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10.06.07 Millionen für die Meister-Macher Autor: Daniel Wehner
„Wir werden Geld ausgeben wie noch nie“. So hört es sich an, wenn Uli Hoeneß zu Saisonende die bayrische Zeitenwende einläutet. Und der Ankündigung einer neuen Ära sollten Transfers folgen; Transfers jener Art, die namhafte Stammkräfte wie Podolski, Schweinsteiger oder Lahm auf die Ersatzbank drängen könnten. Vorbei sind Konkurrenzgebärden, die allein bei der Platzwahl im Mannschaftsbus Entfaltung finden. Zwar gab es auch auf dem Rasen einen sportlichen Wettstreit um die erste Elf, doch überboten sich potentielle Konkurrenten wie Santa Cruz, Podolski und Pizarro im Auslassen von Chancen. Im Mittelfeld und der Abwehr das gleiche Bild: ein Wettstreit der Harmlosigkeit. Lell und Ottl gerieten schnell an ihre Leistungsgrenzen, Schweinsteiger hinkte im offensiven Mittelfeld den Erwartungen hinterher, und Van Buyten wie Lúcio machten mehr mit Abstimmungsproblemen und desolatem Stellungsspiel von sich reden, als mit aufsehenerregenden Abwehraktionen und kontrollierten Offensivimpulsen.
Epochaler Umbruch
Mit einem epochalen Umbruch wie ihn der FC Bayern seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen hat, soll eine „Seuchensaison“ wie die Letzte künftig vermieden werden. Seitdem die Münchener Matthäus, Scholl, Helmer und Jorginho für die Saison 92/93 verpflichteten, haben sie nicht derart viele Hochkaräter auf einen Schlag gekauft. Damals stand am Saisonende Platz 2 – hinter Werder Bremen.
15 Jahre später tragen die vermeintlichen Heilsbringer andere Namen: Toni, Ribery, Zé Roberto und Klose. Unter fixen Spielerkäufen können die Bayern bisher allerdings „nur“ Toni, Schlaudraff, Altintop, Zé Roberto, Ribery, Jansen und Sosa verbuchen. Klose wird jedoch als sehr wahrscheinlich gehandelt.
Das Mannschaftsbild (siehe Grafik) würde sich somit gleich auf fünf Positionen verändern. Ein ebenso mutiges wie kostspieliges Vorhaben. Doch die Mannschaftsleistungen der vergangenen Saison lechzten geradezu nach einem Radikalumbruch. Und wollte der Vorstand kein Wasser auf die Mühlen seiner Kritiker geben, bestand Handlungsbedarf: Einkaufsbedarf, Ausmerzbedarf.
Die Bonitäts-Bürde
Wer durch Europa tourt und Wunschspieler aus den weltbesten Ligen mit Millionenpaketen an die Isar lockt, poliert nicht nur sein Image auf. Denn der vorgeschossene Renommeegewinn durch dazugewonnene Stareinkäufe hält nur bis zu ersten Misserfolgen an – so zumindest der normale Lauf der Dinge. Wird aber diese Gesetzmäßigkeit außer Kraft gesetzt, und die Startransfers verlieren schon vor ihrem ersten Spiel an Glanz, dann kann ein Uli Hoeneß schonmal sauer werden. So reagierte Hoeneß auf die Einschätzung von Oliver Bierhoff, dass Luca Toni nicht zu den Top-Ten-Spielern der Welt gehöre, in üblich aufbrausender Manier: „Er soll das dumme Gequatsche sein lassen. Redet er weiter über uns, müssen wir vielleicht auch mal über ihn reden.“ Und Bierhoff winkte ab: „Man macht es sich zu einfach, mich anzugreifen, zu beschimpfen und mir dann auch noch zu drohen“. Das vorsaisonale Geplänkel verdeutlicht, wie dünnhäutig ein Manager ist, der mit Millioneninvestitionen alles auf eine Karte setzt. Denn auch wenn alle genannten Spieler, wie geplant, beim FC Bayern anheuern, gibt es außer Sosa – der sich noch beweisen muss – keinen Spieler mit 10er-Qualitäten. Schweinsteiger, Santa Cruz und Van Bommel blieben ihre Begabung auf dieser Position schuldig. Mit Schlaudraff, Ribery, Zé Roberto und Altintop wurden die Flügel gestärkt, da sich die Bayern diese Saison bewusst gegen einen Spielmacher zu entscheiden scheinen – ein gewagter Entschluss, der bereits im letzten Jahr schief ging. Zudem werden mit Lucio, Van Buyten, Podolski, Schweinsteiger oder Lahm etablierte Spieler Reservistenrollen fristen, die sich das Geschehen nicht lange von der Bank ansehen werden, ohne für Unruhe zu sorgen. Zusammengefasst bleibt ein Zugewinn für die Liga und ein Drahtseilakt für den FC Bayern.
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