressum Nutzungsbedingungen