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13.11.07 Chronologie eines versuchten Skandals
Autor: Daniel Wehner
Eva Hermans Rausschmiss bei J.B. Kerner, die Fluchtergreifung von ZDF-Wissenschaftsjournalist Joachim Bublath aus „Menschen bei Maischberger“, das Interview des ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, mit Neonazi Host Mahler in der Vanity Fair. Ob inszeniert oder nicht - das Quoten- und Auflagenecho medialer Skandale ist nicht erst seit Nippelgate bekannt.
Da deutsche Erfolge in der Champions League ausbleiben, und sich das ebenso negativ wie die Bayern-Abstinenz auf die Quote auswirkt, bleibt nach stereotyper Medienrechnung nur eins: „Skandal!“ – wie es 1999 der damalige Ulmer Janusz Góra formulierte, als er dem Kameramann seine Sicht des Kartenfestivals in Rostock entgegenschrie. Wie ein solcher Quotenbringer aussehen könnte, beschreibt die Chronologie eines versuchten Skandals.
Die Priorität des Vorhabens versammelt gleich eine ganze Schar kreativer Direktoren. Mit angestrengt gerunzelter Stirn sitzen sie bei einer Pepsi-Light an einem System 180-Schreibtisch, um das Champions League-Format mit einem Paukenschlag an den RTL-Quotenriesen „Die Super Nanny“ und „Raus aus den Schulden“ vorbeizukatapultieren. Nach nur wenigen Wochen der bahnbrechende Erfolg. Ein neues Format steht, dass die Premiere-Produktion Champions-TV ablösen soll. Moderation: Kai P., großväterlichen Charme versprühendes Katalogmodel mit zielgruppenübergreifendem Quotenpotential. Co-Moderation: Christoph D., nachweislicher Fußballexperte, der weiß, aus welchem „Stoff“ Skandale gemacht sind. Kommentator: Werner H., bekannt für umgangssprachliche Ergüsse über Fußballerwaden, -frisuren und all das, was fernab des Spielgeschehens geschieht.
Einstand des Dreiergespanns ist der sechste Champions League-Spieltag. Nachdem Werner H. im Verlauf der Niederlagen-Konferenz der Bundesligisten Fernando Meira zum Braveheart, Kevin Kuranyi zu 007 und Tim Wiese als deutsche Antwort auf Dolph Lundgren gekürt hat, liegt es nun an der Präsenz von Kai P., mehr als nur die Stammzuschauer an den Schirm zu locken und an Christoph D., einen medienwirksamen Skandal zu produzieren...
Kai P. : „Ein Fußballabend, der die Herzen der Fans berührt hat. Diese Zurückweisung der Champions Leauge wird der Deutsche Fußball nur schwer verkraften können. Die Königsblauen müssen sich von ihrer wahren Liebe verabschieden. Aber wenn sie den UEFA-Cup näher kennen gelernt haben, wird sich da etwas entwickeln – da bin ich sicher. Schlimmer trifft es die Schwaben und die Werderaner: Für sie ist es aus und vorbei. Das war sicher ein sehr schmerzhafter Moment, oder Herr D.?
Christoph D. : Schmerzhafter Moment? Die Jungs haben aufopferungsvoll gekämpft, als gäbe es kein Morgen. Chaupeau.
Kai P.: Das heißt, sie fanden, dass die Mannschaften ausreichend um die Gunst der Champions League geworben haben?
Christoph D. : Ich habe bereits gesagt: Die Spieler haben phänomenalen Einsatz gezeigt und sich zerrissen.
Kai P. hält einen Moment inne, um den Regieanweisungen in seinem Ohr zu lauschen, dann unterbricht er Christoph D. zögerlich
Kai P.: Mit anderen Worten […]: Die Spieler teilen ihre Arbeitseinstellung? Bis in die Haarspitzen motiviert?
Mit einem verlegenen Mundwinkelzucken wartet Kai P. auf eine Antwort, die nicht kommt…Christoph D. senkt seine Augenlieder und spannt seine Wangenmuskeln an. Aus dem Knopf im Ohr von Kai P. röhrt es: „Finish him“. Verunsichert überlegt er einen Moment, erinnert sich an harmonischere Zeiten im Liebesmobil, und fährt fort - in Gedanken mit dem Wemser-Wohnwagen, im hier konstruierten Szenario mit dem Interview.
Kai P.: Woran genau hat es ihrer Meinung nach denn gelegen, dass der Flirt zwischen Bundesliga und Champions Leaugue so schnell beendet war?
Kolerisch erklingt ein „Was ist mit Koka? Was mit Uli Hoeneß? Was mit dem FC?" in seinem Ohr
Christoph D. : Haben Sie sich mal die CL-Auslosung der Gruppenphase angesehen. Für die Gruppen A bis H werden je vier Mannschaften gezogen. Ich meine: „Vier!“ Aus vier Vertretern ist das Schiedsrichtergespann zusammengesetzt, Spanien, England und Italien haben vier Champions League-Plätze, vier zu zwei hat Lyon über Stuttgart gewonnen…
Kai P.:Ich komme nicht ganz mit…
Über den Ohrknopf dringt ein resignierender Seufzer zu Kai P.
Christoph D. : Dann denken sie nach, Herrgott!
Kai P.: Es ist wohl besser, wenn wir noch einen externen Experten hinzuschalten.
Vor einer Torwand stehend erscheint Oliver G., Moderator einer gleichnamigen Talkshow, in der es vielleicht auch mal um Fußball ging, auf dem Flatscreen hinter Kai P.
Kai P.: Oli, du hast die Spiele und unser Gespräch verfolgt. Was ist deine Meinung zum Scheitern der Bemühungen?
Oliver G.: Ich glaube, was Christoph D. sagen will ist: Es ist besser vierter als fünfter zu sein. Und: Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech hinzu.
Kai P.: Danke Oli, für deine dezidierte Meinung. Auch ihnen danke ich, Herr D. Zum Abschluss noch eine Gewinnspielfrage: Warum musste der VFB Stuttgart 1992 in der ersten Runde des Europapokals gegen Leeds United ein drittes Entscheidungsspiel bestreiten? SMS an die unten angezeigte Nummer. Es gibt ein von Rudi Völler signiertes Nationalmannschaftstrikot zu gewinnen.
Nach nur schwachem Medienecho und ebenso dürftiger Quote wurden für das nächste Spiel Barbara S., Rainer C und Peter N. engagiert.
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