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13.11.07 PES 2008 für PS2, XBox360
Autor: Henning Hildebrandt
Ein jämmerliches 0:0 steht auf der Anzeigetafel. Wolf Fuss und Hansi Küpper philosophieren in den gewohnten Sätzen über die vergangenen 90 Minuten und lassen kaum ein gutes Haar an der Partie Faroer Inseln gegen Kasachstan…
Denn diese Mannschaft gibt es seit der neuesten Produktion der legendären Fußball-Simulation, die wie eh und je in Konkurrenz zur EA-Sports-Reihe FIFA steht. Und diese auch diesmal gewinnt. Denn in Sachen realistischer Animation des Spiels besticht auch dieser neueste Teil der PES-Reihe. Doch alle, die eine spielkulturelle Fußballevolution an der Konsole erhofft haben, werden ein wenig enttäuscht sein. Denn fern ab diesen neuen Exoten im Teilnehmerfeld besticht der siebte Teil der Pro-Evolution-Reihe mit wenigen Neuerungen, die der Daddel-Daumen sich erhofft hatte. Gut, dass autodidaktische Programmierwunder, das einen lernfähigen Computer-Gegner geboren hat, ist durchaus als revolutionär zu bezeichnen. So soll der Computer sich auf die Stärken und Schwächen des Menschen einstellen und gegen die Monotonie stets gleicher Angriffsstrategien ankämpfen können. Dadurch wird der Spieler zur Variation gezwungen, will er mit seinem hundertsten Steilpass nicht den wartenden raumdeckenden Innenverteidiger den Ball vor die Füße spielen.
Doch bereits der Beginn lässt die Mundwinkel von Spieler 1 nach unten gleiten. Denn die Übersichtlichkeit der Einstellungen musste einer neuen Form weichen. Ob Pokal, Einzelspiel oder Training, alles erfordert ein Durchskippen ohne Überblick. Auch das Verneinen von Verletzungen und Ermüdungserscheinungen erfordert ein durch gewöhnungsbedüftigeren zugegeben minimalen Zeit-Aufwand.
Beginnt das Spiel, so sieht man sich schnell in den gewohnten Stadien ohne Originalnamen. Und auch am Ball stehen möglicherweise Fanatasienamen wie Kfore und Pomatski zum Anstoß bereit. Ein Urheber-Rechte-Laster, dass aus der Konkurrenz zum FIFA-lizenzierten Produkt herrührt und sich auf die gewohnten Mannschaften um Merseyside, London FC und einige weitere beschränkt. Dafür kann man sich seinen eigenen Nationalmannschaftkader vor einem Turnier aus ca. 30 Spielern zusammenstellen. Und alle Fortuna-Fans wird’s freuen: Georg Koch steht zum Einsatz bereit.
Im Spielbetrieb erkennt man eines schnell, die Kamera im Standard-Format lässt die Spieler größer und damit noch erkennbarer erscheinen. Erster Pluspunkt des neuen Spiels. Auch die Bewegungen der Einzelnen wirken noch runder, noch realistischer. Regnet’s, so bewegen sich die Mannen auf den ersten Metern schwerfälliger. Der rutschige Rasen macht’s. So wie auch der plötzliche Richtungswechsel in der Bewegung nicht so leicht von der Hand geht. Und was sofort auffällt, hat man den Ball das erste Mal in Richtung gegnerisches Tor befördert, ist die Unsicherheit fast aller Torhüter. Denn nicht jeder Ball kann von jedem Torwart festgehalten werden. Und das entspricht durchaus der Wirklichkeit. Abstauber wie einst Roland Wohlfahrt oder Bruno Labbadia hätten ihre große Freude am „Richtigstehen“. Dadurch werden natürlich Fernschüsse zu einem probaten Mittel im Spiel nach vorne, das ansonsten wie gewohnt über Außen und mit Steilpässen angetrieben werden sollte. Und angeblich auch mit einer geschickten Schwalbe garniert werden kann.
Was allen Uwe Beins am Controller ein Dorn im Auge sein wird, ist der alte Missstand, dass die Wege derer, die in den Raum starten, noch immer in vorgegebenen Bahnen verlaufen. Trotz rechtzeitigen Wechsels zum Empfänger bleibt der Stürmer seiner Richtung auf den ersten Metern wie gewohnt treu. Programmiertechnisch ein Manko, vor allem in den Fällen, in denen man zu zweit gemeinsam den Computer zu überlisten versucht. Und auch der Wechsel der Spieler innerhalb der Mannschaft birgt mitunter einige Überraschungen. In diesen Punkten hat sich das Spiel leider nicht weiterentwickelt. Ebenso wenig, wenn es an den Elfmeterpunkt geht. Die Glückskomponente hat auch hier weiterhin großen Einfluss über treffen oder nicht treffen.
Schön zu sehen ist jedoch, dass Dribblings im Eins-gegen-Eins durchaus erfolgreich sein können, setzt man den Haken und das Tempo zu rechten Zeit an. In diesem Falle zeigt sich bereits frühzeitig ein Tevez von Manchester als besonders geeignet. Wer jedoch auf einen Jay-Jay-Okocha-Trick gehofft hat, wird enttäuscht werden. Die Tricks bleiben die alten. Erfreulich: Freistöße und sogar Ecken finden mitunter den direkten Weg ins Tor.
Und so bleibt letztlich zu konstatieren, dass PES 2008 mal wieder ein Spiel der Extraklasse geworden ist. Realistisch, spannend und abwechslungsreich. Obwohl die Unterschiede zum sechsten Teil überschaubar sind. Zumindest im Vergleich auf der PS 2, was die gehandelten 39,- Euro bis 55,- Euro ein- bis zweimal in der Hand umdrehen lässt, bevor man sie auf die Ladentheke schmeißt.
Wer dennoch mit Bayerns Übermannschaft ohne eigene Editierung spielen möchte, dem ist das Spiel wie jedes Jahr wärmstens zu empfehlen...Fazit: Daddel-Daumen halbhoch.
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